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Feiern mit Glumpert und Tschecherant

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Das Österreichische Wörterbuch, es wächst und wächst

Sonntagskolumne. Kein Topfen: Das Standardwerk der österreichischen Sprache feiert Geburtstag.

Kinder, so jung komma nimmamehr zsamm: Das Österreichische Wörterbuch ist 75. Meine erste Ausgabe sieht (auch wenn sie ein paar Jährchen jünger ist) auch fast so alt aus; wenn ich mich recht erinnere, war sie damals Teil der Schulbuchaktion und darüber hinaus grün und eher schmal. Die aktuelle Ausgabe (Nr. 44) ist rot gebunden, mehr als 1000 Seiten stark und umfasst um die 100.000 Stichwörter. In Österreich gilt das ÖWB aber nicht nur als Schulstandardwerk, sondern auch als das „gültige amtliche Regelwerk der deutschen Sprache“, und das finde ich umso schöner, als darin auch Begriffe wie bloßfüßig, Glumpert oder Tschecherant vorkommen.

Das alles ist also offizielles österreichisches Deutsch, man kann und soll es selbstbewusst verwenden. Sehr klass – weil es weit jenseits des immergleichen faden Streits um Erdäpfel, Paradeiser und Marillen sprachpolitisch Stellung bezieht. Ich bin ja sonst immer und überall für Gleichberechtigung. Nur nicht zwischen Austriazismen und Teutonismen. In Sprachsachen bin ich überzeugte Chauvi.

Sprachblech gewöhnt man sich eh wieder ab

Ob Jugendliche sich, weil sie Influencervideos und Tutorials anschauen, so ein komisches Youtube-Deutsch angewöhnen, ist mir dabei eher wurscht, weil ich darauf vertraue, dass man sich derartiges Sprachblech mit der Zeit wieder abgewöhnt. Man muss in seinen Wortschatz ja erst genauso hineinwachsen wie in seine Persönlichkeit; und bei der Identitätsausgestaltung wird die Ausdrucksweise üblicherweise mitmodelliert.

So laut und gern ich das Loblied des Österreichischen Wörterbuchs singe, da fehlt natürlich immer was. Die anmutige Mehrfachbedeutung der Fetten (Drallgebung / Glück /Berauschung) würde ich vermerkt sehen, bleibt vorerst aber weiterhin unberücksichtigt, auch der Diminutivus austriacus gehört in so einem Standardwerk noch genauer beleuchtet, finde ich; auch unter dem Aspekt, dass die Verkleinerungsform besonders gern auf alles angewandt wird, mit dem wir uns anbampfen und -piperln, siehe etwa: Henderl, Schnitzerl, Krapferl, Seiderl, Weinderl, Krügerl.

Andererseits: Bei Enttäuschungen ziehen wir ein Schnoferl und werden ein Schwammerl, aber nichts daran macht das Österreichische klein. Zwar hat der Duden derzeit noch 51.000 Stichwörter mehr, aber das Österreichische wächst und gedeiht: Die erste ÖWB-Ausgabe 1951 hatte nur 23.600 Stichwörter. Wir holen also auf.

Insgesamt soll die deutsche Gegenwartssprache übrigens einen Gesamtumfang von 300.000 bis 500.000 Wörtern haben. Das kommt mir wenig vor, da gibt es ja allein schon mehr österreichische Schimpfwörter. Aber dazu vielleicht ein andermal mehr.