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Influenza kommt heuer in Kärnten früher, der Impfstoff später

In Kärnten treten bereits Dutzende Infektionen mit der „echten“ Grippe auf – um vier bis sechs Wochen früher als sonst. Der Impfstoff für alle wird erst Ende November geliefert.

© IMAGO/Lightfieldstudios
Dutzende Kärntner hüten bereits mit Influenza das Bett
Thomas Martinz
Redakteur Bundesland Kärnten

Vor einer ungewöhnlichen Konstellation warnen aktuell Ärzte und Virologen: Die Influenza-Welle kommt heuer um vier bis sechs Wochen zu früh. Andererseits besteht für die Allgemeinheit erst spät die Möglichkeit, sich gegen die „echte Grippe“ impfen zu lassen.

13.387 Kärntner waren laut Österreichischer Gesundheitskasse letzte Woche im Krankenstand. Das ist nichts Ungewöhnliches, im Vorjahr beispielsweise waren es sogar 14.722. Aber die 40 Influenza-Fälle bieten Anlass zur Sorge, 2025 waren es im Vergleichszeitraum sieben.

© KLZ/Helmut Fohringer
Monika Redlberger-Fritz

Influenza-Infektionen treten in der Regel meist erst gegen Ende November, Anfang Dezember auf. Heuer sind wir also vier bis sechs Wochen früher dran.

— Monika Redlberger-Fritz,, Virologin Medizinische Universität Wien

„Wir haben schon relativ früh sporadische Influenza-Infektionen. Diese kommen in der Regel erst gegen Ende November, Anfang Dezember. Heuer sind wir also vier bis sechs Wochen früher dran“, sagt Monika Redlberger-Fritz, Laborleiterin mit Schwerpunkt Influenzaviren am Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität Wien.

Die Influenza-Welle sei jedes Jahr jährlichen Schwankungen unterworfen. Warum sie heuer so früh droht, könne man nicht sagen. Aber auch in Japan, den USA oder Südkorea gebe es bereits Influenza-Aktivitäten. Wenn die Grippewelle Europa erreiche, dauere es meist vier Wochen, bis sie auch auf Österreich überschwappe.

© Land Kärnten
Karin Schorna-Drescher

Für eine Ausbreitung einer Grippe-Welle spielen vermehrte Kontakte nach Schulbeginn, verstärkte Aufenthalte in Innenräumen und das kühlere Wetter eine Rolle.

— Karin Schorna-Drescher,, Landessanitätsdirektorin

„Für eine Ausbreitung einer Grippe-Welle spielen vermehrte Kontakte nach Schulbeginn, verstärkte Aufenthalte in Innenräumen und das kühlere Wetter eine Rolle und begünstigen die Übertragung von Influenza- und weiteren Atemwegsviren von Mensch zu Mensch“, sagt Kärntens Landessanitätsdirektorin Karin Schorna-Drescher.

© KLZ/Markus Traussnig
Maria Korak-Leiter

Ich würde schon mit den Influenza-Impfungen beginnen. Aber der Impfstoff für alle soll erst Ende November eintreffen.

— Maria Korak-Leiter,, Sprecherin der Hausärzte

Maria Korak-Leiter, Allgemeinmedizinerin in Maria Rain und Sprecherin der niedergelassenen Ärzte in Kärnten, sieht „ein großes Problem auf uns zukommen. Uns fehlt nämlich der Impfstoff. Angesichts des frühen Influenza-Beginns würde ich schon mit dem Impfen beginnen. Der Impfstoff für die Über-60-Jährigen soll bald eintreffen. Jener für alle Altersgruppen in ganz Österreich aber erst Ende November.“ Sie hoffe, dass der Termin halte. „Sonst sind wir zu spät“, so Korak-Leiter. Redlberger-Fritz glaubt, „dass es sich ziemlich knapp ausgehen sollte - vorausgesetzt der Impfstoff kommt tatsächlich Ende November.“

In Kärnten verlaufen die bisherigen Influenza-Fälle zumindest unauffällig. „Noch spiegelt sich das Infektionsgeschehen nicht in schweren Erkrankungen wider. Wir haben aktuell keinen bestätigten Influenza-Fall in Spitalsbehandlung“, betont Benjamin Roll, Hygienefacharzt im Klinikum Klagenfurt.

Schutzmaßnahmen

Weil die Infektionssaison Fahrt aufnimmt, erinnert die Landessanitätsdirektion Kärnten an die Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung: Händehygiene, Niesetikette, ausreichend lüften und bei Erkrankungen Abstände einhalten und Menschenansammlungen meiden, in bestimmten Situationen eine geeignete Schutzmaske mit korrektem Sitz tragen! Vulnerable Gruppen sollten sich besonders schützen und Termine für Impfberatung und kostenfreie Schutzimpfungen vereinbaren. Auch gegen Pneumokokken und Covid-19 sind kostenfreie Schutzimpfungen erhältlich, gegen RSV gibt es eine vergünstigte Impfaktion an den Kärntner Gesundheitsämtern.

Aus dem Büro von Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ) heißt es auf Anfrage, für Kärnten seien heuer 8965 Dosen Kinderimpfstoff, 26.547 Dosen Senior:innen-Impfstoff und 26.663 Dosen Impfstoff für alle Altersgruppen vorbestellt worden. „Die Impfstoffe für Kinder und Senioren werden wie geplant ausgeliefert. Beim Impfstoff für alle Altersgruppen gibt es derzeit Lieferverzögerungen, aber vulnerable Altersgruppen werden alternativ mit dem Impfstoff Flucelvax versorgt“, so das Land. Dieser werde in Kürze für Kinderärzte und Gynäkologen bereitgestellt und vorerst ausschließlich für Kinder im Alter von 6 Monaten bis 24 Monaten, Schwangere und erziehungsberechtigte Personen im unmittelbaren Umfeld von Neugeborenen und Säuglingen bis zum 6. Lebensmonat zur Verimpfung zur Verfügung stehen.

Große Nachfrage nach Impfstoff

Die Nachfrage nach dem Influenza-Impfstoff sei jedenfalls heuer sehr groß, unterstreicht Korak-Leiter den Impfwillen bei den Patienten. Dieser steigt jährlich: In der Saison 2024/25 wurden in Kärnten 49.340 Influenza-Vakzine verimpft, in der Saison 2025/26 waren es 55.915.