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Kärntner Café verrechnet den Gästen automatisch Trinkgeld

Ein Lokal aus dem Bezirk Spittal verrechnet bei Kartenzahlung fünf Prozent Trinkgeld. Für Wirtesprecher Stefan Sternad ist diese Praxis bisher einzigartig in Kärnten.

Eine Kartenzahlung in einem Lokal
© IMAGO/Artur Widak
Die automatische Verrechnung von fünf Prozent Trinkgeld bei Kartenzahlung in einem Oberkärntner Café sorgt für Diskussionen
Leonie Katholnig
Regionalbüro Oberkärnten

Wer in einem Café im Bezirk Spittal mit Karte bezahlt, muss mit einem Aufschlag von fünf Prozent rechnen. Darauf weist ein mehrsprachiger Aushang am Eingang hin. Die Trinkgeldpauschale gilt laut Schild bei jeder Art von Kartenzahlung, auch beim Verkauf über die Theke. Der Fall löst eine Debatte über die Freiwilligkeit von Trinkgeld und die Wertschätzung gegenüber Servicekräften aus. Der Betreiber des Cafés wollte gegenüber der Kleinen Zeitung keine Stellungnahme abgeben. Er begründete dies mit den zahlreichen, aus seiner Sicht beleidigenden Kommentaren, die nach der öffentlichen Diskussion über das Lokal eingelangt seien.

Für Stefan Sternad, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Kärnten, ist das Modell ungewohnt: „Das habe ich tatsächlich in Kärntnen noch nicht gesehen.“ In seinem eigenen Betrieb würde er eine solche Pauschale nicht einführen. „Trinkgeld ist ja per Definition freiwillig“, betont Sternad‍, der jedoch auch nachvollziehen kann, dass Gastronomen ihren Mitarbeitern etwas Gutes tun und damit deren Leistung stärker wertschätzen wollen. Bei einer automatisch verrechneten Pauschale könne eine gut gemeinte Maßnahme aber auch nach hinten losgehen. Denn steuerlich sei ein solcher Betrag nicht unbedingt mit einem klassischen Trinkgeld gleichzusetzen.

Gesetz bei der Preisangabe

Nach § 3 Abs. 1 Z 16a des Einkommensteuergesetzes sind ortsübliche Trinkgelder unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei. Dazu gehört, dass sie Arbeitnehmern freiwillig und ohne Rechtsanspruch zusätzlich zum geschuldeten Betrag von dritter Seite gegeben werden. Wird ein fixer Prozentsatz automatisch aufgeschlagen, können diese Voraussetzungen fehlen. Sternad weist darauf hin, dass dann Umsatzsteuer anfallen kann und die Beträge für die Beschäftigten steuer- und sozialversicherungspflichtig sein können. Ob dies im konkreten Fall zutrifft, hängt von der tatsächlichen Ausgestaltung ab.

Trinkgeld ist per Definition freiwillig. Das Personal muss sich dafür anstrengen – wenn Service und Küche passen, gibt die Kundschaft gerne Trinkgeld.

— Stefan Sternad, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Kärnten
© WKK/Bauer
Stefan Sternad, Obmann der Fachgruppe Gastronomie, Wirtschaftskammer Kärnten

Was Gäste dazu sagen

Die Reaktionen in sozialen Medien reichen von deutlicher Kritik bis zu Verständnis für die Pauschale. Viele stören sich daran, dass sie nicht selbst entscheiden können, ob und wie viel Trinkgeld sie geben. Trinkgeld sei eine freiwillige Anerkennung für guten Service und dürfe nicht ungefragt auf die Rechnung kommen, lautet ein häufiges Argument.

Andere Gäste sehen Trinkgeld kritisch, wenn es ihrer Ansicht nach dazu dient, die Verantwortung für eine angemessene Bezahlung der Beschäftigten auf die Kunden abzuwälzen. Manche bevorzugen Bargeld, weil sie sicherstellen wollen, dass das Geld unmittelbar bei der Servicekraft ankommt. Es gibt allerdings auch Zustimmung zur Pauschale. Wer ohnehin Trinkgeld gibt, kann einen fixen Aufschlag als unkomplizierte Lösung betrachten. Andere Gäste verweisen darauf, dass sie auch bei Kartenzahlung freiwillig aufrunden.

Kartenzahlung verändert die Trinkgeldkultur

Dass immer mehr Gäste bargeldlos bezahlen, stellt die Gastronomie vor neue Herausforderungen. Nicht jedes Kassensystem ermöglicht eine unkomplizierte Aufteilung des Trinkgelds auf die Mitarbeiter. „Bei älteren Systemen kann die technische Ausstattung ein Grund dafür sein, dass Betriebe keine entsprechende Auswahl am Terminal anbieten“, erklärt Sternad.

Gleichzeitig beobachtet er, dass Trinkgeld heute keineswegs mehr selbstverständlich ist. Angesichts der finanziellen Belastungen würden viele Gäste genauer auf ihre Ausgaben achten. Er selbst gebe gerne Trinkgeld, wenn Service und Küche passen. „Du musst dich für das Trinkgeld sehr anstrengen“, beschreibt er die Situation in der Branche. Für Mitarbeiter könne Trinkgeld eine wichtige zusätzliche Einnahme sein, die stark von ihrer Leistung und vom jeweiligen Betrieb abhänge.