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Wie sich ein Weststeirer aus der Sucht zurück ins Leben kämpfte

Jahrelang bestimmte die Sucht nach Drogen und Alkohol sein Leben. Heute, elf Jahre nach dem letzten Konsum, erzählt Rene Winkler*, was es brauchte, um sich aus ihrem Griff zu befreien.

© IMAGO / Luna Via Www.imago-images.de
Rene Winkler (*Name geändert) war jahrelang abhängig. Der Kleinen Zeitung hat er seine Geschichte erzählt (Sujetbild)
Anna Dunst
Redakteurin Regionalredaktion Voitsberg

Es fing an, wie solche Geschichten oft anfangen – mit einer Kindheit, die von Instabilität geprägt war, mit Alkohol und Marihuana im Jugendalter. So erzählt es Rene Winkler (*Name geändert) heute. Er stammt aus dem Bezirk Voitsberg und war als Jugendlicher und junger Erwachsener jahrelang abhängig von Alkohol und harten Drogen: Heroin, MDMA, Speed, Crystal Meth oder Kokain, die Liste ist lang.

Heute ist Rene Winkler in seinen Dreißigern, seit mittlerweile elf Jahren ist er clean. Er hat sein Diplom gemacht, arbeitet in einem sozialen Beruf, hat ein völlig neues Leben angefangen. Winkler spricht ruhig und geordnet über jene Zeiten in seinem Leben, in denen es nichts als Chaos gab. Seine Geschichte will er erzählen, weil er anhand seiner eigenen Erfahrungen zeigen will: Auch nach dem x-ten Entziehungsversuch kann es gelingen. Es lohnt sich immer, zu kämpfen.

Erstes Mal Morphium mit 16

Über die Anfänge sagt Winkler heute:„Alkohol ist die Einstiegsdroge Nummer eins. Wer etwas anderes sagt, macht sich etwas vor.“ Auch bei ihm sollte es als Jugendlicher schnell nicht nur beim Alkohol bleiben, bereits mit 16 Jahren spritzte Winkler sich Morphium. Erst hätte sich sein Konsum angefühlt wie ein Spiel, wie ein Ausweg aus dem schwierigen Alltag.

Doch auch, als Winkler mehrere Überdosen überlebt hatte und mehrmals ins Krankenhaus eingeliefert wurde, erkannte er nicht, wie tief er schon im Sumpf der Sucht steckte. „Einmal war ich nach einem Drogenrausch für zwei Tage im künstlichen Koma. Jemand, der Sucht nie erlebt hat, denkt vielleicht: Das ist ein Wendepunkt“, erzählt Winkler, „aber ich war nicht einmal richtig dankbar, dass ich überlebt habe. Ich habe mich nur gefragt: Wo bekomme ich jetzt Morphium her?“

„Clean werden oder sterben“

Mit 19 Jahren machte er seinen ersten Entzug, weitere sollten folgen. Immer wieder versuchte Winkler, sich aufzurichten. Immer wieder schaffte er es, arbeiten zu gehen, dann verlor er seine Jobs erneut. Geld, das er durch einen Autoverkauf hatte und für die Kaution einer Wohnung verwenden wollte, gab er am Ende doch wieder für Drogen aus. Wieder startete er einen Entzug, wieder gewann die Sucht gegen seinen Willen, gesund zu werden – ein ewiger Kreislauf. Was hat es aus heutiger Sicht gebraucht, endlich daraus auszubrechen?

„Manche Süchtige brauchen Rückhalt. Andere, wie ich damals, müssen verstehen: Sie haben sich alles verbaut, jede Tür ist zu. Die einzigen beiden Optionen sind clean werden oder an den Folgen der Sucht zu sterben“, sagt Winkler. „Aufgrund meiner Sucht hatte ich irgendwann nichts mehr. Kein Geld, keine Wohnung, keine Perspektive. Jede Überdosis hätte meine letzte sein können, ich war mehr als einmal mit dem Tod konfrontiert.“

Stabilität hart erkämpft

Erst an diesem Tiefpunkt begriff Winkler: Weiter bergab geht es nicht mehr. In einer Therapiestation für Drogenkranke absolvierte er erneut einen Entzug, dort kam er zum ersten Mal in Berührung mit den Anonymen Alkoholikern und den Narcotics Anonymous, dem Äquivalent für drogensüchtige Menschen. „Ein Entzug ist hart, darüber brauchen wir nicht reden“, stellt Winkler fest, „aber im Vergleich zum Cleanbleiben ist Cleanwerden ein Kinderspiel.“

Die regelmäßigen Meetings, der Austausch mit Menschen, die seine täglichen Kämpfe nachfühlen konnten, und das Motto der AA, jeden Tag für sich zu nehmen, halfen Winkler. Ein einfacher Weg war es trotzdem nicht. „Die Stabilität, die ich heute in meinem Leben habe, habe ich mir hart erkämpft“, sagt er. „Ich habe mir jeden Tag gesagt: Der Kampf lohnt sich, weil ich leben und nicht schon sterben will.“

In dem Buch „Ich will leben: Mein Leben mit der Krankheit Sucht“ hat Winkler seinen langen Weg niedergeschrieben. Auf der ersten Seite steht eine Widmung: „Für alle, die noch kämpfen. Für alle, die glauben, dass es keinen Ausweg gibt. Möge dieses Buch euch Hoffnung schenken.“

Anonyme Alkoholiker & Narcotics Anonymous

Jeden Freitag um 19 Uhr trifft sich eine kleine Gruppe im Pfarrheim in Bärnbach, um von ihren Erfahrungen zu berichten. Die Gruppe ist für alle offen, wird kostenlos angeboten und ist namensgetreu natürlich anonym. Weitere Informationen zu anderen Meetings in der Steiermark unter www.anonyme-alkoholiker.at/steiermark.

Die Selbsthilfe-Meetings der Narcotics Anonymous finden jeden Mittwoch ab 19 Uhr im Pfarrheim Herz-Jesu in Graz statt.