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Seit 30 Jahren prägt diese Familie Kärntens Nudelgeschäft

Aus einer Idee während der Karenz wurde ein Familienbetrieb mit österreichweiten Lieferaufträgen. Seit 30 Jahren gibt es Nudeln Amlacher. Heute entstehen täglich bis zu 8000 Nudeln in Handarbeit.

Zwei Frauen und ein Mann stehen vor einem Gebäude
© Yvonne-Christin Rapp
Gründerin Mirjam Ressmann mit Schwiegersohn Thomas und Tochter Natascha Rauter
Autorenbild Alexandra Pöcher
Regionalbüro Villach

Natascha Rauter war vier Jahre alt, als ihre Mutter begann, mit Nudeln den Lebensunterhalt zu verdienen: „Ich war immer im Betrieb dabei“, erzählt die heute 34-Jährige. „Immer am Rockzipfel“, ergänzt Mirjam Ressmann lachend. Heute führt die Tochter das Unternehmen, die Mutter arbeitet weiterhin mit. Hinter ihnen liegen 30 Jahre, in denen der Platz mehrmals zu knapp wurde, die Aufträge irgendwann zu groß, und ein Unwetter fast alles zunichtemachte.

Den Anstoß zur Gründung gab Nataschas Großvater: „Deine Nudeln sind so gut, die gehören verkauft“, sagte er immer wieder zu seiner damaligen Schwiegertochter. Ressmann, die zu dieser Zeit noch Amlacher hieß, war mit ihren beiden Kindern in Karenz. 1996 mietete sie sich schließlich ein „40 Quadratmeter kleines Häuschen“ in der Goethestraße 17 in Landskron. Um Kunden zu gewinnen, fuhr Ressmann anfangs persönlich zu Gasthäusern und Hotels und stellte ihre Nudeln vor. Mit den Aufträgen kam die erste Mitarbeiterin: Eine langjährige Freundin stieg in den Betrieb ein.

Von Landskron in Österreichs Supermärkte

Eine erste Übersiedelung aufgrund steigender Aufträge führte in die Ossiacher Straße. Dort kam eines Tages ein Billa-Regionalleiter vorbei: Ob sie nicht auch die Supermarktkette beliefern wolle? So begann 1998 die Zusammenarbeit mit elf Filialen. Bald kam auch Spar dazu und wieder reichte der Platz nicht mehr. 2002 zog das Unternehmen in die Einöde. Dann wollten die Handelsketten mehr. Billa fragte die österreichweite Belieferung an, auch Spar und Hofer wollten die Nudeln national anbieten. Der Betrieb beschäftigte damals 17 Menschen, man produzierte 6000 Nudeln pro Stunde.

2008 zog Ressmann die Handbremse: „Wir waren einfach zu klein für solche Dimensionen“, sagt die heute 53-Jährige. Sie wollte wieder händisch produzieren und sich auf Kärnten konzentrieren. Seither beliefert Nudel Amlacher regional Billa-, Billa Plus- und Spar-Filialen. Direkt am Standort gibt es einen Ab-Hof-Verkauf und einen rund um die Uhr zugänglichen Nudelautomaten.

© Yvonne-Christin Rapp
23 Sorten produziert „Nudel Amlacher“, darunter die Klassiker Kas-, Kletzen- und Fleischnudel

Die Tochter übernahm

Für Natascha Rauter, gelernte Einzelhandelskauffrau, war es selbstverständlich, den Betrieb zu übernehmen. Seit 2016 arbeitet sie fix im Betrieb mit, ihr Mann Thomas (38) seit 2019. Gemeinsam übernahmen sie 2021 die Führung. Heute zählt das Team 13 Menschen in Produktion, Verpackung, Verwaltung und Auslieferung. Zwischen 7000 und 8000 Nudeln entstehen täglich in Handarbeit, beim Kneten und Auswalzen des Teiges helfen Maschinen. Die Rohstoffe kommen so weit möglich von regionalen Lieferanten.

© Yvonne-Christin Rapp
Natascha Rauter übernahm den Betrieb ihrer Mutter 2021

23 Sorten, süß und pikant, umfasst das Angebot. Was die Kundschaft bevorzugt, ist regional durchaus unterschiedlich: Während sich in Kärnten die Kas-, Kletzen- und Fleischnudeln am besten verkaufen, kamen während der österreichweiten Belieferung in den anderen Bundesländern alle Sorten gut an.

„Ich hätte nicht mehr weitergemacht“

Ein Jahr nach der Übernahme standen Natascha und Thomas Rauter vor der Frage, ob und wie es weitergehen konnte. Das Unwetter 2022 hinterließ Wasser- und Schlammmassen im Gebäude. Knet- und Auswalzmaschinen waren beschädigt, die Lieferwagen zerstört. Rund 500.000 Euro betrug der Schaden. „Ich hätte nicht mehr weitergemacht, aber die Jungen wollten“, sagt Ressmann.

Ihre Tochter erinnert sich vor allem an die Menschen, die gleich nach dem Unglück vor der Tür standen: „Nach dem ersten Schock waren am nächsten Tag schon Nachbarn und Helfer mit Baggern und Lkw da. Da blieb gar keine Zeit zum Nachdenken.“ Und ihr Mann erinnert sich: „Die Zusammenarbeit und Hilfsbereitschaft war einfach Weltklasse.“

Nach zwei Monaten konnte die Produktion wieder beginnen. Vier Jahre später feiert die Familie nun das 30-jährige Bestehen. Von 19. bis 23. Oktober gibt es vor Ort in der Einöde eine Jubiläumsaktion unter dem Motto „Preise wie vor 30 Jahren“. Am heutigen Mittwoch, 21. Oktober, wird dabei auch die alte Währung angenommen: Wer mit echten 100 Schilling bezahlt, bekommt ein Sechserpack Kärntner Kasnudeln gratis dazu.