Sturms Was-wäre-wenn-Gefühl: „Haben gegen keine Nasenbohrer gespielt“
Warum die Schwarz-Weißen das Gefühl haben, dass in Bournemouth Ergebnis und Leistung nicht zusammenpassten und was das fürs Derby bedeutet.
Es gibt Spiele, da passen Ergebnis und Leistung gefühlt nicht zusammen, obwohl sie das eigentlich eh tun. Sturms 0:3 im Europa-League-Gastspiel beim AFC Bournemouth war ein klassisches Beispiel. Dass die Engländer einen – wohl auch in dieser Höhe - verdienten Sieg gefeiert haben, galt es für die Steirer anzuerkennen. „Trotzdem hast du innerlich das Gefühl, dass mehr möglich gewesen wäre“, beschrieb Trainer Fabio Ingolitsch seinen Gemütszustand und stand damit im Lager der Grazer ganz bestimmt nicht alleine da.
„Wenn du das Ergebnis liest, aber auch siehst, was wir geleistet haben, dann passt das nicht ganz zusammen“, fand der 34-Jährige, der jedoch vor allem in der Spielphase der defensiven Standards die klare Unterlegenheit seiner Mannschaft an diesem Abend eingestehen musste: „Da hat sich jeder Ball in unsere Box wie eine Bombe angefühlt.“
Als wirklich nicht viel fehlte
Nun ist es gegen einen Kontrahenten, der in sämtlichen finanziellen Kennzahlen weit vor Sturm liegt, wenig verwunderlich, wenn er deutlich mehr vom Spiel hat. Zudem sollte man nicht unterschätzen, was dieses erste Europacup-Heimspiel in der Vereinsgeschichte für diesen Klub emotional bedeutet hat. Die Extramotivation, diese Begegnung unter allen Umständen siegreich zu gestalten, war auf Seiten der Gastgeber an allen Ecken und Ende zu spüren.
Dass Sturm trotzdem einem besseren Ergebnis nachtrauern durfte, hatte vor allem mit jener Doppelchance in der zweiten Halbzeit zu tun, als erst Jürgen Heil den Ball an die Stange knallte und im Nachschuss Jacob Hödl vergab. Es wäre der Ausgleich zum 1:1 gewesen. „Ich bin einen 60-Meter-Sprint mitgegangen. Wenn der Ball kommt, weißt du, dass du nicht viel Zeit hast, also nimmst du den ersten Kontakt. Ich wollte ihn hoch ins kurze Eck schießen, habe ihn auch richtig gut erwischt. Es war leider Pech, dass er an die Stange gegangen ist“, schilderte Heil die Szene aus seiner Sicht, „da hat wirklich nicht viel gefehlt. Zu diesem Zeitpunkt wäre der Ausgleich wahrscheinlich verdient gewesen.“
Die Partie nicht auf den Kopf gestellt
Findet man auf diesem Niveau derartige Möglichkeiten vor, muss man sie tendenziell nutzen, um etwas mitzunehmen. „Was wir uns am meisten vorwerfen müssen, ist, dass wir in dieser Phase nicht zwingend genug geworden sind und dieses Spiel nicht auf den Kopf gestellt haben“, unterstrich Ingolitsch.
So tritt man mit einem Was-wäre-wenn-Gefühl die Heimreise an. „Wir haben gegen keine Nasenbohrer gespielt, sondern gegen richtig gute Fußballer, aber wir hätten schon etwas mitnehmen können“, meinte Heil. Definitiv mitgenommen hat man aus dieser Begegnung das Wissen, dass man sich früher im Spiel mehr zutrauen könnte. Heil: „Wenn man ein bisschen dieses Ängstliche im Ballbesitz ablegt, kommen wir auch zu unseren Chancen.“ Dies sei gegen Stade Rennes und nun auch gegen Bournemouth der Fall gewesen: „Wenn du gegen zwei richtig gute Gegner mitgehalten hast, wird in der Europa League nicht mehr viel Besseres kommen. Das muss uns Mut geben.“
Wenn man nach der Ansprache der Fans noch jemanden fürs Derby anzünden muss, ist er fehl am Platz
— Jürgen Heil
Bevor in der kommenden Woche mit Olympique Marseille ein weiteres Kaliber in der steirischen Landeshauptstadt gastiert, steht das Derby gegen den GAK auf dem Programm. Nach dem Schlusspfiff stimmten die Anhänger die Sturm-Spieler auf den Lokalrivalen ein. „Wenn man nach der Ansprache der Fans noch jemanden anzünden muss, ist er fehl am Platz“, erklärte Heil, „wir wissen ganz genau, wie wichtig das Spiel für uns ist. Wir wollen gewinnen und zeigen, dass wir die Nummer eins in der Stadt sind.“