Ihr Pferd kämpfte ums Überleben – jetzt hilft sie anderen
Die 25-jährige Clarissa Voglmüller betreut im Equidom in Lang Pferde, die nach Verletzungen, Operationen oder bei Erkrankungen besondere Versorgung benötigen.

Dreimal täglich braucht Shetlandpony Shakira Augentropfen. Für seine Besitzerin, die berufstätig ist, wäre das kaum zu organisieren. Die Behandlung ist der letzte Versuch, das betroffene Auge zu retten. Andernfalls droht dessen Entfernung. Deshalb steht Shakira derzeit in Jöß (Gemeinde Lang). Hier kümmert sich Clarissa Voglmüller um Pferde, deren Versorgung über den gewöhnlichen Stallalltag hinausgeht. Ein anderes Pferd erholt sich von einem Griffelbeinbruch, bei einem weiteren wird schrittweise die Muskulatur wieder aufgebaut.

„Wenn ein Pferd einfach mehr braucht, dann bin ich da“, sagt die 25-Jährige. In ihrem Betrieb Equidom nimmt sie ausschließlich Pferde auf Zeit auf – für zwei Wochen oder auch mehrere Monate. Medikamente verabreichen, Bewegungspläne umsetzen: Was medizinisch nötig ist, bestimmen die behandelnden Tierärzte. „Ich entwickle da selbst keine Maßnahmen“, betont Voglmüller. Jede Medikamentengabe und jede Trainingseinheit hält sie im Detail fest.
In der Halle bilden blau-gelbe Bodenstangen Gassen für gezielte Bewegungsübungen. Voglmüller stellt den Timer: eine Minute Bewegung, 30 Sekunden Pause. Bei der sogenannten Equikinetic führt sie ein Pferd auf vorgegebener Bahn in kontrollierten Intervallen. Das Training soll eine gleichmäßigere Muskelarbeit fördern, erklärt Voglmüller. Sie hat dafür eine Trainerausbildung in Deutschland absolviert. Bei gesundheitlich beeinträchtigten Tieren erfolge der Einsatz nach tierärztlicher Freigabe.
Zum Alltag gehören auch gezielte Übungen, mit denen Voglmüller die Beweglichkeit der Pferde unterstützt. Die 25-Jährige demonstriert eine Übung, die sie „Tango“ nennt, zur Mobilisierung der Hüfte, und zeigt, wie sie ein Pferd dazu anregt, seinen Rücken aufzuwölben und die Bauchmuskeln anzuspannen. Welche Übungen bei einem gesundheitlich beeinträchtigten Pferd sinnvoll sind, wird mit dem behandelnden Tierarzt abgestimmt.

Ein Unfall änderte alles
Warum sie sich gerade Pferden mit erhöhtem Pflegebedarf widmet, hat mit Voltaire zu tun. Ihr erstes eigenes Pferd erlitt kurz nach dem Kauf einen schweren Unfall, verlor einen Teil seiner Lunge und verbrachte einen Monat in einer Wiener Klinik. Danach musste Voglmüller die Versorgung im Alltag organisieren. „Ich bin jeden Tag dreimal in den Stall gefahren, ich war fix und fertig“, erinnert sie sich. Sechs Monate lang bestimmten Medikamente und Ungewissheit ihren Tagesablauf. Heute kann sie Voltaire wieder reiten, angepasst an seine Möglichkeiten.

Als sich die Gelegenheit für einen eigenen Standort bot, zögerte Voglmüller nicht lange: „An einem Mittwoch habe ich erfahren, dass der Betrieb zu pachten ist, und zwei Tage später bin ich mit meinen Pferden von Leoben nach Leibnitz gezogen.“ Neben Equidom arbeitet die 25-Jährige weiterhin in der Immobilienverwaltung. Mit ihrem Betrieb will sie eine Lücke in der Versorgung schließen. Denn auch wenn ein Pferd die Tierklinik verlassen kann, braucht es häufig noch über Wochen oder Monate besondere Betreuung. „Bei der Klinik hört es ja nicht auf“, bringt Voglmüller ihre Motivation auf den Punkt.
Equidom Jöß
- Standort: Jöß 31, 8430 Leibnitz
- Angebot: Zeitlich begrenzte Betreuung von Pferden mit erhöhtem Pflegebedarf, etwa nach Verletzungen, Operationen oder bei Erkrankungen. Dazu zählen die Umsetzung tierärztlicher Vorgaben, Medikamentengaben, angepasste Bewegung und gezieltes Training
- Wichtig: Die Betreuung erfolgt in enger Abstimmung mit den behandelnden Tierärzten. Equidom bietet keine eigenständigen medizinischen Behandlungen an.
- Aufenthalt: Je nach Bedarf von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten. Keine dauerhaften Einstellplätze
- Informationen: www.equidom.at