Südoststeirische Straßenerhalter zwischen Eisregen und Hochwasser
Josef Fleischhacker, langjähriger Regionalleiter des Straßenerhaltungsdienstes, und sein Nachfolger Christian Karner im Gespräch über Katastrophen, Finanzen und künftige Herausforderungen.

Herr Fleischhacker, Sie waren mehr als ein Vierteljahrhundert an der Spitze des Straßenerhaltungsdienstes (Sted) in der Region. Was waren die größten Veränderungen?
JOSEF FLEISCHHACKER: 2005 die Herauslösung aus der Baubezirksleitung. Seither ist der Straßenerhaltungsdienst eine eigene Fachabteilung. 2012 wurden die Straßenmeistereien (Feldbach, Mureck, St. Stefan im Rosental) zu größeren Einheiten ausgebaut, zu drei annähernd gleichen Standorten. Das hatte Auswirkungen auf die Mitarbeiter. 15 wurden versetzt. Das war schon ein massiver Eingriff.
Was waren Herausforderungen?
F.: Katastropheneinsätze und die generelle Unberechenbarkeit. 2009 beim großen Hochwasser waren Teile des Bezirks abgeschnitten, es gab viele Rutschungen. 2014 hatten wir massiven Eisregen. Da sind wir an unsere Grenzen gestoßen. Im Mai 2014 hat ein Sturm in der Klausen viele Bäume umgelegt. Extrem herausfordernd war der intensive Schneefall heuer Ende Februar: Durch Schneebruch umgestürzte Bäume haben viele Straßen blockiert.
Worauf kommt es da an?
F.: Wir sind viel in Verbindung mit Geosphere, um möglichst exakte Voraussagen zu erhalten. Aber das ist sehr komplex. Wichtig ist die Abstimmung mit den Einsatzorganisationen. Christian Karner, seit 2008 mein Assistent und seit 1. Oktober mein Nachfolger, ist durch seine Vernetzung mit den Feuerwehren eine große Stütze.
Die Personen
Josef Fleischhacker: Jahrgang 1961. Verheiratet, zwei Kinder.
HTL-Absolvent. Bauleiter in der Privatwirtschaft, dann bei der Baubezirksleitung Hartberg, seit 1991 Baubezirksleitung Feldbach, ab 2000 Erhaltungsleiter, von 2005 bis Ende September 2026 Sted-Regionalleiter.
Christian Karner: Jahrgang 1985. Verheiratet, zwei Kinder.
Lehre Straßenmeisterei Feldbach (ab 2001), dann HTL und Matura, ab 2008 Assistent des Sted-Regionalleiters. Seit 1. Oktober 2026 Sted-Regionalleiter.
Sted für die Region Feldbach
Rund 150 Mitarbeiter zwischen 15 und 65 Jahren. 15 Lehrlinge.
Straßennetz: 738 Kilometer.
Was ist über die Jahre gleich geblieben?
F.: Unser Betriebsklima, die Einigkeit und das Miteinander. Das hat mir richtig getaugt. Ich bin immer gerne in die Arbeit gegangen. Wie man miteinander umgeht, muss man in der Führung vorleben. Christian und ich sind als Team aufgetreten. Wir hatten auch ein gemeinsames Büro.
CHRISTIAN KARNER: Man muss die hohe Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter hervorheben, wenn es „brennt“ – auch in ihrer Freizeit. Es hat ja nicht jeder Bereitschaft.
Was waren für Sie Highlights?
F.: Der große Neubau der Werkstätte. Damit sind wir auf lange Sicht gerüstet. Es war eh fast ein Wunder, dass es gelungen ist. Wir haben bei drei Straßenmeistereien PV-Anlagen und sind bei Strom praktisch energieautark. Das ist wegen der Umstellung auf E-Mobilität wichtig. Weil ich immer „lästig“ war, ist es gelungen, eine Reihe von Projekten umzusetzen. Etwa, dass bei Baustellen abgefrästes Material auf untergeordneten Straßen als Recycling-Material genutzt werden kann.
Herr Karner, welche Veränderungen stehen aktuell an?
K.: Bei der Digitalisierung kommen wir richtig ins Fahren. Wir müssen ja dokumentieren. Ich habe die Zettelwirtschaft miterlebt. Das wurde automatisiert: etwa im Winterdienst, die Aufzeichnung der Tätigkeiten, Kontrolldienst etc.
Was ist derzeit die größte Herausforderung?
K.: Die Teuerung ist das Problem. Wir müssen mit den vorhandenen Mitteln unsere Aufgaben – von Straßeninstandhaltung über Winterdienst bis Markierung – übers Jahr gut abdecken.
Geld ist ja immer zu wenig da. Wie hat sich das in der Sted entwickelt?
F.: Es gibt seit 2004 einen Kontrakt mit dem Land auf jeweils fünf Jahre, der die Leistungen und die dafür bereitgestellten Mittel fixiert. So kann man auf lange Sicht planen.
K.: Die Teuerung ist überall spürbar, ob Treibstoff, Asphalt oder Ersatzteile. Da müssen wir Prioritäten setzen – „nice to have“ geht nicht mehr.
Wie geht man mit Kritik um? Stichwörter: Schlaglöcher, Schneeräumung, Salzstreuung.
F.: Früher wurde bei Beschwerden angerufen. Heute werden soziale Medien genutzt.
K.: Insgesamt hält sich das sehr in Grenzen. Wir handeln nach unseren Vorgaben und Möglichkeiten. Wir versuchen das offensiv zu erklären.
F.: Im richtigen Ton, so fängt man den Großteil ab.
Wie wirkt sich der Klimawandel aus?
F.: Es gibt häufiger Eis oder Eisregen. Das erhöht den Streumittelbedarf, weil sich Eis immer wieder nachbildet.
K.: Eis ist tückisch, Schnee einfacher. Moderne Technik ermöglicht zielgerichteten, effizienten Einsatz der Streumittel (Salz, Sole). Splitt wird nur mehr selten verwendet.
Was war / ist das Schöne an Ihrer Arbeit?
F.: Kein Tag war gleich wie der andere. Es war nie eintönig.
K.: Jeder Tag bringt etwas Neues.