Max Franz gesteht: „Der permanente Schmerz ist extrem zermürbend“
ÖSV-Speed-Ass Max Franz (37) spricht nach seinem Karriere-Aus über die jahrelangen Schmerzen, den Funken Hoffnung und wie sehr ihn die Karriere geprägt hat.

Es ist also wirklich vorbei. Wie hat es sich angefühlt, diesen Schritt offiziell zu machen?
MAX FRANZ: Es war nicht einfach, wenn ich ehrlich bin. Für mich war zwar schon länger klar, dass es so weit ist, aber das Ganze dann schriftlich festzuhalten, war schon ein harter Moment. Letztlich ist es aber meine Entscheidung. Mir war bewusst, dass dieser Schritt irgendwann kommen würde. Trotzdem schiebt man den Gedanken so lange wie möglich weg.
War es letztlich ein schleichender Prozess?
Ja, schon, wobei sich das Ende irgendwie abgezeichnet hat. Im Sommer war ich beim ATP-Turnier in Kitzbühel und später oben im Starthaus. Da habe ich mir schon gedacht: Ich würde einfach gerne noch einmal runterfahren, aber der permanente Schmerz ist einfach extrem zermürbend. Es klingt jetzt komisch, man gewöhnt sich dran, aber es ist brutal. Ich hatte gehofft, dass sie nach der Metallentfernung verschwinden würden, aber diese Hoffnung hat sich nach der Operation im Frühjahr leider nicht erfüllt. Ich habe wirklich alles versucht und immer daran geglaubt, dass sich der Körper wieder regeneriert. Aber leider sollte es nicht sein. Es haben mich durch die Bank immer viele gefragt, ob ich mir das alles antun will, aber die größte Motivation war für mich letztlich, tagtäglich zu arbeiten, dass es mir irgendwann besser geht. Mein Umfeld ist auch immer hinter mir gestanden und hat mir Kraft gegeben.
Was ist größer: die Wehmut oder die Erleichterung?
Das ist im Moment noch schwer zu sagen, weil mir gerade so viele Gedanken durch den Kopf gehen. Es ist einfach ein Unterschied, ob man aus freien Stücken aufhört oder ob man aufgrund einer schweren Verletzung nicht mehr das machen kann, was man möchte. Für viele war ja schon direkt nach dem Sturz klar, dass meine Karriere vorbei ist. Ich habe aber trotzdem drei Jahre lang alles gegeben und gezeigt, dass vieles möglich ist. Und damit bin ich im Reinen.
Aber dieser Trainingssturz in Copper Mountain im November 2022 hat Ihr Leben von einem Tag auf den anderen völlig verändert?
Ja, leider. Es ist eine sehr schwere Verletzung und ich habe nach wie vor damit zu kämpfen.
Sie haben damals erzählt, dass Sie beispielsweise das Gehen neu erlernen mussten. Wie hart war die Phase wirklich?
Es war extrem hart. Mein linker Fuß und die Fußsohle sind taub, und auch die Zehen funktionieren nicht – da gibt es Einschränkungen auf nervlicher Ebene. Trotzdem findet der Körper irgendwie Wege, damit umzugehen. Er ist ja ein echter Vifzack und kann vieles gut kompensieren. So waren gewisse Dinge möglich, andere eben nicht. Man muss aber ständig dranbleiben und daran arbeiten. Sonst verliere ich innerhalb kürzester Zeit wieder viel an Muskulatur oder die Fähigkeit, die Muskeln richtig anzusteuern.
Wenn Sie Ihre Karriere Revue passieren lassen, welcher sportliche Moment wird Ihnen immer in Erinnerung bleiben?
Der erste Weltcupsieg war einer der größten Momente meiner Karriere, genauso natürlich die WM-Medaille 2017. Die Geschichte dahinter ist besonders cool: Im Training habe ich mich unglaublich schwergetan, und dann habe ich mich im Rennen irgendwie runtergerettet und sogar Beat Feuz noch ins Schwitzen gebracht. Anschließend habe ich dann geschwitzt. Ich habe viele schöne Momente erlebt, aber eben auch zahlreiche Verletzungen. Immer dann, wenn es gerade richtig gut gelaufen ist, musste ich wieder einen Rückschlag einstecken. Auch solche Augenblicke bleiben in einem. Das alles gehört zu meinem Leben dazu.
Wie sehr hat Sie Ihre Skikarriere geprägt?
Sehr! Ich war von klein auf in einer Art Bubble. Es war ein ganz anderes Leben, in dem vieles immer sofort passieren musste. Ich wollte die Dinge am liebsten von jetzt auf gleich umsetzen, und das war oft nicht einfach. Aber auch die Verletzungen, vor allem die letzte, haben mich viel gelehrt. Ich habe gelernt, dass man mit Konsequenz und Hartnäckigkeit viel erreichen kann.
Was werden Sie am meisten vermissen?
Das viele Unterwegssein war schon sehr lässig. Wenn man dann aus dem Skizirkus draußen ist, fällt plötzlich sehr viel weg. Ich muss das alles erst einmal, ohne mich zu stressen, sacken lassen, denn es war ein schwerer Schritt. Danach möchte ich versuchen, mit freiem Kopf in die Welt hinauszugehen. Mal schauen, was auf mich wartet.