Ardo-Tiefkühlwerk: Debatte über Staatshilfe, Ringen um Sozialplan
Wirtschaftsforscher sprechen sich gegen öffentliche Förderungen für den Iglo-Zulieferer Ardo aus. Die Gewerkschaft sieht Gesprächsbedarf bei Ardo-Sozialplan.

Die Ökonomen des IHS und des WIFO sprechen sich gegen Subventionen aus, um die Tiefkühlgemüseproduktion in Österreich zu halten. „Ich bin dafür, dass man nicht staatlich eingreift“, sagte Wifo-Chef Gabriel Felbermayr am Mittwoch bei einem Konjunktur-Termin auf Journalistennachfrage. Auch IHS-Direktor Holger Bonin ist gegen öffentliche Förderungen für den Iglo-Zulieferer Ardo. Beide Spitzenökonomen plädieren dafür, „standortpolitische Themen anzugehen“, etwa den Strompreis.
Laut Schätzungen ist das niederösterreichische Ardo-Werk, das im Sommer 2027 geschlossen werden soll, für 80 Prozent der heimischen Tiefkühlgemüseproduktion verantwortlich. Rund 500 Gemüsebauern sind Zulieferer für das Werk. Der WIFO-Direktor verwies darauf, dass es auch keine industrielle Speiseeiserzeugung in Österreich mehr gebe und Eskimo sowie andere Eismarken im Ausland hergestellt werden. In den vergangenen Jahren hätten sich aber immer mehr kleine Speiseeis-Erzeuger etabliert, so Felbermayr. Es sei vorstellbar, dass bei ausreichender Nachfrage sich auch mehr Tiefkühlgemüse-Spezialisten aus Österreich etablieren.
Gewerkschaft sieht Gesprächsbedarf bei Ardo-Sozialplan
Die Produktionsgewerkschaft PRO-GE hat am Mittwoch im Fall der angekündigten Schließung des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf in Niederösterreich „erheblichen Gesprächsbedarf“ in Sachen Sozialplan geortet. „Das bisherige Angebot ist völlig unzureichend“, wurde in einer Aussendung festgehalten. Das Unternehmen müsse zudem Gespräche über eine Übernahme und Weiterführung des Standorts ermöglichen.
„Wenn Ardo schon Arbeitsplätze vernichten will, dann kann sich der Konzern nicht auch noch bei den betroffenen Beschäftigten aus der Verantwortung stehlen“, betonte der Bundesvorsitzende der PRO-GE, Reinhold Binder, in der Aussendung. Haken dürfte es insbesondere an der finanziellen Ausgestaltung: „Wer Menschen nach vielen Jahren Arbeit vor die Tür setzt, muss für einen ordentlichen Sozialplan auch ordentlich Geld in die Hand nehmen.“ Ardo hatte zuletzt ein Hilfs- und Subventionspaket von Bund und Land abgelehnt und in der Vorwoche betont, nun den Fokus auf die Ausarbeitung eines Sozialplans legen zu wollen.
Auch darauf, dass im Marchfeld bereits der Herbstanbau von Tiefkühlspinat für die Ernte im kommenden Frühjahr ausgeblieben ist, ging Binder ein. „Hier wird funktionierende regionale Lebensmittelproduktion mutwillig aufs Spiel gesetzt. Kurze Wege, heimische Produktion, Arbeitsplätze und Wertschöpfung im Marchfeld werden gefährdet, damit ein internationaler Konzern seine Produktion anderswo konzentrieren kann.“
KPÖ fordert „Vergesellschaftung“ des Werks
Zu Wort meldete sich am Mittwoch auch die KPÖ Niederösterreich. „Wenn Ardo das Werk nicht weiterführen will, muss die öffentliche Hand eingreifen und die Produktion sichern“, verlangte Landessprecher Max Zirngast. Angedacht wurde seitens der KPÖ in einer Aussendung eine Überführung des Werks in öffentliches oder kollektives Eigentum: „Für eine solche Vergesellschaftung müssten Bund und Land die notwendigen gesetzlichen Grundlagen schaffen.“ Entsprechende rechtliche Schritte sollten umgehend geprüft und eingeleitet werden.
Das Ardo-Tiefkühlgemüsewerk in Groß-Enzersdorf produziert etwa für Iglo und die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar. Von der für Ende August 2027 geplanten Schließung betroffen sind 190 Beschäftigte, für die ein Sozialplan entsteht. Hinzu kommen 50 Leiharbeitskräfte. Die belgische Gruppe hat 2025 in Niederösterreich eigenen Angaben zufolge die Erzeugnisse von rund 270 Bauern verarbeitet. Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG), die für Ardo produziert, hat 500 Mitgliedsbetriebe.