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WAC-Coach Schmid: „Man hat geglaubt, er würde kaum mehr als den Kopf heben können“

Neo-WAC-Coach Manfred Schmid beschreibt, wie sein Sohn Patrick mit Beeinträchtigung sein Leben prägt und ihm als Trainer neue Perspektiven gibt.

© Privat
Manfred Schmid mit seinem Sohn Patrick und seiner Frau Petra
Denise Maryodnig
Redakteurin Sport

Wenn man Sie nicht als Trainer, sondern als Mensch kennenlernen möchte: Was sollte man über Sie wissen, das bisher vielleicht zu kurz gekommen ist?

MANFRED SCHMID: Ich bin ein geselliger Mensch, gerne unter Leuten und am liebsten von positiven Menschen umgeben. Ein gutes Essen weiß ich genauso zu schätzen wie die eine oder andere Runde am Golfplatz, auch wenn dafür im Alltag oft wenig Zeit bleibt. Meine größte Priorität ist aber meine Familie. Ich verbringe so viel Zeit wie möglich mit meiner Frau und meinem Sohn und bin ohnehin sehr gerne zu Hause.

Sie sind Vater eines Sohnes mit Beeinträchtigung. Hat diese persönliche Erfahrung Ihren Blick auf das Leben und auf das, was wirklich wichtig ist, verändert?

Ich habe gewisse Dinge schon früher anders eingeschätzt, aber mit der Geburt meines Sohnes beginnt man, vieles noch einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Seither kann ich manche Probleme leichter einordnen. Wenn im Beruf etwas nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle, komme ich nach Hause, sehe meinen Sohn und weiß, dass es im Leben ganz andere Sorgen gibt. Patrick hat Freunde, die mit ähnlichen Herausforderungen leben und dennoch ihren ganz eigenen Weg gehen. Sie sind glücklich, auch wenn ihnen vieles nicht möglich ist oder sie manche Dinge gar nicht so erleben können wie andere Menschen. Das zeigt mir immer wieder, wie wichtig es ist, bodenständig zu bleiben und nicht wegen jeder Kleinigkeit zu überreagieren. Natürlich bringt unsere Situation auch Einschränkungen mit sich, weil wir als Familie nicht alles unternehmen können. Aber das gehört zu unserem Leben, und wir sind sehr froh, Patrick zu haben. Vor allem ziehe ich den Hut vor meiner Frau, die oft viel Zeit allein mit ihm verbracht hat. Das ist eine enorme Aufgabe!

Wenn Sie ihn ansehen und er Sie anlächelt, wird vermutlich im Fußball vieles zur Nebensache?

Absolut! Es gibt eigentlich nichts, was mich so schnell aus der Ruhe bringen kann, denn zwischen uns besteht eine ganz besondere Verbindung. Patrick zeigt mir immer wieder, worauf es im Leben wirklich ankommt. Ich habe auch Menschen mit anderen Beeinträchtigungen kennengelernt, die vor noch größeren Herausforderungen stehen. Solche Begegnungen rücken vieles ins rechte Licht. Patrick ist außerdem ein riesiger Fußballfan, er kennt sich aus und fiebert im Stadion mit. Umso schöner ist es, dass er jetzt wieder besonders stolz auf seinen Papa ist, der einen neuen Job hat. Damit kann er auch wieder ins Stadion gehen und das macht mich glücklich, wenn er sich freut.

Gibt es Dinge, die Sie durch Ihren Sohn gelernt haben und die Ihnen auch in Ihrem Beruf als Trainer helfen?

Ich bin definitiv ruhiger geworden. Patrick hat mir gezeigt, dass manche Dinge Zeit brauchen und nicht immer sofort funktionieren müssen. Die Prognosen waren sehr ernüchternd. Man ging davon aus, dass er kaum mehr können würde, als den Kopf zu heben. Doch mit einem unglaublichen Willen und viel Leidenschaft hat er sich großartig entwickelt. Mittlerweile spielt er Sitzfußball, bekommt vieles mit und kann seine Gefühle zeigen. Patrick, der nie etwas fordert, ist sehr genügsam. Er ist glücklich, dass er da ist und Menschen um sich hat, die sich um ihn kümmern.

Kann man durch persönliche Erfahrungen auch ein besserer Trainer werden?

Davon bin ich überzeugt. Ich bin ein Trainer, der viel kommuniziert und sich auch für den Menschen hinter dem Spieler interessiert. Jeder hat sein eigenes Packerl zu tragen, und je besser ich die persönliche Situation eines Spielers kenne, desto besser kann ich ihn unterstützen.

Was muss passieren, damit aus dem Team wieder ein echtes Kollektiv wird?

Im Moment geht es darum, viele Gespräche zu führen. Ich möchte Vertrauen und Respekt vermitteln, ihnen aber auch klarmachen, was es bedeutet, ein echtes Team zu sein. Da geht es nicht nur um gute Stimmung, sondern auch darum, offen und kritisch miteinander umzugehen. Man muss Kritik äußern dürfen, sie aber genauso annehmen können, darüber nachdenken und daraus lernen. Wichtig ist, dass daraus keine Streitigkeiten entstehen. Ich mag es überhaupt nicht, wenn Dinge über drei Ecken ausgetragen werden, denn dadurch werden Probleme meist nur größer. Deshalb habe ich von Anfang an deutlich gemacht, dass wir ohne Teamgeist nicht weit kommen werden. Es geht nur gemeinsam.

Ein Verein, der in kurzer Zeit mehrere Trainerwechsel erlebt hat, wirft zwangsläufig Fragen nach Stabilität und Vertrauen auf. Waren Sie gar nicht skeptisch?

Dann wäre ich nicht hier. Schon bei meiner ersten Station war die Ausgangslage ähnlich: Es herrschte Abstiegsgefahr, innerhalb der Mannschaft gab es Probleme – und trotzdem haben wir geliefert. Wir konnten stolz darauf sein, wie wir diese schwierige Situation gemeinsam gemeistert haben.