Nach rechtsextremer Attacke: „Taxifahrer von Leoben“ mit Preis geehrt
Weil er nach rechtsextremen Parolen in seinem Taxi Zivilcourage zeigte, wurde Dimitrios Papatsetsilas aus Leoben mit dem Ferdinand-Berger-Preis ausgezeichnet.

Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) hat den „Taxifahrer von Leoben“, Dimitrios Papatsetsilas, für seinen Einsatz gegen demokratiegefährdende Tendenzen mit dem Ferdinand-Berger-Preis ausgezeichnet. „Wir haben in unserem Rechtsextremismusbericht schon vor zwei Jahren über das Aufkommen der Mosaik-Rechten geschrieben“, sagte DÖW-Leiter Andreas Kranebitter bei der Preisverleihung in Wien.
Damit ist das arbeitsteilige Zusammenwirken verschiedener rechtsextremer Strömungen gemeint, die sowohl auf der Straße als auch im Parlament versuchen, ihre Positionen durchzusetzen. „In Leoben ist diese Mosaik-Rechte in einer Taxifahrt zu einer Bedrohung verschmolzen. Umso wichtiger war das entschlossene Einschreiten von Dimitrios Papatsetsilas“, so Kranebitter.

Der Taxilenker hatte nach einem Fest der Burschenschaft Leder in Leoben Fahrgäste nach „Sieg Heil!“-Rufen aufgefordert, sein Taxi zu verlassen, und ihr Verhalten anschließend den Behörden gemeldet. Daraufhin wurde er von Festgästen – darunter Burschenschafter, Kader der Identitären Bewegung und ein damaliger parlamentarischer Mitarbeiter eines FPÖ-Nationalratsabgeordneten – gewalttätig attackiert.
„Wir leben in der Zukunft“
Laudatorin Barbara Stelzl-Marx betonte, wie wichtig Menschen seien, die gerade in Krisenzeiten Zeichen setzen und zum Nachdenken anregen. Der sichtlich berührte Papatsetsilas sagte bei der Verleihung: „Eines ist mir von heute Abend geblieben; wir alle haben unterschiedliche Geschichten, aber eines haben wir gemeinsam: Wir leben in der Zukunft.“

Neben Papatsetsilas wurde auch ORF-Journalist und „Zeit im Bild“-Moderator Armin Wolf mit dem Ferdinand-Berger-Preis ausgezeichnet. Er zeige seit vielen Jahren, wie unverzichtbar unabhängiger Journalismus für eine demokratische Gesellschaft ist.
Zum Ferdinand-Berger-Preis
Der Preis wurde von Ernst und René Berger, Sohn und Enkel des 2004 verstorbenen Widerstandskämpfers und ehemaligen KZ-Häftlings Ferdinand Berger, gestiftet.
Seit 2018 wird er vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) vergeben.
Der mit 3000 Euro dotierte Preis zeichnet Personen aus, die durch wissenschaftliche oder publizistische Leistungen oder durch besonderes öffentliches Auftreten einen markanten Beitrag gegen Neofaschismus, Rechtsextremismus, Rassismus oder demokratiegefährdendes Verhalten geleistet haben.
Die Nominierung erfolgt durch eine Jury, der Paulus Hochgatterer, Andreas Kranebitter, Corinna Milborn, Alexander Mitteräcker, Christine Schindler, Ruth Wodak sowie René und Ernst Berger angehören.