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„Bauherr:innenpreis 2026“: Zwei steirische Projekte unter den Siegern

Von den sechs Projekten, die heute Abend bei der Verleihung der „Bauherr:innenpreise 2026“ in Graz ausgezeichnet werden, stehen zwei in der Steiermark.

© Lupi Spuma/Karin Lernbeiß
Das Jesuitenrefektorium am Rosenhain
Karin Riess
Samstags- und Sonntagbeilage, Leiterin Samstagsbeilage und Reiseredaktion

In der Grazer Helmut-List-Halle werden in diesen Minuten die „Bauherr:innenpreise 2026“ vergeben: Insgesamt 132 Projekte aus ganz Österreich wurden in diesem Jahr bei der „Zentralvereinigung der Architekt:innen“ eingereicht. 23 davon haben die Nominierungsjurien in den Bundesländern für die Endausscheidung ausgewählt. Daraus ermittelte die Hauptjury bestehend aus Katharina Benjamin (Leipzig), Sonja Hohengasser (Spittal an der Drau) und Lukas Imhof (Zürich) die sechs diesjährigen Preisträger, von denen zwei in der Steiermark stehen.

Ausgezeichnet wurde die Wiedererrichtung des ehemaligen Jesuitenrefektoriums am Rosenhain. Nach einem Brand im Jahr 1984 war vom denkmalgeschützten Sommerrefektorium der Jesuiten aus dem 17. Jahrhundert nur eine Ruine geblieben. Außenmauern und einzelne Gewölbe dämmerten auf einer Waldlichtung vor sich hin. Heute bespielt das Institut für Bewegungswissenschaften, Sport und Gesundheit der Universität Graz die 1800 m² Nutzfläche mit etwa 50 Arbeitsplätzen, einem Hörsaal und Seminarräumen für rund 280 Personen.

Das Architekturbüro „leb idris architektur ZT“ integrierte die Reste des Ziegelmauerwerks in eine neue Gebäudehülle, die die ursprüngliche Kubatur des Refektoriums aufgreift. Die alten Arkaden wurden zeitgenössisch interpretiert, das neue Dach mit zwei Etagen ausgebaut. Einen bewussten Kontrast zu den Backsteinen schafft die Verwendung von Dämmbeton mit mineralischer Struktur als Baumaterial. Wie einst wird das Dach-, Oberflächen- und Hangwasser wieder in die Rosenhainteiche geleitet.

Bericht von der Eröffnung des Jesuitenrefektoriums

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Das Jesuitenrefektorium am Grazer Rosenhain wurde unter Erhalt der denkmalgeschützten Mauern revitalisiert
Das Jesuitenrefektorium am Grazer Rosenhain wurde unter Erhalt der denkmalgeschützten Mauern revitalisiert © Lupi Spuma/karin Lernbeiß

Kinderkrippe Gabersdorf: Der Raum als „dritter Pädagoge“

Eine weitere Auszeichnung geht in die Südsteiermark: Wenn eine Gemeinde geschlossen hinter einem Bauprojekt steht, dann weil möglichst viele Bewohner in den Prozess eingebunden waren. So geschehen bei Kinderkrippe und -garten in Gabersdorf. Einstimmig entschied sich der Gemeinderat sowohl für das Grundstück als auch für den Entwurf des Architekturbüros „Projekt cc“ – einen ebenerdigen Baukörper mit unterschiedlich angeordneten Gebäudeteilen, Satteldächern und Dachgauben.

Ein Konstruktionsraster von vier mal vier Metern ermöglichte einen effizienten Holzbau mit vorgefertigten Teilen, eine geschickte Einteilung in verschiedene Zonen schafft Räume fürs Erleben, aber auch für Ruhe und Rückzug. Große Glasflächen stellen einen Bezug zur Umgebung mit Bäumen, Naschbeeten und Spielmöglichkeiten her.

