Suche
Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Der wohl exklusivste Flohmarkt Österreichs feiert 25-Jahr-Jubiläum

Die obersteirische Firma Leichtfried zählt zu den letzten Tuchfabriken Österreichs. Von Chanel bis Dior setzen Top-Marken weltweit auf Qualität aus der Steiermark. Am 23. Oktober wird zu einem großen Flohmarkt geladen.

© Leichtfried Loden
Josef Leichtfried (rechts) führt den Betrieb in fünfter Generation
Sarah Ruckhofer
Stv. Ressortleiterin Regionalredaktionen Steiermark, Teamleiterin Regionalredaktion Murtal & Murau

Am 23. Oktober um Punkt acht Uhr geht es los: Wenn sich die Tore der Lodenfabrik Leichtfried im obersteirischen Möbersdorf (Gemeinde Weißkirchen) öffnen, werden Liebhaber feinster Stoffe Schlange stehen. „Anfangs hatte unser Flohmarkt vor allem regionale Bekanntheit, mittlerweile kommen Kundinnen und Kunden aus ganz Österreich, Slowenien und Deutschland“, schildert Josef Leichtfried, der das Familienunternehmen in fünfter Generation mit seiner Frau Martina führt.

Der Flohmarkt feiert heuer sein 25-jähriges Bestehen. Dabei führt der Name in die Irre: „Flohmarkt suggeriert etwas Minderwertiges. Der Name hat sich eingebürgert, aber eigentlich ist es ein Kollektionsabverkauf“, so Leichtfried. Privatkunden können hochwertige Tuche und feinste Lodenstoffe, die in den vorangegangenen Saisonen unter anderem von Modeunternehmen wie Chanel, Saint Laurent, Christian Dior, Thom Browne oder Paule Ka in ihren Kollektionen verarbeitet wurden, zu Großkundenpreisen erwerben.

© Leichtfried Loden
Der Flohmarkt findet in den Produktionshallen in Möbersdorf statt

Trend Richtung Interior

Angeboten werden Wollstoffe aus feinster australischer Merinoschurwolle, für die die 1884 gegründete Lodenfabrik bekannt ist. „Bis zu 70 Prozent günstiger, als wenn man etwa in einem Stoffgeschäft oder bei einem Raumausstatter einkauft“, so Martina Leichtfried. Beim Flohmarkt gibt es keine „Reste“ mit Makeln, im Gegenteil: „Die Stoffe haben keine Fehler, es sind Waren, die etwa bei einer Produktion für Großkunden übrig geblieben sind.“ Zum Abverkauf kommen viele Hobby-Näherinnen und sogar ganze Handarbeitsrunden.

Aus den Stoffen wird übrigens nicht nur Kleidung gefertigt – im Gegenteil, der Trend geht in Richtung Interior. „Decken, Vorhänge, Polster... der Einrichtungsbereich wird immer stärker“, betont Josef Leichtfried. Seit einiger Zeit gibt es in den Räumen der Fabrik eine eigene Näherei, die langjährigen Mitarbeiter haben für den Flohmarkt auch Decken, Pölster und sogenannte „Leseknochen“ (Nackenkissen) vorbereitet und stehen für Fragen und Beratungen auch zur Verfügung.

1 / 9
Am 23. Oktober kann man auch einen Blick hinter die Kulissen der Produktion werfen
Am 23. Oktober kann man auch einen Blick hinter die Kulissen der Produktion werfen © Leichtfried Loden

Begehrter Blick hinter die Kulissen

Im Rahmen des Loden-Flohmarktes (23. Oktober von 8 bis 18 Uhr) werden auch Führungen durch das Unternehmen angeboten (um 10, 12 und 14 Uhr, Anmeldungen sind nur für Gruppen nötig). „Das Interesse daran ist riesig, viele wollen hinter die Kulissen blicken. Wer sieht, wie aufwendig wir produzieren, lernt auch den Wert der Produkte ganz anders schätzen“, so der Firmenchef. 20 Mitarbeiter beschäftigt der Traditionsbetrieb, mehr als 80 Prozent der Ware geht in den Export.

Frankreich, Italien, USA, England, Asien: „Unsere Kunden sind auf der ganzen Welt zu finden.“ Das Geschäft sei starken Schwankungen unterlegen: „Es kann sein, dass ein Kunde in einem Jahr Tausende Laufmeter bestellt, im nächsten gar nichts. Einfach, weil der Stoff dann nicht in die aktuelle Kollektion passt“, so Leichtfried. Vom Trend zur billigen „Fast Fashion“ ist man nicht betroffen: „Unsere Kunden legen Wert auf hochwertige Materialien.“

Rohstoff aus Australien

Die Lodenfabrik, die eigentlich längst eine Tuchfabrik ist, setzt als Rohstoff ausschließlich auf australische Merinoschurwolle, die es in dieser Qualität allein aufgrund der klimatischen Bedingungen in Österreich so nicht gibt. In Möbersdorf durchläuft die Wolle sämtliche Stufen der Produktion – vom Spinnen des feinen Streichgarns, dem Weben des Rohgewebes bis hin zur Veredelung zum fertigen Loden, der auch in der Haute Couture eingesetzt werden kann.

Wo man Stoffe aus Möbersdorf bald sehen wird? Etwa in den Kollektionen von namhaften Marken wie Luis Trenker, der Kleidermanufaktur Habsburg, Lodenfrey München, Chanel, Yves Saint Laurent oder Amundsen Outdoor Wear aus Norwegen. Aktuell laufen die sogenannten Musterungen bei den Designern, wo entschieden wird, welche Stoffe zur nächsten Herbst-Winter-Kollektion passen. Die großen Aufträge folgen dann im Frühling nach den internationalen Modeschauen.