Jakob Eisner vor Debüt: „Es kann nicht genügend Kärntner im Weltcup geben“
Der Kärntner Technik-Spezialist Jakob Eisner (23) feiert nach einer erfolgreichen Qualifikation in Sölden sein Weltcupdebüt im Riesentorlauf. Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück.

Was wäre, wenn? Jakob Eisner (Sportunion Klagenfurt) verschwendet daran keine Gedanken. Dabei hätte der Kärntner nach Verletzungen allen Grund dazu. Doch statt zurückzublicken, richtet sich sein Blick nach vorne: Nach erfolgreicher Qualifikation steht für ihn beim Weltcupauftakt in Sölden am kommenden Sonntag das Debüt im Riesentorlauf an. „Es war wild, weil ich beim Hangtraining zum ersten Mal in meinem Leben auf dieser Strecke gefahren bin. Ist schon ziemlich steil hier, muss ich gestehen“, erzählt Eisner. Die Chance will er ergreifen, ohne sich selbst unnötig unter Druck zu setzen: „So eine Möglichkeit, einen Weltcup zu fahren, will man natürlich nutzen, aber es wäre kein Weltuntergang gewesen, wenn es nicht geklappt hätte. Jetzt ist es umso schöner. Ich lasse alles auf mich zukommen, werde mich voll reinhauen, die ganze Stimmung aufsaugen, aber mich nicht auf ein Resultat versteifen.“ Und dann schiebt er mit einem Grinsen nach: „Es kann nicht genügend Kärntner im Weltcup geben.“
Dass eine Skikarriere nicht nur Sonnenseiten bietet, musste der ÖSV-Athlet schmerzhaft erfahren. Die vergangenen zwei Jahre waren eine Achterbahnfahrt, immer wieder warfen ihn Rückschläge zurück. „Meine erste richtige Saison im Europacup war vor zwei Jahren. Da merkt man erst einmal, wie es mit so einer hohen Startnummer ist. Dann habe ich mir den Meniskus eingerissen und bin die ganze Saison damit gefahren – inklusive Schmerzen. Das war keine schöne Zeit, aber ich habe gelernt, durchzubeißen. Wenn man nicht aufgibt, kommen auch wieder bessere Tage.“ Auch die darauffolgende Saison brachte nicht nur Lichtblicke. Zwar sammelte er Punkte, doch zu viele Fehler und Ausfälle bremsten ihn. Trotzdem fiel sein Fazit positiv aus: Skifahrerisch habe er einen großen Schritt gemacht.
Fünf Tage vor Abflug bekam er grünes Licht
Selbst die Vorbereitung auf den kommenden Winter stand zwischenzeitlich auf der Kippe. Bei den „Austria-Power-Tests“ (Sprints) riss sich der 23-jährige BWL-Student einen Teil des Beugers ein. Ob er wie geplant ins Schneetrainingslager nach Südamerika reisen könnte, war bis kurz vor der Abreise offen. „Es kamen danach einige Diagnosen, sodass wir fast nicht mehr gewusst haben, was wir tun sollen.“ Dann kam doch noch grünes Licht – fünf Tage vor dem Abflug. „Ich muss aber gestehen, dass es zu Beginn schwierig war, wieder Vertrauen zu finden und dass ich mich an die Geschwindigkeit gewöhne. Doch am Ende wurde es sukzessive besser.“ Ein Wettlauf gegen die Zeit, den Eisner für sich entschied.
Was ihn auszeichnet, ist weniger das große Aufheben um sein Talent als die Bereitschaft, hart zu arbeiten. Der leidenschaftliche Tennisspieler bezeichnet sich selbst als „harten Arbeiter. Ich bin jemand, der bei Wettkämpfen den Schalter umlegen kann und somit im Vergleich zum Training einen drauflegen kann.“ Abseits der Piste gibt er sich zunächst ruhig. Bei Familie und Freunden zeigt er eine andere Seite: „Dann bin ich ziemlich aufgeweckt. Ich muss Personen besser kennen, um aufzutauen.“
Der Entschluss, den Skisport ernsthaft zu verfolgen, fiel früh. Eisner verließ Kärnten, um die Ski-HAK in Schladming zu besuchen – ein Schritt, den er bewusst selbst setzte. „Ich wollte von mir aus dorthin, weil mir klar war, dass ich nur so eine Chance habe. Die Umstellung war anfangs nicht ganz so leicht, aber man gewöhnt sich dran und mir war eine schulische Ausbildung wichtig, denn ich bin nicht der Typ, der alles auf eine Karte setzt.“