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Thailand baut für zwei royale Bestattungen königliches Krematorium

Im Dezember soll die Zeremonie nach buddhistischer Tradition für König-Mutter Sirikit stattfinden, im Februar 2027 für ihre im Juni verstorbene Enkelin, Prinzessin „Bha“.

© IMAGO/Adirach Toumlamoon
König-Mutter Sirikit starb im Oktober 2025 – ein Jahr später wird sie nun offiziell eingeäschert
Verena Wannisch
Redakteurin News & Social Media

Das Königreich Thailand bereitet sich auf zwei royale Begräbnisse vor: Im Dezember wird die Königin-Mutter Sirikit verabschiedet, im Februar nimmt Thailand Abschied von Prinzessin Bajrakitiyabha, auch „Bha“ genannt. Sirikit, die Mutter des seit 2016 regierenden Königs Maha Vajiralongkorn, war im Oktober 2025 mit 93 Jahren gestorben. Sie war bis zum Tod von König Bhumibol 2016 mehr als sechs Jahrzehnte lang Königin. Die beliebte Prinzessin Bajrakitiyabha, Tochter von König Maha Vajiralongkorn und Enkelin von Sirikit, starb im Juni 2026 im Alter von 47 Jahren.

Die Trauerfeierlichkeiten für Sirikit sind für den 15. bis 19. Dezember 2026 angesetzt – 14 Monate nach ihrem Tod. Die Vorbereitungen dafür sind bereits seit Monaten in vollem Gange. Dafür wird eigens ein temporäres, königliches Krematorium in der thailändischen Hauptstadt Bangkok auf dem Zeremonienplatz Sanam Luang gebaut. Das Besondere daran: Auch ihre Enkelin, Prinzessin Bha, wird dort nach offiziellem Ritus verabschiedet – im Februar 2027. Bha lag seit einem Zusammenbruch 2022 im Koma, sie starb vermutlich an den Folgen eines Herzinfarkts.

© IMAGO/Pongmanat Tasiri
König-Mutter Sirikit 2024

Aufwändige Trauerzeremonie für Königin Sirikit

Mit einer königlichen Verdienstzeremonie starten die Trauerfeierlichkeiten am 15. Dezember im Thronsaal Dusit Maha Prasat des Großen Palastes. Am Morgen darauf (16. Dezember) wird Sirikits königliche Urne von dort zum Krematorium auf den Zeremonienplatz Sanam Luang gebracht, wo am späten Nachmittag die zentrale Einäscherungszeremonie stattfindet. Tags darauf (17. Dezember) werden die königlichen Reliquien eingesammelt und die Asche zu Phra Sri Rattana Chedi im Tempel des Smaragd-Buddha überführt. Es folgen weitere Zeremonien. Auch für den 18. Dezember ist eine Zeremonie zu Ehren der Reliquien im Thronsaal Dusit Maha Prasat angesetzt. Die Abschiedsfeierlichkeiten finden ihren Abschluss am 19. Dezember mit der Speisung der Mönche, der Platzierung der Reliquienurne in Phra Wiman im Thronsaal Chakri Maha Prasat und der Beisetzung der Asche in den Tempeln Wat Ratchabophit Sathit Maha Simaram und Wat Bowonniwet Vihara. Die Feierlichkeiten richten sich nach der buddhistischen Tradition, der königlichen Astrologie und dem Hofzeremoniell für ranghöchste Mitglieder der Chakri-Dynastie. Die Zeremonie wird live im Fernsehen übertragen.

Das königliche Krematorium soll dabei traditionelle thailändische Architektur und Kunsthandwerk vereinen. Als Symbol höchster königlicher Würde ziert das Dach ein neunstufiger weißer Königsschirm. Das Dach wird in den Farben Blau und Grau gedeckt, der Giebel ziert das königliche Monogramm, schreibt das deutschsprachige Thailand-Magazin „Der Farang“.

Auch Bhumibol wurde erst ein Jahr nach seinem Tod verbrannt

Auch der 2016 verstorbene Thai-König Bhumibol wurde erst über ein Jahr nach seinem Tod in einer prunkvollen Zeremonie eingeäschert. Im Buddhismus dauert die Trauerzeit länger als in anderen Religionen – normalerweise zwischen 100 Tagen und einem Jahr. In der Regel werden Tote nach einer Woche eingeäschert. Bei Königen geschieht dies aber immer erst später. Für Bhumibol wurde – wie jetzt auch für seine verstorbene Frau Königin Sirikit – eigens ein Krematorium errichtet. Zudem sollten die Untertanen Zeit haben, sich im Großen Palast, wo Sarg und Urne aufgebahrt waren, von ihm zu verabschieden. Es kamen damals fast 13 Millionen Menschen.

© imageBROKER/Christian Zappel
Das königliche Krematorium für König Bhumibols Einäscherung 2017

Für die Einäscherung wurde eine Art goldener Pavillon errichtet, 53 Meter hoch und mit neunstufigem Dach – weil Rama IX., wie Bhumibol auch genannt wurde, eben der neunte Chakri-König war. Der Bau symbolisiert den Berg Meru, der für Buddhisten und Hindus Mittelpunkt des Universums ist. Geschmückt ist der Bau mit 622 Skulpturen von Göttern und anderen mythischen Kreaturen, an denen einige der besten Handwerker des Landes monatelang gearbeitet haben.

Warum gibt es überhaupt eine Einäscherung?

Thailand ist ein mehrheitlich buddhistisches Land, in dem sich auch hinduistische Traditionen eingebürgert haben. Die Könige gelten dort als Wiedergeburt des Hindu-Gottes Vishnu. In beiden Religionen werden Tote traditionell verbrannt, damit die Seele in den Himmel aufsteigen kann. Königshaus-Experte Thongtong Chandransu sagt: „Die Einäscherung des Königs symbolisiert seine Rückkehr in den Himmel in seiner göttlichen Form.“