Oberkärntner Gemeinde will ein Gasthaus kaufen
Die Gemeinde Malta möchte das Kramer-Anwesen ankaufen, um dort das Gasthaus zu erhalten. Geplant ist auch ein „Betreutes Wohnen“ auf den Schmidgründen.

Bei der Gemeinderatswahl 2027 wird Bürgermeister Klaus Rüscher (LIM - Liste für Malta) nicht mehr antreten. Eines seiner wichtigsten Projekte, die weitere Belebung des Ortskerns in Malta, möchte er aber noch heuer auf Schiene bringen. So wurde bei der letzten Gemeinderatssitzung ein einstimmiger Grundsatzbeschluss zum Ankauf des Anwesens Kramer gefasst, um dort langfristig ein Projekt für die Maltataler Bevölkerung zu entwickeln. Rund 600.000 Euro soll das 2500 Quadratmeter große Anwesen, auf dem sich das historische Gasthaus Kramer und ein Stall befinden, kosten. „Das ist noch der Knackpunkt. Für den Ankauf könnten wir zwar einen Teil selbst finanzieren, wir würden aber auch Geld vom Land benötigen. Am Donnerstag wird sich entscheiden, ob das zum Beispiel in Form eines Darlehens klappt“, sagt Rüscher, der schon zahlreiche Ideen für das Anwesen hätte.
Eine Vision wäre es, das mehr als 100 Jahre alte Dorfgasthaus, das seit Mai 2025 geschlossen hat, wiederzubeleben. „Das wäre in Zeiten des Gasthaussterbens ein riesiger Gewinn für Malta. Es ist eines der ältesten Gebäude im Ort und war immer schon Kommunikationszentrum. Durch die Nähe zur Kirche war der Kramer sozusagen unser Kirchenwirt, der seit der Schließung natürlich bei sämtlichen Veranstaltungen fehlt“, sagt Rüscher.
Wohnungen und Geschäftsflächen
Im Obergeschoß des angrenzenden Stallgebäudes könnten laut dem Bürgermeister Wohnungen entstehen, im Untergeschoß Geschäftsflächen. „Unsere größte Angst ist es, dass das Anwesen jemand kauft, der eigentlich kein Interesse daran hat und es brach liegen lässt. Sollten die Verhandlungen mit dem Land positiv ausgehen, wollen wir ein langfristiges Konzept mit einem Bürgerbeteiligungsprozess erarbeiten, um etwas Sinnvolles für die Ortskernbelebung umzusetzen“, sagt Rüscher und fügt hinzu: „Denn wenn der Ortskern stirbt, werden kleine Gemeinden zu Schlafdörfern.“

Wenn der Ortskern stirbt, werden kleine Gemeinden zu Schlafdörfern. Deshalb wollen wir ein langfristiges Konzept entwickeln.
— Klaus Rüscher, Bürgermeister von Malta
Damit das nicht passiert, hat die Gemeinde bereits 2018 den alten Pfarrhof renoviert. Rund 270.000 Euro hat das Projekt, das mit 100.000 Euro Leaderförderung der EU unterstützt wurde, gekostet. Heute befinden sich dort eine Fußpflegerin, ein Friseursalon und eine Masseurin. Auch die Chöre haben dort einen Proberaum gefunden.
Ein weiteres Projekt ist ebenfalls schon beschlossen. Auf den ehemaligen Schmidgründen gegenüber der Verkaufsstelle der Bäckerei Pietschnigg plant die Gemeinde in Zusammenarbeit mit der Wohnbaugenossenschaft „Meine Heimat“ ein „Betreutes Wohnen“. Das 3500 Quadratmeter große Grundstück hat sich die Gemeinde bereits vor Jahren gesichert. „Der Architekt wurde kürzlich mit der Rohplanung beauftragt“, sagt Rüscher. Derzeit sind 18 barrierefreie Wohneinheiten im Ausmaß von rund 60 Quadratmetern samt Gemeinschaftsraum geplant. „Wir müssen auf den Bevölkerungswandel reagieren. Es gibt im Lieser-Maltatal bis dato in fünf Gemeinden kein „Betreutes Wohnen“, wir wären die ersten. Es wäre ein Meilenstein“, sagt Rüscher.
Der Baustart wäre frühestens für Herbst 2027 oder Frühjahr 2028 geplant, für die Fertigstellung gibt es noch keinen Termin. Weder Projektkosten noch Preise für die Mietwohnungen stehen aktuell fest. „Es soll auf jeden Fall leistbar für ältere Bürger oder Ehepaare sein, sie werden auch über das Wohnbauförderungsprogramm des Landes gefördert. Die Gemeinde hat das Zuweisungsrecht“, sagt Rüscher, für den die Wiederbelebung des Gasthauses Kramer angesichts des betreuten Wohnprojektes nur allzu gut zum Gesamtkonzept passen würde.
„Das Betreute Wohnen befindet sich mitten im Ort. Die Mieter können sich lange fußläufig versorgen. Wir haben mit dem alten Pfarrhof samt Fußpflege, Masseur und Friseur sowie Bäckerei, Adeg, Bank und Festsaal alles in der Nähe. Wenn dann auch noch das Gasthaus wieder aufsperrt, wäre das perfekt“, sagt Rüscher, der darauf hofft, dass die politischen Vertreter der Gemeinde die Pläne auch nach der Gemeinderatswahl 2027 weiterverfolgen werden. Ein Bürgermeisterkandidat oder eine Kandidatin vonseiten der Liste für Malta steht noch nicht fest. „Wir sind aktuell noch in Gesprächen und werden uns bis Ende November entscheiden“, verrät Rüscher.