Suche
Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Wintertourismus: Rekordprognose trifft auf zögerliche Buchungen

Die Österreich Werbung erwartet 21,7 Millionen Winter-Ankünfte. Fast jeder zweite Betrieb meldet aber schwächere Buchungen, weil Gäste kurzfristiger buchen.

© APA / Marko Mestrovic
Im Winter werden 21,7 Millionen Gäste in Österreich erwartet
Uwe Sommersguter
Leitung Wirtschaft Kärnten/Osttirol

Österreich steht vor dem nächsten Rekordwinter, die Reiselust scheint ungebrochen. Das legen Zahlen der Österreich Werbung (ÖW) nahe. Laut jüngster Erhebung zu den Winterpotenzialen 2026/27 mit 10.000 Befragten in zehn europäischen Märkten, die 80 Prozent aller Ankünfte im Vorjahr repräsentieren, planen fast 16 Millionen Menschen fix einen Winterurlaub in Österreich. Mehr als zehn Millionen weitere potenzielle Gäste ziehen Österreich in Betracht.

Bereits der Sommer brachte mit mehr als 63 Millionen Übernachtungen von Mai bis August ein Plus von 2,3 Prozent. Prognostizierte 21,7 Millionen Ankünfte im Winter entsprechen einem Plus von 1,5 Prozent. Die CEO der Österreich Werbung, Astrid Steharnig-Staudinger, gibt die Devise vor: „Der Winter ist und bleibt eine österreichische Stärke. Aber von unserem guten Ruf allein kommt noch kein Gast. Jetzt entscheidet sich, wer die Unentschlossenen abholt, und das gelingt nur gemeinsam als Branche.“

© Weichselbraun Helmuth Kleine Zeitung
Astrid Steharnig Staudinger ist die Chefin der Österreich Werbung: „Der Winter ist und bleibt eine österreichische Stärke“

Spätwinter nicht stiefmütterlich behandeln

Bei der Frage nach der persönlichen Einschätzung des besten Preis-Leistungs-Verhältnisses für einen alpinen Ski- oder Snowboardurlaub liegt Österreich laut der Studie weit vor Italien, Deutschland und Frankreich auf Platz 1. Die bevorzugte Reisezeit vieler Urlauber sind Jänner und Februar, März und April sind für jeden Fünften attraktiv. Von jenen, die im Jänner oder Februar Ski fahren, nutzen bisher nur gut zehn Prozent auch den Spätwinter für einen Skiurlaub. „Warum sollten wir den Winter gedanklich schon im Februar verabschieden? Wir sollten aufhören, den Spätwinter wie einen Nachsatz zu behandeln“, appelliert Steharnig-Staudinger.

© Nadine Studeny
Susanne Kraus-Winkler ist Bundesspartenobfrau für Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich: „Die Betriebe müssen lernen, damit zurechtzukommen“

Eigene Angebote für Begleitpersonen

Großes Potenzial zeigt die Studie bei Begleitpersonen im Skiurlaub: Sie fahren selbst nicht Ski, kommen aber mit Familie oder Freunden mit. In Deutschland trifft das auf 42 Prozent jener zu, die einen Skiurlaub planen. Für diese Gäste brauche es eigene Angebote, so die ÖW: Sie suchen vor allem Spaziergänge in der Natur, Wandern und Entspannung. „Wer nicht Ski fährt, braucht auch einen guten Grund, warum er zu uns kommt“, sagt Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) bei der Pressekonferenz.

Social Media und KI legen zu

Wichtig sind Investitionen in die Digitalisierung. Soziale Medien sind laut ÖW-Umfrage mit 38 Prozent bereits die wichtigste Inspirationsquelle für Urlaubsreisen. Rund 13 Prozent der Befragten ziehen zudem KI zu Hilfe, um sich für einen Urlaub zu entscheiden – noch vor einzelnen Plattformen wie Facebook und TikTok.

© APA / Helmut Fohringer
Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP): „Wer nicht Ski fährt, braucht auch einen guten Grund, warum er zu uns kommt“

Nachfrage ist noch begrenzt

Ein anderes Bild zeigt eine Blitzumfrage der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft für den Winter 2026/27. Demnach sei die Nachfrage in vielen Betrieben noch überschaubar: 44 Prozent der befragten Betriebe berichten von einer schwächeren Buchungslage. Das liege aber auch daran, dass immer kurzfristiger gebucht wird, besonders von Gästen aus Österreich. Die Betriebe müssten lernen, damit zurechtzukommen, sagt Susanne Kraus-Winkler, die Obfrau der Bundessparte Tourismus in der Wirtschaftskammer (WKÖ). Die größten Herausforderungen für die Betriebe bleiben steigende Betriebskosten und der Preisdruck.