Suche
Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Biber gräbt Fischteichen in Straß das Wasser ab

Biberdämme im Attemsmoor lassen einen Fischteichbesitzer verzweifeln. Seinen Fischen droht das Wasser auszugehen – doch Eingriffe sind im Naturschutzgebiet tabu.

© Niederwieser/Brutmann (Montage)
Im Attemsmoor staut ein Biber das Wasser – Teichbesitzer Engelbert Fötsch kämpft deshalb um seine Fische
Eva Brutmann
Redakteurin Regionalredaktion Leibnitz & Deutschlandsberg

Seit Anfang Juli kommt kein Tropfen mehr an. Wo früher frisches Wasser in den Fischteich floss, herrscht heute Trockenheit. Zwei- bis dreimal täglich fährt Engelbert Fötsch deshalb zu seiner Fischerhütte im Wald bei Straß (Bezirk Leibnitz), um Wasser aus einem Brunnen in seinen Teich zu pumpen. Bis zu 3000 Liter schafft die Pumpe pro Stunde. Für seine Fische ist sie mittlerweile die Lebensversicherung.

Seit mehr als 20 Jahren hegt und pflegt Fötsch seinen Teich. Schleien, Rotaugen, Rotfedern, Karpfen tummeln sich darin. Gefischt wird nicht. „Bei mir sterben die Fische an Altersschwäche“, erzählt er. Doch jetzt fürchtet er um seine Schützlinge. Nicht nur sein Teich ist betroffen: Auch die benachbarten Fischteiche, die vom selben Wasserlauf gespeist werden, leiden unter dem Wassermangel. Einige sind bereits vollständig ausgetrocknet, in anderen steht nur noch wenig Wasser.

1 / 3
In seinem Fischteich steht nur noch Wasser, weil Engelbert Fötsch derzeit zwei- bis dreimal täglich aus einem Brunnen nachpumpt
In seinem Fischteich steht nur noch Wasser, weil Engelbert Fötsch derzeit zwei- bis dreimal täglich aus einem Brunnen nachpumpt © KLZ / Eva Brutmann

Den vermuteten Übeltäter hat Engelbert Fötsch rund einen Kilometer entfernt ausgemacht: einen Biber, der sich im Attemsmoor angesiedelt und an drei Stellen Dämme errichtet hat. Das Wasser staut sich, der weitere Durchfluss über den Linderbach zu den Fischteichen bleibt aus. „Ich habe einen Fischteich, ich habe das Wasserrecht, nur ich habe kein Wasser“, klagt Fötsch. Besonders der bevorstehende Winter bereite ihm Sorgen. „Wenn die Pumpe einfriert, kann ich meinen Fischen nicht mehr helfen.“

Warum der Biber bleiben darf

Bei einer Begehung mit Bezirksnaturschutzbeauftragtem Wolfgang Neubauer, Landes-Biberberaterin Alexa Bökenbrink und einem Wasserbauexperten wurde die Situation geprüft.

Das Ergebnis: Die Biberdämme dürften nicht einfach geöffnet werden, erklärt Neubauer. Zwar erlaube die steirische Biberverordnung unter bestimmten Voraussetzungen Eingriffe, doch im Naturschutzgebiet Attemsmoor gelte sie nicht. Hier untersagten strengere Schutzbestimmungen Veränderungen am Wasserhaushalt. Auch die Behörden könnten daher nicht ohne Weiteres eingreifen.

1 / 2
Wolfgang Neubauer ist Bezirksnaturschutzbeauftragter und war bei der Begehung im Attemsmoor dabei
Wolfgang Neubauer ist Bezirksnaturschutzbeauftragter und war bei der Begehung im Attemsmoor dabei © Fotostudio Furgler

Doch selbst eine Öffnung der Dämme würde laut Neubauer wenig bringen. Der Grundwasserspiegel sei heuer um rund einen Meter gesunken. Im Attemsmoor, einem seltenen Durchströmungsmoor, würde das freigesetzte Wasser versickern, bevor es die Fischteiche erreicht.

Biberberaterin Bökenbrink bestätigt: „Der Biber staut Wasser, um den Eingang zu seinem Bau unter Wasser zu halten. Seine Dämme könnten den Grundwasserspiegel sogar stabilisieren.“ Das Hauptproblem sei jedoch die anhaltende Trockenheit. „Wir müssen tatsächlich auf Regen warten.“

1 / 3
Der niedrige Grundwasserspiegel ist im Attemsmoor deutlich sichtbar: Kneippanlage und Fußbad sind ausgetrocknet
Der niedrige Grundwasserspiegel ist im Attemsmoor deutlich sichtbar: Kneippanlage und Fußbad sind ausgetrocknet © KLZ / Eva Brutmann

Hilfe für die Fische

Ganz allein lassen will Wolfgang Neubauer den verzweifelten Teichbesitzer dennoch nicht. Er schlägt eine frostsichere Wasserversorgung oder eine vorübergehende Umsiedlung der Fische vor. Auch finanzielle Unterstützung stellt er in Aussicht. „Ich verstehe sein Problem“, betont Neubauer.

Für Engelbert Fötsch bleibt die Situation ein Wettlauf gegen die Zeit. Während der Biber sein Wasser erfolgreich aufstaut, versucht Fötsch mit jeder Pumpenstunde, das Überleben seiner Fische zu sichern. Und beide sind auf dasselbe angewiesen: ausreichend Wasser.

1 / 2
Wie er seine Fische über den Winter bringen soll, weiß Fötsch derzeit nicht
Wie er seine Fische über den Winter bringen soll, weiß Fötsch derzeit nicht © KLZ / Eva Brutmann

Hilfe bei Konflikten mit Bibern

Bei Fragen zu Aktivitäten von Bibern oder zum Umgang mit den geschützten Tieren:

  • Biberberatung der Steiermärkischen Berg- und Naturwacht
  • Kontakt: Alexa Bökenbrink, Telefon: 0660/7170933, E-Mail: alexa.boekenbrink@bergundnaturwacht.at