Drum prüfe, wer verpflichtet wird

Bundesheer und Zivildiensteinrichtungen kommen die Verpflichteten abhanden. Damit das System nicht kippt, braucht es mehr Flexibilität.
Neben unzähligen anderen Ländern dieser Welt bereitet auch den Regierenden in Österreich eine Entwicklung berechtigtes Kopfzerbrechen – der demografische Wandel. Wie soll eine stetig schrumpfende Gruppe Junger eine stetig wachsende Gruppe Alter langfristig versorgen, geschweige denn ihre Pensionen zahlen? Diese Frage überlagert in der Debatte eine weitere, die man sich dennoch stellen muss: Wer soll dieses Land verteidigen, wenn ihm die Wehrpflichtigen ausgehen?
Neben einer sinkenden Geburtenrate sorgen Untauglichkeit und eine andere Staatsbürgerschaft dafür, dass eine zunehmend kleiner werdende Minderheit zum Dienst am Staat (an der Waffe oder zivil) verpflichtet wird. Dass jener an der Waffe auch noch länger dauern wird, wie von der Regierung beschlossen, mag den Personalbedarf des Heeres kurzfristig ausgleichen. Gerechter wird das System damit nicht – im Gegenteil.
Damit es langfristig (in beiden Bereichen) nicht kippt, braucht es mehr Flexibilität. Wer als nicht geeignet für den Wehrdienst gilt, könnte (je nach Grund für die Untauglichkeit) einer Zivildiensteinrichtung zugeteilt werden, die im Ernstfall auch im Einsatz ist. Wer keinen rot-weiß-roten Pass hat, könnte Vorteile für dessen Beantragung erhalten, wenn er sich freiwillig in den Dienst stellt. Solche Überlegungen kommen mit schwerem ideologischen Gepäck und werden deshalb kaum angestellt. Der demografische Wandel könnte der Politik eine solche Debatte aber bald aufzwingen.