Abspaltung? Kärntner ÖVP will Tiroler Parteikollegen nicht folgen
Aus Sorge um die Landtagswahlen ist die Tiroler ÖVP um Abgrenzung zum Bund bemüht. In Kärnten will man diesen Weg nicht mitgehen.

Trotz hoher Verluste war der Vorsprung der Tiroler ÖVP bei der Landtagswahl 2022 noch ein komfortabler. 34,71 Prozent konnte Anton Mattle einfahren. Das Minus von rund zehn Prozentpunkten schmerzte dennoch. Um das 2027 nicht erneut erleben zu müssen, setzen die Tiroler offenbar auf eine Abgrenzung zur Bundes-ÖVP. Man will sich nicht nach unten ziehen lassen, wie es heißt. Eine reine „Tirol-Mitgliedschaft“ unter dem Motto „Mehr Selbstständigkeit und mehr Tirol“ soll das verdeutlichen. Umfragen sagen derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der FPÖ voraus.
Die Kärntner ÖVP, die sich rund ein halbes Jahr nach den Tirolern einer Landtagswahl stellen muss, wird diesen Weg nicht beschreiten. „Ich glaube nicht, dass Abspaltungen ein Problem lösen“, sagt Landesgeschäftsführer Markus Keschmann. Derzeit bereite man sich mit 128 Kampagnen auf die Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen im Frühjahr vor. Bald danach wird man den Fokus auf die Landtagswahl richten. „Wir gestalten das, was wir selbst in der Hand haben und wollen auch nicht über die Dinge sempern, die wir nicht beeinflussen können. Wie das, was in der Koalition, in Brüssel oder den USA passiert“, sagt Keschmann.
„Geschäft der ÖVP“
Dass aus Wien derzeit kein Rückenwind kommt, dürfte man ohnehin schon gewohnt sein. Die eigene Positionierung wird damit zur Gratwanderung. Ein Schicksal, das man mit dem Koalitionspartner SPÖ auf Landesebene teilt. Eine Opposition zur eigenen Bundespartei ist nicht ohne Risiko. „Je mehr man in diese Richtung schimpft, desto mehr machen wir das Geschäft der FPÖ. Wir schauen deshalb nur auf Kärnten“, sagt Keschmann.