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Matthias Mayer: „Es ist mit vielen Gefahren und Risiken verbunden“

Dreifach-Olympiasieger Matthias Mayer (36) spricht über seine Rolle als Trainer, Vertrauen, Comebacks und warum er keinen Nervenkitzel mehr verspürt.

© GEPA
Ex-Skistar Matthias Mayer
Denise Maryodnig
Redakteurin Sport

Wie sehr verändert sich der Blick auf den Skisport, wenn man plötzlich für die Entwicklung anderer verantwortlich ist?

MATTHIAS MAYER: Schon extrem. Man übernimmt eine große Verantwortung, deren man sich auch bewusst sein muss. Ich bin jetzt in der Rolle eines Außenstehenden, der sozusagen nur durch Worte bestimmte Dinge beeinflussen kann, aber nicht mehr als Rennläufer auf der Piste steht, um direkt etwas zu verändern. Das ist definitiv ein Lernprozess, denn es ist eine völlig andere Aufgabe. Für mich persönlich war es die richtige Entscheidung, und ich hoffe, dass ich vieles für die Athleten richtig mache. Dass man nicht immer alles richtig machen kann, ist klar – und wahrscheinlich muss man das auch gar nicht.

Was können Sie einem jungen Fahrer vermitteln, das in keinem Trainingsplan steht?

Gute Frage. Ich versuche, meine Erfahrungen bestmöglich weiterzugeben, denn eines ist klar: Nicht alles lässt sich in einem Trainingsplan festhalten. Wenn ich die jungen Fahrer beobachte, sehe ich oft mich selbst in meiner aktiven Zeit wieder. Das versetzt mich gewissermaßen zurück in meine eigene Karriere, weil sich vieles widerspiegelt. Eine der größten Herausforderungen ist letztlich, ihnen Vertrauen zu vermitteln und im besten Fall ein Fels in der Brandung für sie zu sein. Jeder Fahrer ist ein eigener Charakter, und genau das macht die Arbeit so spannend und interessant – auch wenn es dadurch nicht immer einfach ist. Es gibt immer wieder Situationen, in denen ich etwas ausspreche, woran der Athlet selbst gerade gedacht hat. Da muss ich dann schon schmunzeln. Ich bin jemand, der gerne vorfühlt und Dinge anspricht, bevor sie überhaupt ausgesprochen werden. Das gibt meinem Gegenüber ein gutes Gefühl. Ich muss auch gestehen, dass mir selbst abseits des Trainings immer wieder Gedanken rund um das Training kommen. Das war schon während meiner aktiven Zeit nicht anders.

Sie sind im Europacup für die Allroundgruppe (Riesentorlauf, Super-G und Abfahrt) zuständig – was macht es besonders anspruchsvoll, eine Gruppe zu betreuen, die in allen drei Disziplinen konkurrenzfähig sein soll?

Genau das ist die große Herausforderung: sich technisch weiterzuentwickeln und gleichzeitig im Speedbereich voll am Ball zu bleiben. Dafür braucht es einen hohen Trainingsumfang. Im Riesentorlauf lässt sich dieser besonders gut umsetzen, weil dort mehr Wiederholungen möglich sind. Deshalb ist der Riesen ein wichtiger Baustein in der langjährigen Ausbildung.

Allrounder in drei Disziplinen: Ist das die ideale Grundlage oder besteht die Gefahr, sich zu verzetteln?

Grundsätzlich ist das ideal für jeden Athleten, weil er dadurch letztlich seine individuellen Stärken ausspielen kann. Was am Ende dabei herauskommt, ist natürlich eine andere Frage.

Wie viel Zeit muss man einem jungen Fahrer geben und wann muss man auch einmal klare Worte finden?

Ich bin überzeugt davon, dass es genau die richtige Mischung ausmacht. Wenn ein Fahrer einen Lauf hat und vieles von selbst funktioniert, reichen oft Blicke, um sich zu verständigen. In schwierigen Phasen, die jeder von uns kennt, braucht es dagegen gute und klare Worte. Kommunikation ist ein wichtiger Faktor, aber man sollte es nicht übertreiben – schließlich kann man auch vieles zerreden.

Welcher Typ Trainer sind Sie eigentlich?

Ich bin ein Trainer, der vollen Einsatz verlangt. Man muss zeigen, dass man es wirklich will und auch das Zeug dazu hat, vorne mitmischen zu können. Ein absolutes No-Go ist für mich ein „Obezahrer“. In meiner aktiven Karriere habe ich nur ganz selten gejammert – und wenn es einmal so weit war, dann hatte ich wirklich einen richtig schlechten Tag erwischt.

Vermissen Sie manchmal noch den Nervenkitzel?

Adrenalinschübe? Fehlanzeige. Was das angeht, bin ich inzwischen wirklich völlig draußen – auch wenn es lange gedauert hat. Von heute auf morgen von hundert auf null herunterzufahren, ist schließlich nicht einfach.

Und was halten Sie von letzten Comebacks?

Ich glaube, dass es extrem schwierig ist, nach mehreren Jahren ein Comeback zu starten. Wie man gesehen hat, ist das leider auch mit vielen Risiken und Gefahren verbunden. Letztlich ist jeder Mensch anders und sucht nach etwas anderem im Leben. Deshalb muss jeder für sich selbst entscheiden, welchen Weg er einschlagen möchte.

Was aus Ihrer aktiven Karriere hat Sie menschlich am meisten geprägt?

Das Vertrauen in sich selbst und in den Weg, den man geht, zu finden. Es gibt kaum etwas Schöneres, als wenn etwas aufgeht, worauf man jahrelang hart hingearbeitet hat.