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Unterschiedlich angeordnete Räume schaffen Bereiche für gemeinsames Spielen, Entdecken und Bewegen, aber auch für Ruhe und Rückzug
Unterschiedlich angeordnete Räume schaffen Bereiche für gemeinsames Spielen, Entdecken und Bewegen, aber auch für Ruhe und Rückzug © paul ott

Villa Beer: Ein wiedereröffnetes Schlüsselwerk

Das prominenteste Architekturprojekt des Jahres ist wohl die Generalsanierung der Villa Beer: Viele Jahre Leerstand hatten dem Haus in Wien-Hietzing zugesetzt. Ab 2024 wurde das denkmalgeschützte Schlüsselwerk der österreichischen Moderne nach Entwürfen von Josef Frank und Oskar Wlach von Architekt Christian Prasser und der Villa Beer Foundation nicht nur saniert, sondern weitgehend in ihren Originalzustand versetzt und im Hinblick auf eine Nutzung als Museum und Veranstaltungsort gestaltet. Nicht selten glich die Rekonstruktion von Oberflächen, Einbauten oder Details detektivischer Arbeit. Auch der Garten wurde nach historischem Vorbild wieder angelegt. Tickets für die Führungen von Mittwoch bis Sonntag müssen online gekauft werden.

Rundgang in der sanierten Villa Beer

Werkhalle und Bürogebäude: Lehm als tragender Baustoff

Lehmbau-Pionier Martin Rauch hat in Schlins in Vorarlberg einen neuen Standort für sein Unternehmen Lehm Ton Erde Baukunst GmbH geplant und realisiert. Dieser umfasst eine Produktionshalle für vorgefertigte Stampflehmbauteile und ein dreigeschoßiges Bürogebäude für Forschung, Projektabwicklung und Planung. Die Konstruktion kombiniert Stampflehm mit Holzbau, wobei das Erdmaterial nicht nur als Verkleidung dient, sondern auch tragende Funktionen übernimmt. Weitere Innovationen sind ein Liftschacht aus Lehm, Hybridkonstruktionen aus Holz und lehmgebundenen Holzschnitzeln oder die Realisierung von zehn Meter hohen, selbsttragenden Lehmwänden.

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Die Villa Beer wurde 1929–1930 von Josef Frank und Oskar Wlach entworfen
Die Villa Beer wurde 1929–1930 von Josef Frank und Oskar Wlach entworfen © Hertha Hurnaus

Aufstockung in Innsbruck: Hier wird Kultur gebacken

Seit 2010 ist eine ehemalige Innsbrucker Bäckerei die Kreativwerkstatt der „Kulturbackstube“. Das historische Gebäude im Stadtteil Dreiheiligen wurde 2024 um zwei Etagen in Holzbauweise aufgestockt, die sich schlicht, aber klar vom Bestand abheben. Die so entstandenen Flächen werden derzeit als Arbeits- und Büroräume genutzt, wurden aber flexibel geplant, sodass sie unterschiedliche Nutzungen zulassen. Die Mieteinnahmen tragen zum Fortbestand der Kulturinitiative bei. Sie bespielt weiterhin die Räume im unteren Gebäudeteil mit Veranstaltungen, Café oder Ateliers, die im Zuge der Nachverdichtung modernisiert wurden.

Platz in Innsbruck: Der Weg bis zum „Coolymp“

Der weitgehend versiegelte DDr.-Alois-Lugger-Platz im Innsbrucker Stadtteil Olympisches Dorf war ein Hitzehotspot. Gegen eine Begrünung sprach lange Zeit wegen der vollständigen Unterbauung der Fläche durch eine Tiefgarage die Statik. Deren Dach wurde im Zuge der Neugestaltung saniert, um das Erdreich für mehr als 20 Bäume, Sträucher und weitere Bepflanzungen tragen zu können. Im Sommer sollen die Maßnahmen die Temperaturen um 3 bis 4 °C senken. Die Gestaltung mit Wasserspiel, Sitzgelegenheiten und einem überdachten Veranstaltungsbereich macht den Platz zum neuen Treffpunkt an der Innsbrucker Peripherie.