Wie ein kleiner Stich und eine Wartezeit in Spielfilmlänge Leben retten
Thrombozyten sind in der Blutspendezentrale Mangelware. Dabei könnte man selbst sehr rasch in die Situation kommen, sie zu brauchen.

Die Nadel hat die normale Länge. Die Zeit, die man sich nehmen muss, ist hingegen etwas länger bemessen. Eine solide Spielfilmlänge, also gut 90 Minuten, hängt man nach dem Stich an Schläuchen und Geräten fest. Eine ungewöhnlich lange Verweildauer in der Blutspendezentrale des Roten Kreuzes in der Klagenfurter Grete-Bittner-Straße. Normalerweise ist man hier in 15 Minuten fertig. „Heute dauert es aber länger, denn da werden Thrombozyten gesammelt“, sagt Sabine Leikam von der Blutspendezentrale, während sie die Nadel in die Venen führt.
Thrombozyten sind – vereinfacht gesagt – Blutplättchen, die für die Blutgerinnung und Blutstillung von Bedeutung sind. Wer schwaches Knochenmark hat oder als Nebenwirkung einer Krebsbehandlung selbst keine Thrombozyten produzieren kann, ist auf Spenden angewiesen, ebenso Unfallopfer. Denn auch wenn die moderne Medizin und Labortechnik schon viel leisten kann: Thrombozyten für die medizinische Anwendung kann man künstlich noch nicht herstellen.
Gibt keine Alternative zur Spende
Auch das Anlegen von Reserven hilft nicht. Nach fünf Tagen sind die gesammelten Thrombozyten zum Verwerfen. „Bei den gewöhnlichen Blutkonserven haben wir es in den letzten Jahren geschafft, den Bedarf von 30.000 Konserven pro Jahr auf 15.000 zu senken. Vor allem die blutsparenden Maßnahmen in den Kliniken haben uns da geholfen. Bei den Thrombozyten gibt es aber keine Alternative zur Spende“, sagt Albert Sima, ärztlicher Leiter der Blutspendezentrale.
Die Menschen begegnen sich ohnehin oft so aggressiv, da kann man einen kleinen Beitrag zum Zusammenleben leisten.
— Patrizia,, Thrombozyten-Spenderin
Das ist auch der Grund, warum Patrizia hier ist. Sie fuhr eigens vom Hochrindl in der Früh eine Stunde nach Klagenfurt. Ihr Mann war schon mehr als 100 Mal bei der Vollblutspende, sie spendet regelmäßig Thrombozyten. „Die Menschen begegnen sich ohnehin oft so aggressiv, da kann man einen kleinen Beitrag zum Zusammenleben leisten“, sagt die Frau.
Eine Liege weiter nimmt ein Korporal vom Landesmilitärkommando Platz. Er darf in der Dienstzeit spenden, macht es aber aus Überzeugung. „Man weiß ja nie, wann man selbst Unfallopfer wird und das brauchen könnte.“ Das Blut läuft derweil im Kreis. Bei einer Thrombozytenspende werden die Blutplättchen hinausgefiltert, das übrige Blut kommt zurück in den Körper. Daher kann man auch innerhalb von zwei Wochen zwei oder sogar drei Mal spenden. Eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro pro Spende macht daraus einen durchaus gefragten Nebenverdienst für Studierende.
Ein weiterer Grund, warum die Thrombozyten knapp sind: die Überalterung. „Viele ältere Menschen bilden keine Thrombozyten mehr und sind auf Blutprodukte angewiesen“, erklärt Sima. Wer volljährig und gesund ist und zudem belastbare Venen hat, ist als Spenderin oder Spender willkommen. Nach gut 90 Minuten gibt es dann noch ein Calcium-Getränk und eine Packung Schnitten. Und eine herzliche Einladung von Leikam und Sima: „Kommen Sie gerne wieder – Sie könnten Ihre Spende selbst brauchen.“

Die Blutspendezentrale
Vollblutspenden kann man regelmäßig bei Aktionen quer durch Kärnten abgeben. Am Dienstag, dem 27. Oktober, etwa in Althofen, in Gundersheim und in Hermagor. Alle kommenden Termine gibt es hier.
Für Thrombozyten muss man in die Blutspendezentrale in Klagenfurt kommen. Eine telefonische Voranmeldung unter 050 9144 1944 ist notwendig.
Alle weiteren Infos gibt es hier.