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Literaturfrische Trahütten dient als Nährboden für queere Texte

Drei internationale Schreibende gastieren anlässlich der zweiten Ausgabe der Literaturfrische in der Deutschlandsberger „Absteige zur bärtigen Therese“.

© KLZ / Julia Haslebner
Künstler-Duo Io Tondolo (l.) und Itshe Petz (r.) mit den Schreibenden (v.l.n.r.) Alexander Auris, Júlia da Silva Moreira und Hugo Tepest
Julia Haslebner
Redakteurin Regionalredaktion Leibnitz & Deutschlandsberg

Sie wollen keine Randnotiz der Gesellschaft sein, sie wollen ihre eigenen Geschichten selbst erzählen: Júlia da Silva Moreira (40, Brasilien/Berlin), Hugo Tepest (37, Deutschland) und Alexander Auris (36, Peru/Brüssel). Die drei Künstler gastieren anlässlich der Literaturfrische von 19. bis 28. Oktober in der „Absteige zur bärtigen Therese“ in Trahütten, Deutschlandsberg, und widmen sich dort ihrem literarischen Schaffen.

Mit dem Format ermöglicht ihnen das Künstler-Duo Itshe Petz und Io Tondolo, die eigenen Geschichten und Stimmen zu finden - und die ist bei den drei Gästen vor allem eins: queer. „Bei uns treffen unterschiedliche Sprachen, Erfahrungen und literarische Verfahren aufeinander. Das zeigt, dass es keine einzige queere Geschichte gibt und dass sich marginalisierte Erfahrungen nicht zu einer einheitlichen Erzählung zusammenfassen lassen“, erklärt Itshe Petz.

Die Vagina erzählt

Im Gegenteil: Moreira, Tepest und Auris beschäftigen sich in ihren Texten mit Körpern, Identität und gesellschaftlichen Normen - auf jeweils unterschiedliche Weise. Moreira, die als Erzieherin arbeitet, feilt in Trahütten an ihrem ersten literarischen Projekt, das bislang unvollendet ist. Darin dient etwa die Vagina der Hauptfigur nach einer geschlechtsangleichenden Operation als Erzählinstanz.

© Privat
Júlia da Silva Moreira nutzt spielerische Elemente in ihren Texten, um mit Vorurteilen zu brechen

„Es geht um eine ältere Person, die nicht weiblich sozialisiert ist und nach ihrer Transition die Liebe findet. Dafür wollte ich etwas erzählen lassen, das sonst nicht spricht: die Vagina“, erzählt die Autorin. Mit dieser spielerischen Ebene in der Geschichte wolle sie Hemmungen und Vorurteile aufbrechen. Als Transgender habe sie sich bereits von Kindheit an nicht repräsentiert und „falsch“ gefühlt.

„Sind Penisse real?“

Mit dem männlichen Pendant, dem Penis, hat sich der in Leipzig lebende Tepest auseinandergesetzt. „Ich scheibe über Themen, die ich mir selbst nicht beantworten kann. Nur so bleibe ich dran“, sagt der Autor. Sein letztes Buch „Sind Penisse real?“ ist 2025 erschienen und behandelt eine der Fragen, die er sich während seiner eigenen Transition gestellt hat.

Seinen Aufenthalt in Trahütten nutze er, um sich wieder mit der realen Welt und Gleichgesinnten zu verbinden. „Nach einem Buchprojekt fühlt es sich an, als hätte ich vergessen, Mensch zu sein, und muss zum Atmen an die Wasseroberfläche kommen“, schildert er und fügt hinzu: „Ich wusste nicht, wie sehr ich es brauche, hier zu sein.“

Gefühl der Andersartigkeit

Einen anderen Zugang zu queerer Literatur hat Auris. Er setzt sich damit auseinander, wie Räume soziale Ordnungen prägen, wer sich wo aufhalten kann bzw. hingehört und welche Vorstellungen von Normalität die gebaute Umwelt prägen. So beschäftigte sich der Architekt etwa mit einem historischen Gebäude in Lima, Perus Hauptstadt, in dem ein queerer Nachtclub eröffnet wurde.

© Privat
Alexander Auris stellt die gebaute Umwelt der Gesellschaft gegenüber

Wie auch Moreira kenne er das Gefühl der Andersartigkeit: „Ich fühlte mich immer schon anders, weil es mir so vermittelt wurde.“ In der „Bärtigen Therese“ herrsche jedoch ein familiärer Austausch und ein gegenseitiges Verständnis. Und als Randnotiz: Ein besonders gutes Frühstück, um inspiriert und gestärkt ins Schreiben zu kommen.

Literaturfrische 2026

19. bis 28. Oktober

Absteige zur bärtigen Therese, Trahütten/Deutschlandsberg

25. Oktober, 15 Uhr: Lesung und Werkgespräch mit den Autorinnen und Autoren

Eintritt ist frei, davor gibt es ab 10 Uhr einen Brunch

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