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Woher kommt die Wut auf Frankreichs Straßen?

Das Beunruhigende an den Bildern aus Frankreich sind nicht nur die Flammen und die Gewalt. Sie sind lediglich Ausdruck eines fehlenden Glaubens an die Demokratie.

© AFP/Guillaume Saligot
Ein Demonstrant auf dem Boulevard Haussmann in Paris. Nicht nur in der Hauptstadt brannten die Gebäude
Maria Schaunitzer
Außenpolitik und International

In Frankreich herrscht Entsetzen. In vielen Städten zeigt sich nach dem landesweiten Protesttag ein Bild der Verwüstung. Von Lille bis Marseille, von Rennes bis Straßburg liefen die Proteste aus dem Ruder, es wurde geplündert, gezündelt, ganze Straßenzüge wurden verwüstet. In Paris hat die Polizei zeitweise die Kontrolle über die Stadt verloren, Frankreich versank im Chaos. Und wohl für mehr als nur eine Nacht.

Es sind zwar Bilder, die Frankreich mittlerweile nur allzu gut kennt, doch dieses Mal zieht sich der Unmut durch alle sozialen Schichten, Provinzen und Altersklassen. Ehemalige Gelbwesten marschieren neben Schülern aus den Vorstädten und Elite-Studenten, Klimaaktivisten neben Bauern. Ihre Forderungen mögen unterschiedlich sein, doch sie eint ein Gefühl: von der Politik nicht mehr gehört zu werden.

In der Wut vereint

Denn was als Schülerprotest begann, wurde zum Volksaufstand. Die Wut der Schüler vereinte sich mit der Wut vieler Erwachsener. Doch die legitimen Anliegen wie steigende Lebenshaltungskosten, prekäre Zustände an den Schulen und fehlende Perspektiven gingen im Chaos der Gewalt unter. Radikale Gruppen haben nicht nur Rathäuser und Geschäfte zerstört, sondern damit auch die Botschaften der Demonstranten.

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Schwere Ausschreitungen haben in Frankreich landesweite Proteste gegen gestiegene Lebenshaltungskosten überschattet. 
Schwere Ausschreitungen haben in Frankreich landesweite Proteste gegen gestiegene Lebenshaltungskosten überschattet.  © AFP/Pascal Lachenaud

Dennoch darf die Politik nicht überhören, was die Menschen hinter den gewaltbereiten Reihen antreibt. Besonders die Jungen. Sie sollen Leistung bringen und sich eine Zukunft aufbauen. Doch viele erleben marode Schulen, fehlende Lehrer, steigende Lebenshaltungskosten und einen Wohnungsmarkt, auf dem selbst ein ordentliches Einkommen längst keine Sicherheit auf ein gutes Leben mehr garantiert. Das Versprechen, dass es den Kindern einmal besser gehen werde als ihren Eltern, hat tiefe Risse bekommen.

Demgegenüber steht eine Politik, die die grundlegenden Probleme des Landes nicht in den Griff zu bekommen scheint. Die öffentlichen Kassen sind leer, der Reformbedarf gewaltig, der politische Spielraum gering. Gleichzeitig wächst in Teilen der Gesellschaft der Eindruck, dass sich nichts ändern wird. Sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl erhält diese Entwicklung zusätzliche Brisanz, die vor allem den politischen Rändern nutzt.

Das betrifft nicht nur Frankreich

Frankreich erlebt somit nicht nur eine Revolte gegen steigende Preise und ein marodes Schulsystem. Es erlebt eine Vertrauenskrise. Das ist eine Gemengelage, die sich ausbreiten kann. Denn in der Wut der Franzosen offenbart sich, was bei Weitem nicht nur Frankreich betrifft. Und nicht nur die Jugend.

Das Beunruhigende an den Bildern aus Frankreich sind deshalb nicht nur die Flammen und die überbordende Gewalt. Sie sind lediglich Ausdruck des verlorenen Glaubens an die Herrschenden. Denn wenn Menschen nicht mehr daran glauben, dass sich durch demokratische Entscheidungen etwas verändern lässt, gerät weit mehr in Gefahr als der soziale Frieden. Dann steht das Vertrauen in die Demokratie selbst auf dem Spiel.