Pro & Kontra: Ist es richtig, dass die Koalition bei den Unis spart?

Die Unis laufen gegen die realen Kürzungen Sturm, für die Regierung müssen alle zur Budgetsanierung einen Beitrag leisten.
Am Samstag hat sich die Dreierkoalition darauf verständigt, die Unifinanzierung für die Jahre 2028 bis 2030 wegen des Spardrucks mit 16 Milliarden Euro zu deckeln. Gerade die SPÖ zeigt sich stolz auf diesen Erfolg. Die Universitäten vermissen noch Details der künftigen Regelung, gehen aber schon jetzt von „enorm negativen Folgen“ aus. Wer hat Recht?
Pro
Für die Finanzierungsperiode 2010 bis 2012 lag das Budget für die Universitäten noch bei 8,2 Milliarden Euro; für die Jahre 2025 bis 2027 explodierte es um fast 100 Prozent auf 16 Milliarden. Nun soll es bis 2030 auf diesem Niveau eingefroren werden, was angesichts der Inflation einer realen Kürzung entspricht. Das bedeutet zweifellos einen Stresstest für die Hochschulen, vor allem weil jetzt schnell Einsparungen erfolgen müssen. Trotzdem ist der Finanzdruck eine Chance, die Hochschullandschaft Österreichs effizienter aufzustellen. Insgesamt gibt es zu viele zu kleine Einrichtungen und Doppelgleisigkeiten. Auch darüber hinaus orten Experten erheblichen Verbesserungsbedarf bei den Strukturen, insbesondere beim Studienrecht, das die Studienzeiten unnötig verlängert. Es ist hoch an der Zeit, dass die Universitäten ihre Hausaufgaben erledigen.
Es ist hoch an der Zeit, dass die Universitäten ihre Hausaufgaben erledigen.
— Walter Hämmerle, Leiter des Innenpolitikressorts
Kontra
Spricht man über die Einsparungen im Unibudget, fällt schnell das Wort Effizienz. An sich nichts Negatives, in Bezug auf die Universitäten kann aus Effizienz aber schnell eine fehlende Chancengerechtigkeit werden. Wenn Studien zusammengelegt werden, nur mehr an einem Standort in Österreich angeboten werden, verringert das die Zugänglichkeit. Macht die Möglichkeit zu studieren noch abhängiger vom sozioökonomischen Hintergrund. Denn das Pendeln aus dem Elternhaus ist für die meisten dann nicht mehr möglich. Wer bei den Unis spart, Studien zusammenlegt und Stellen von Jungforschenden abbaut, nimmt vielen Studierenden und denen, die es noch werden wollen, ihre Zukunftsperspektive.
Aus Effizienz kann schnell eine fehlende Chancengerechtigkeit werden.
— Marie Miedl-Rissner, Redakteurin Bundeslandressort Steiermark