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Oliver Welters Kampfansage im Kärntner Dialekt

Das Rosental Rož Festival steht mit Anna Mabo, Robert Stadlober und Oliver Welter vor der Tür. Letzterer zeigt dabei ganz neue (Kärntner) Seiten.

© Michelle Rassnitzer
Oliver Welter singt Kärntner Lieder, die anders sind
Andreas Kanatschnig
Redakteur Kultur- und Medienressort

Das Rosental zieht sich von Ferlach bis nach Rosegg. Die Karawanken stehen ihm als Wächter zur Seite, die Drau als landschaftsdominierender Fluss. In diese zweisprachige Landschaft hat Bernd Liepold-Mosser sein Rosental Rož Festival eingebettet. Ein Versuch, einen Landstrich mit Kultur zu beleben, der von Natur dominiert wird.

Den Auftakt macht Anna Mabo in der Kirche in Maria Rain – bei freiem Eintritt wohlgemerkt. Das sollte man sich ansehen, wenn die Wiener Regisseurin und Musikerin am 1. November um 18 Uhr musiziert. Im Anschluss ist Robert Stadlober zu sehen (dafür muss man dann bitte Tickets kaufen). Er wird sich singend und lesend an Kurt Tucholsky abarbeiten. Den Schlusspunkt setzen am 8. November im Kulturhaus in Feistritz im Rosental/ Bistrica v Rožu Kreisky, eine Wiener Indie-Band.

Welter singt

Einer ist auch dabei, den man vor allem dafür kennt, wunderbare englische Indie-Songs zu schreiben: Oliver Welter von Naked Lunch. Wobei das Label Indie eigentlich zweifelhaft ist, denn Naked Lunch ist Rock, ist Bänkelgesang, ist wehklagender Pop und noch vieles mehr. Eines war Naked Lunch nie, eine Dialekt-Band. Jetzt hat sich Oliver Welter doch noch sprachlich mit seiner Heimat auseinandergesetzt und ein Solo-Album vorgelegt, das er am 5. November um 19.30 Uhr im Kulturhaus in Feistritz im Rosental präsentiert. „Dås wird nix mehr“ hat der aus Klagenfurt stammende Musiker es genannt. Man muss sich ein Lagerfeuer vorstellen, sagen wir im Bärental. Die Wolken lichten sich und sie geben den Blick auf Hochstuhl und Bielschitza frei. Ein Kärntner Cowboy wärmt sich die Finger an den züngelnden Flammen und packt seine Gitarre aus und singt: „Die gånze Grenz mit Bluat versieglt, jeder Stan in Schweiß getränkt.“ Er singt von Blut, Schweiß und Tränen. Von Kämpfen, von Deutschen und Volksgruppen. Aber auch von der Liebe, der Jugend und all dem Rest.

„Die Lieder sind aus mir herausgesprudelt“

Welter hat wunderschöne Songs geschrieben. Dass er im Dialekt singt, ist ungewohnt, weil man ihn so nicht kennt, ihn erst kennenlernen muss. Aber es sind keine Kärntner Lieder. Es sind Lieder aus einer anderen Welt im Kärntner Dialekt. Den Anstoß gab Ernst Molden: „Wir sind befreundet. Und er kam einmal bei einer Veranstaltung zu mir und fragte mich, ob ich mir vorstellen kann, ein Album auf Kärntnerisch zu machen.“ Welter verfolgte den Gedanken aber nicht gleich weiter. Und als ein Jahr um war, schickte ihm Molden eine SMS: „Ist die Platte schon fertig?“

Also ging Welter ans Werk und schrieb das Album in einem Rutsch: „Die Lieder sind aus mir herausgesprudelt.“ Die Songs seien seinem Musikgeschmack geschuldet: „Es sind sehr oft amerikanische Singer-Songwriter aus dem mittleren Westen, bei denen ich eine Weite verspüre.“ Und diese Weite macht sich auch in den Songs breit. Das Singen im Kärntner Dialekt fiel ihm gar nicht schwer: „Ich wohne ja schon länger in Wien und kann auch perfektes Hochdeutsch sprechen, weil ich viel in deutschen Landen unterwegs bin, aber am liebsten spreche ich meinen Kärntner Dialekt.“ Beim Album war es ihm wichtig, so authentisch wie möglich zu sein. Deshalb reicht auch die Gitarre als Instrumentierung aus: „Das war total spannend und hat mir Spaß gemacht.“

„Explizit politische Note“

Ernst Molden spielt auf einigen Liedern ebenfalls Gitarre und einmal ist auch ein Schlagzeug zu hören (bei „Håss is ka Meinung“). Dem echten Kärntner Lied kann Welter viel abgewinnen: „Die sind mit Chor so unpackbar gut.“ Thematisch geht der Wahl-Wiener aber andere Wege: „Kärntner Lieder sind oft wahnsinnig rührend und schön, Kärntner Sehnsuchtsthemen eben, das kann ich auch verstehen, aber ich verhandle das nicht.“ Einige Songs sind sehr politisch geworden, in „Dås Lånd“ denkt er über die Kärntner Historie nach, in „Håss is ka Meinung“ geht es um Hass im Netz und Frauenfeindlichkeit und in „Wånn I aus‘m Fenster schau“ tritt er gegen Faschismus an: „Man muss sich gegen brutal rechte Tendenzen wehren, sonst sind wir verloren. Diese explizit politische Note habe ich bei Naked Lunch nicht.“

© Michelle Rassnitzer
Oliver Welter. Dås wird nix mehr. Bader Molden Recordings. Ab 20. November als CD/ LP und digital erhältlich

Album und Festival

Festival. Von 1. bis 8. November an verschiedenen Orten. Auftakt mit Anna Mabo und Robert Stadlober am 1. November in der Kirche Maria Rain. Oliver Welter tritt am 5. November im Kulturhaus in Feistritz im Rosental/ Bistrica v Rožu auf.
rosentalfestival.com

Album. „Dås wird nix mehr“ von Oliver Welter erscheint bei Bader Molden Recordings als CD/ LP und digital am 20. November.