Suche
Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Sparkurs: Rektoren werfen der Regierung Unkenntnis vor

Massive Kündigungen und Schäden für den Standort: Die Rektoren sehen nach dem angekündigten Sparkurs schwarz. Dabei gebe es sehr wohl Ineffizienzen und Reformbedarf – das sei jedoch Aufgabe der Regierung.

© APA / Tobias Steinmaurer
Meint die Regierung das wirklich ernst? uniko-Chefin Brigitte Hütter mit den Rektoren Jens Schneider (TU Wien), Peter Riedler (Uni Graz) und Sebastian Schütze (Uni Wien, v.l.)
Walter Hämmerle
Leiter Innenpolitik

Der Begriff der Generalabrechnung kommt dem sehr nahe, was die Spitze der Universitätenkonferenz (uniko) am Montag mit Blick auf die Einigung der Bundesregierung über ein Uni-Budget von 16 Milliarden Euro für die Jahre 2028 bis 2030 präsentierte. Besonders irritiert die versammelten Rektoren das Schönreden einer massiven Kürzung. So sprach etwa Vizekanzler Andreas Babler von einer „exzellenten Lösung“ sowie einem Budget „auf stabilem Niveau“, eine Formulierung, die auch Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (beide SPÖ) am Sonntagabend in der „ZiB2“ verwendete.

Dem widersprach uniko-Vorsitzende Brigitte Hütter in seltener Deutlichkeit: „Hier wird versucht, etwas Schlechtes, nämlich das Budget für die Unis, gut dastehen zu lassen.“ Die Fakten würden ein anderes Bild zeigen. Zudem ortet sie einen Vertrauensverlust zwischen der Politik, vor allem in Bezug auf Ministerin Holzleitner, auf der einen und den Universitäten auf der anderen Seite. Für Hütter stellt sich angesichts der öffentlichen Beteuerungen der Ministerin, sich für ein höheres Uni-Budget einzusetzen, nun folgende Frage: „Hat sie sich nicht eingesetzt oder hat sie sich nicht durchgesetzt?“ Die Antwort auf ihre Frage ließ die uniko-Chefin auch auf Nachfrage offen.

Hat sich Ministerin Holzleitner nicht eingesetzt oder hat sie sich nicht durchgesetzt?

— Brigitte Hütter, Vorsitzende der Universitätenkonferenz

„Das Geld steckt in den Laboren“

Sein Amtskollege an der Uni Graz, Peter Riedler, hofft entgegen den politischen Ankündigungen weiter auf ein Umdenken an der Regierungsspitze. „Mein Eindruck war, dass der Wissensstand nicht der allergrößte war.“ Ein Personalabbau von 10 Prozent würde 6.800 Personen betreffen und insbesondere Nachwuchswissenschaftler mit befristeten Verträgen. Der Verweis des Wissenschaftsministeriums auf 4.000 anstehende Pensionierungen sei zwar richtig, aber für die nötigen Einsparungen nicht ausreichend. Sebastian Schütze, der Rektor der Uni Wien, sieht Exzellenz-Disziplinen wie Experimental- oder Quantenphysik besonders betroffen, weil diese besonders kostenintensiv seien. Auch Jens Schneider von der TU Wien erklärt: „Das Geld steckt in den Laboren, Kliniken und der Spitzenforschung.“ Sparvorgaben für Universitäten seien, so Schütze, zwar in Ordnung: „Es geht aber um Proportionalität und Verhältnismäßigkeit.“

Es gibt Reformbedarf

Dabei gibt es durchaus erhebliches Reformpotenzial. Allerdings weniger bei den einzelnen Universitäten – diese würden teils effizienter arbeiten als im Privatsektor, wie TU-Wien-Rektor Schneider erklärt, aber sehr wohl im Gesamtsystem. Diesen Befund bestätigt auch der Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (FORWIT) in seiner Analyse des österreichischen Hochschulsystems vom April 2026. So brauche es neben einer Modernisierung der Studienrahmenbedingungen, um Qualität und Effizienz des Studiums zu steigern, vor allem eine stärkere Profilierung der einzelnen Sektoren und Hochschulen sowie eine Harmonisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten erhöhte sich die Zahl der Hochschulen auf 77 – angesichts der Einwohnerzahl von neun Millionen ein wohl weltweit rekordverdächtiges Verhältnis.

Mein Eindruck war, dass der Wissensstand der Regierungsspitze nicht der allergrößte war.

— Peter Riedler, Rektor der Universität Graz

Großdemo am Donnerstag

Doch diese Reformen umzusetzen, ist allerdings Aufgabe der Politik, nicht der Universitäten. Zahlreiche Neugründungen der vergangenen Jahre wurden etwa von der Politik im Bund und Ländern betrieben. Auch schärfere Bedingungen beim Studienrecht, von den Zulassungen bis zu Mindestanforderungen, sind Bundessache. Doch hier hüllt sich die Regierung, allen voran die ressortverantwortliche SPÖ, in Schweigen.

Wie geht es jetzt weiter? Ministerin Holzleitner kündigte am Sonntag Einzelgespräche mit jeder Universität über die Umsetzung der Sparvorgaben an, von denen die Rektoren am Montag noch nichts wussten. Am Donnerstag jedenfalls wird in Wien auf den Straßen gegen das Sparpaket der Dreierkoalition protestiert.