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Raffael Behounek: „Als Junger war die Zunge schon mal schneller“

WAC-Verteidiger Raffael Behounek (29) ist jemand, der an seinen Grundsätzen festhält. „Man muss sich auch nicht alles gefallen lassen.“

© GEPA
Raffael Behounek
Denise Maryodnig
Redakteurin Sport

Im Fußball ist Taktgefühl eine praktische Fähigkeit. Es hilft, unangenehme Fragen zu umschiffen. Wer lange genug im Geschäft ist, weiß, welche Sätze man besser für sich behält. Raffael Behounek hat in früheren Jahren nicht immer den einfachsten Weg gewählt. „Als Junger war die Zunge schon mal schneller, aber ich finde, dass es nie dramatisch war. Dass jemanden irgendetwas in der heutigen Zeit stört, ist ein gesellschaftliches Problem. Am Ende des Tages ist es fast egal, wie man was sagt, irgendwem passt es eh nicht“, meint der Wiener und fügt hinzu: „Ich bin mittlerweile viel freier von Emotionen. Ich antworte aber immer so, wie ich es für richtig empfinde – mit der nötigen Diplomatie. Für mich ist es nichts Außergewöhnliches, nur wahrscheinlich etwas direkter, als man es im Fußball gewohnt ist.“

Der Verteidiger des WAC ist keiner, dem man mangelnde Bereitschaft zum Klartext unterstellen würde. In einem Geschäft, in dem jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, ist diese Direktheit durchaus bemerkenswert. Behounek ist ein Mann mit Ecken und Kanten, aber eben einer, „von dem man grundsätzlich alles haben kann. Aber es ist keine Einbahnstraße. Wenn etwas nicht einhergeht, dann braucht man sich nicht erwarten, dass großartig etwas von mir zurückkommt – so funktioniert das Leben einfach nicht. Für mich ist es menschlich, da ich nach gewissen Werten und Prinzipien lebe“, verdeutlicht „Raffa“.

Umgangsformen, Respekt und Anstand sind keine leeren Worthülsen

Er kann ein unkomplizierter Mensch sein, zieht aber ebenso klare Grenzen. „Das kommt oft falsch rüber, weil es distanziert verstanden wird. Dann denken viele, ich sei nicht nahbar oder arrogant, aber man muss sich auch nicht alles gefallen lassen. Die Wahrnehmung anderer kann man nur bedingt beeinflussen.“ In einer Zeit, in der der gesellschaftliche Diskurs zunehmend rauer wird, hält Behounek an seinen Grundsätzen fest. Umgangsformen, Respekt und Anstand sind für ihn keine leeren Worthülsen. „Das heißt aber nicht, dass ich die Meinung eines jeden anderen teilen muss. Ich finde, dass man von Mitmenschen schon etwas erwarten kann, wobei es wohl oft zu viel verlangt ist.“

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Raffael Behounek

Der Weg des 29-Jährigen führte ihn von der österreichischen Bundesliga bis in die Niederlande und wieder zurück. Unterschiedliche Fußballwelten, Herausforderungen und sportliche Höhen wie Tiefen haben seine Laufbahn geprägt. Doch die schönsten Erinnerungen verbindet er nicht unbedingt mit dem Profifußball, „sondern mit dem Jugendfußball. Auch die Zeit in Holland war schön und erfolgreich, aber mit Ups and Downs.“ Auf den bittersten Moment angesprochen, rückt er die Perspektive zurecht: „Ich hatte weitaus schlimmere Tage im Leben abseits des Fußballs. Klar ist es der Job, dennoch gibt es ein Leben außerhalb.“ Eine Aussage, die viel darüber verrät, wie er die Dinge einordnet. Bei aller Professionalität verliert er den Blick für das Wesentliche nicht. Auf dem Platz liegen seine Stärken in der Antizipation, im Spiel mit dem Ball und in seiner Ruhe.

„Er ist klar darin, welche Dinge für ihn absolut nicht verhandelbar sind“

Und sportlich? Da wartet auf die „Wölfe“ am Dienstag (18.30 Uhr) auswärts das ÖFB-Cup-Achtelfinale gegen Zweitligist Hertha Wels. Dass der Gegner keineswegs unterschätzt werden darf, ist klar, dennoch formuliert er die Erwartungshaltung deutlich: „Wir müssen wieder Tore erzielen und ich glaube, da kommt uns Wels für unser Offensivspiel gelegen.“ Auch mit Blick auf Trainer Manfred Schmid zeigt sich der Abwehrallrounder äußerst zuversichtlich. „Er hat einen anderen Ansatz, eine enorm angenehme Art, immer ein offenes Ohr und er ist jemand, der über den Tellerrand hinausschaut und sich für den Menschen hinter dem Fußballer interessiert. Viele vergessen nämlich, dass hinter jedem ein stinknormaler Mensch steckt.“ Gleichzeitig wisse Schmid genau, wofür er stehe: „Er ist ganz klar darin, wie er den Fußball sieht und welche Dinge für ihn absolut nicht verhandelbar sind. Er wird uns wieder in die Erfolgsspur bringen.“