Oststeirische Paten für Kinder von psychisch belasteten Eltern gesucht
Psychische Erkrankungen bei Elternteilen belasten auch Kinder sehr. Deshalb werden Menschen gesucht, die als Paten zu verlässlichen Bezugspersonen werden.

„Mama schläft sehr viel, Papa ist immer gestresst“ – so beschreiben Kinder oft das, was Eltern selbst nicht einordnen können. Nämlich, dass sie psychisch belastet sind. Genau für solche Familien sucht die Arge Patenfamilien jetzt Menschen, die ehrenamtlich zur Bezugsperson dieser Kinder werden. „Es braucht noch gar keine Diagnose, dass man sich bei uns melden kann. Es reicht, wenn gewisse Symptome wie Schlaflosigkeit, Gedankenkreisen, plötzlich auftretende Impulsivität oder Überforderung vorhanden sind“, sagt Nina Richter. Gemeinsam mit Jan Nemeczek kümmert sie sich in Hartberg-Fürstenfeld, Weiz und der Südoststeiermark darum, dass diese Familien Unterstützung bekommen.
Immerhin gelten Bezugspersonen als wichtige Ressource in der Kindheit. Sind die Eltern oder ein Elternteil psychisch krank oder belastet, fehlt das vielen Kindern. Genau diese Rolle können Patenfamilien übernehmen, von denen es bereits 80 in der Steiermark gibt. „Es ist ein qualitatives Angebot, das lange begleiten soll“, betont Richter. Im Idealfall sei dies eine Beziehung bis ins Erwachsenenalter.

30-stündige Schulung
Wer sich dafür interessiert, muss zuerst eine 30-stündige Schulung absolvieren. „Wir schauen ganz genau hin, was die Motivation der Familien ist und besuchen sie auch zu Hause“, erzählt Richter und freut sich, dass auch in der Region bereits einige Patenfamilien gefunden werden konnten. „Es sind eher soziale Menschen, die sich dafür melden.“ In Hartberg beispielsweise sei eine Patin eine Kinderkrankenschwester, die selbst schon zwei erwachsene Kinder habe. Auch Pensionistinnen interessierten sich immer wieder dafür. „Hauptsächlich sind es Frauen, vereinzelt aber auch Männer“, sagt Richter.
Wie häufig der Kontakt zwischen Kind und Patenfamilie ist, ist nicht festgeschrieben. „Mindestens aber alle zwei Wochen“, erläutert die Verantwortliche und betont, dass dies immer von den Bedürfnissen der Familien abhänge. „In manchen Familien übernachten die Patenkinder sogar, dann kann das auch eine Begegnung von zwei Tagen sein.“ Was Richter allerdings essenziell ist, allen Interessierten mit auf den Weg zu geben: „Die Begleitung ist keine Freizeitunternehmung. Es ist Alltag, Beziehung, Gespräche führen und Stabilität schaffen.“
Von allen Seiten freiwillig
Entscheidet man sich für eine Patenschaft, wird einem nicht einfach ein Kind oder mehrere Kinder zugewiesen. Zuerst gebe es ein Treffen zwischen den Erwachsenen, erst später beziehe man die Kinder mit ein. „Es muss für alle passen und ist von allen Seiten aus immer freiwillig.“ Ist das der Fall, wird ein Rahmen, der jederzeit variabel ist, festgelegt. „Das ist wichtig, weil es sonst zu viele Unsicherheiten mit sich bringt“, weiß Richter und betont: „Wenn jemand ein schlechtes Bauchgefühl hat, dann kann man jederzeit abbrechen.“
Am 3. November gibt es online einen Infoabend für alle Interessierten. Richter hofft auf reges Interesse: Jeder, der sich dafür entscheidet, trägt einen entscheidenden Teil zur Gesundheitsförderung unserer Kinder bei. „Eine Patenschaft ermöglicht Kindern Erfahrungen in unterschiedlichen Systemen zu sammeln, um später selbst entscheiden zu können, welches davon das Richtige ist.“
Pate werden
Am Dienstag, dem 3. November, gibt es um 18 Uhr für alle Interessierten online einen Infoabend.
Anmeldungen dafür sind bei Nina Richter unter Tel. 0677-62 17 83 72 sowie unter nina.richter@gfsg.at möglich.
Infos gibt es auch bei Jan Nemeczek unter Tel. 0664-820 31 49.
Wer sich dafür entscheidet, muss dann eine 30-stündige Schulung besuchen, die berufsbegleitend angeboten wird. Das nächste Mal ist Start im Jänner.
Die „Arge Patenfamilien“ werden über die fünf Träger der Psychosozialen Dienste Steiermark umgesetzt. Sie haben sich gemeinsam mit dem landesweiten Koordinator Styria vitalis zur „Arge Patenfamilie“ zusammengeschlossen.