Kollegen als „Kümmerer“: Pilotprojekt für Spitalsmitarbeiter in Nöten
Für die rund 1400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Spitalsverbundes Murtal haben zwei führende Mitarbeiterinnen ein Projekt entwickelt, das Hilfe in belastenden Situationen bieten soll.

Wer kümmert sich um jene, die sich immer um andere kümmern? Die oft über ihre Grenzen gehen, um Menschen zu helfen und dadurch selbst belastet sind? Antworten auf diese Fragen will eine Initiative im Spitalsverbund Murtal mit den Krankenhäusern Knittelfeld, Judenburg und Stolzalpe geben. Insgesamt sind hier rund 1400 Menschen beschäftigt.
Hinter dem Pilotprojekt stehen zwei führende Angestellte: Nina Hörlesberger, Leiterin der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie, sowie Eva Raidl, Leiterin der Klinischen Psychologie und Psychotherapie am Standort Stolzalpe.
Nicht nur für Ärzte
Hörlesberger war während ihrer früheren Tätigkeit an einer Klinik in Graz an einem Projekt beteiligt. Ärztinnen und Ärzte halfen einander, belastende Situationen besser zu bewältigen. Nach ihrem heuer erfolgten Start als Primaria im Spitalsverbund Murtal wollte Nina Hörlesberger so etwas auch hier etablieren: „Aber nicht nur für Ärztinnen und Ärzte, sondern für alle Beschäftigten.“ Denn eine Reinigungskraft, die im Schockraum Blut zusammenwischen muss, könne ebenso belastet sein wie eine Sekretärin, die einen traurigen Befund zu schreiben hat.
Jeder einzelne soll spüren, er ist keine Nummer und es ist nicht jedem egal, wie es ihm geht.
— Primaria Nina Hörlesberger
Hörlesberger besprach ihr Ansinnen mit Eva Raidl. Die Leiterin der Klinischen Psychologie und Psychotherapie sprang sofort auf und begann, das Projekt vorzubereiten: „Auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse ist eine spezielle Ausbildung entstanden“, so Eva Raidl. Die Absicht: Man will Cares („Kümmerer“) ausbilden, die Kolleginnen und Kollegen in schwierigen Situationen beistehen sollen: „Oft ist man ja nicht nur durch den Beruf belastet, sondern durch Finanzsorgen oder andere private Probleme“, so Nina Hörlesberger.
Ungezwungen
Ihre Kollegin Eva Raidl betont, dass die Kages zwar viel für die psychische Gesundheit ihrer Belegschaft biete: „Aber viele haben Scheu, sich Hilfe zu holen, deshalb erhoffen wir uns von diesem niederschwelligen Angebot eine gute Wirkung.“ Um mit einem Care zu sprechen, brauche es kein Therapiezimmer, das solle ungezwungen im Alltag geschehen, auf dem Gang oder bei einem Kaffee.
„Care4Care“ nennen die beiden ihr Projekt, das die Kages-Chefetage von Beginn an unterstützt hat. Im Spitalsverbund haben bereits mehr als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekundet, Cares werden zu wollen. „Für sie gibt es einen Leitfaden. Da geht es etwa darum, wie man jemanden unaufdringlich anspricht, von dem man glaubt, er braucht Hilfe“, sagt Eva Raidl. Häufig gehe es auch nur ums Zuhören; eine therapeutische Funktion haben Cares nicht. Auf Datenschutz und Verschwiegenheit werde großer Wert gelegt.
Ohne Hierarchien
Nina Hörlesberger sagt, es gehe nicht zuletzt um Wertschätzung: „Jeder einzelne soll spüren, er ist keine Nummer und es ist nicht jedem egal, wie es ihm geht.“ Auch Hierarchien sollen ausgeblendet werden, Cares soll es quer durch alle Berufsgruppen geben: „Es spielt bei diesem Projekt keine Rolle, ob ich Primaria bin oder nicht.“ Nach Abschluss der Ausbildungsphase soll das Projekt „Care4Care“ im März 2027 starten.