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Zugreisen: Die schönsten Routen und Geheimtipps abseits der Hauptstrecken

Sechs Hauptstädte auf einer Zugreise, idyllische Nebenstrecken und spontane Zwischenstopps: Patrick Neumann zeigt, wie sich Europa mit der Bahn flexibel und abseits der üblichen Wege erkunden lässt.

© Adobe Stock
Zugland Schweiz: Der Bernina Express braust über das Landwasserviadukt
Tom Nebe

Auf Zugfahrten sieht man das Leben, das wusste schon Agatha Christie. Warum also nicht mit der Bahn ein Land erkunden? Nicht nur entlang großer Städte, sondern auch kleiner Orte abseits des Mainstreams. Patrick Neumann hat genau das gemacht und das Buch „Zugrouten durch Europa“ darüber geschrieben. Seine Leidenschaft für Züge begann schon mit der Modelleisenbahn in der Kindheit. Ein kurzes Gespräch über Schweizer Verlässlichkeit, den Reiz der Nebenstrecken und Flexibilität beim Reisen.

Herr Neumann, Sie sind allein in den vergangenen vier Jahren knapp 100.000 Kilometer per Bahn durch Europa gefahren. Haben Sie ein Lieblingsland?

Patrick Neumann: In Sachen gepflegter Infrastruktur würde ich die Leute zur „Bahn-Kur“ in die Schweiz schicken. Das ist jetzt ein alter Hut, dass dort alles besser klappt. Aber es ist so. Auch stehen an vielen großen Bahnhöfen Ersatzzüge bereit, Reisende bemerken von Verspätungen oder Ausfällen oft gar nichts. Mein persönlicher Favorit für Bahnreisen ist aber das Mutterland der Eisenbahn. Ich habe einfach große Freude daran, durch Großbritannien zu fahren. Allein schon die Kultur des Personals: „Tickets please. Cheers mate. Thanks a lot!“ Alles locker und freundlich. Die kleinsten Bahnhöfe sind noch liebevoll bepflanzt. Es gibt viele Museumszüge, das ist wirklich Eisenbahnkultur!

Was ist ihr Tipp für eine besondere Zugreise in Europa?

Eine Route durch die einstige k.u.k.-Monarchie mit sechs Hauptstädten – von Prag über Wien nach Bratislava, dann weiter nach Budapest, Zagreb und Ljubljana. Wenn Sie genug gesehen haben oder in der nächsten Stadt das Wetter besser ist, einfach weiterreisen. Die gesamte Route kostet auch mit kurzfristigen Fahrscheinkäufen nur um die 200 Euro. Am besten reist man mit leichtem Gepäck, denn auch Zwischenstopps lohnen: zum Beispiel Brünn oder der Balaton, und besonders die Natur rund um das Donauknie, die berühmte Flussschleife vor Budapest.

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Autor und Zugfan Patrick Neumann
Autor und Zugfan Patrick Neumann © Patrick Neumann

Wie planen Sie Bahnreisen?

In Frankreich, Spanien oder Italien geht ohne Reservierung im Fernverkehr nichts. Von daher ist mein Tipp, dass man längere Etappen im Voraus plant – gerade auch bei Nachtzügen. Dazwischen lobe ich mir die Flexibilität. Ein gutes Beispiel ist die fast ganzjährig empfehlenswerte Route am Mittelmeer von Marseille aus nach Italien: Die Anreise nach Südfrankreich und die Rückfahrt von Bologna vorab buchen, und sich entlang der Côte d’Azur und der italienischen Riviera spontan chauffieren lassen.

Ein Plädoyer dafür, den Weg zum Ziel zu machen.

Man erlebt Land und Leute noch einmal ganz anders, wenn man auch Nebenstrecken fährt und an kleineren Bahnhöfen aussteigt. Dafür muss man nicht über die Grenzen schauen: Es macht beispielsweise einen großen Unterschied, ob Sie die Schnellfahrstrecke von Köln nach Frankfurt nehmen und durch die Tunnel rauschen oder ob Sie gemütlich am Rhein entlangfahren.

Wenn man es ganz flexibel möchte?

Gerade für das flexible Reisen lohnt sich oft Interrail. Weniger in Osteuropa und auf kurzen Tagesetappen, auf jeden Fall aber in der Schweiz, Großbritannien und auch Frankreich, trotz der extra fälligen Reservierungen in den Fernschnellzügen.

Zur Person

Patrick Neumann ist schon seit Kindesbeinen von Zügen fasziniert. Er engagiert sich im Netzwerk „Back on Track“ für ein besseres Nachtzugangebot. Sein Buch „Zugrouten durch Europa – Planung, Tipps und Inspiration“ (408 Seiten, 26,95 Euro) ist beim Reise Know-How Verlag erschienen.