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Das Ende des „Langen Ernst“ in Trieben ebnete Weg für Neustart

Am 18. Oktober 2025 verfolgten Tausende gebannt das Ende des 144 Meter hohen Kamin-Kolosses. Der Neubeginn nach der Einebnung lässt die Bevölkerung hoffen.

© KLZ / Gerhard Pliem
Die Handys sind gezückt: der Lange Ernst, benannt nach dem ehemaligen Werksleiter Ernst Luef, kurz vor dem Aufprall
Gerhard Pliem

Es gibt Augenblicke im Leben, die sich unlöschbar ins Gedächtnis einbrennen. Einer davon ist für viele, die am 18. Oktober 2025 vor Ort mit dabei waren, die Sprengung des legendären „Langen Ernst“ in Trieben. Der 144 Meter hohe Kamin des ehemaligen RHI-Werkes wich, um zukünftige neue Betriebsansiedelungen gefahrlos zuzulassen.

Mehr als 150 Bohrlöcher hatte man in den 144 Meter hohen Betonkoloss getrieben, 27 Kilogramm Sprengstoff eingebracht. Die Sprengloch-Anordnung und Fallrichtung wurden penibel berechnet. Das Fallbett für den Riesen war extrem schmal, nur 30 Meter von Bundesstraße und den gegenüberliegenden Häusern entfernt. Tausende beobachteten von einer Anhöhe beim ebenfalls heute nicht mehr existierenden RHI-Gästehaus das Spektakel. Ferngläser wurden auf gegenüberliegenden Hängen gezückt, Teleobjektive ausgepackt.

Ein Heulen zum Abschied

Um den Langen Ernst flogen Drohnen für Videoaufnahmen. Die Spannung stieg, die Sekunden vor der Sprengung wurden heruntergezählt. Die Finger am Auslöseknopf für die Sprengung hatten Günther Schadn, der Chef der verantwortlichen Sprengfirma und Triebens Bürgermeister Klaus Herzmaier. „Es war spannend, die Hand am Auslöseknopf leicht zittrig. Dann der Knall, darauf die völlige Stille“, erinnert sich Triebens Stadtoberhaupt.

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Unzählige Schaulustige beim ehemaligen RHI-Gästehaus und auf vielen Hängen rund um Trieben
Unzählige Schaulustige beim ehemaligen RHI-Gästehaus und auf vielen Hängen rund um Trieben © Fotorunde Trieben Sommerer

Kurz schien es so, als würde Triebens jahrzehntelanges Wahrzeichen dem Umfallen trotzen und standhaft stehenbleiben wollen. Dann nahm er Fahrt auf; erst langsam wie in Zeitlupe, dann immer schneller. „Die Luft wurde durch den Kamin hinausgepresst. Es hat sich angehört wie ein Heulen, mit dem sich der Lange Ernst verabschiedet hat. Das war symbolisch, das waren melancholische Momente“, lässt Franz Sommerer, der Jahrzehnte im RHI-Werk gearbeitet hat, die letzten Sekunden des Kolosses Revue passieren.

Wer in der Nähe des Sprengteams stand, spürte den dumpfen Aufprall, der Boden zitterte.
„Natürlich war der Fall des Langen Ernsts mit vielen Emotionen verbunden. Für viele Triebener war er ein Symbol des Aufschwungs. Dennoch wussten wir, dass eine positive Haltung wichtig ist, weil ja etwas Neues entsteht“, erzählt Herzmaier.

Siemens Mobility als Hoffnungsträger

„Bei sehr, sehr vielen Mitarbeitern haben die Bilder des fallenden Kamins natürlich auch Wehmut ausgelöst“, sagt Franz Sommerer. „Aber die Entscheidung ist ja viel früher gefallen. Da ist viel zerstört worden, was nicht hätte zerstört werden müssen“, sieht er die Schließung des einstigen Vorzeigewerks in Trieben kritisch.

Die jetzige Entwicklung, den Kauf des ehemaligen RHI-Geländes durch Siemens Mobility, den bereits begonnenen Bau einer Montagehalle, verortet Sommerer dagegen positiv: „Im ganzen Ort sind alle froh, dass es weitergeht. Das wird von allen in der Bevölkerung absolut positiv wahrgenommen.“ Konkret errichtet Siemens Mobility am ehemaligen Gelände der RHI in Trieben ein „Rail Service Center“ für die Wartung von Schienenfahrzeugen (wir berichteten). Die zentrale Lage Triebens ermöglicht eine leichte Zufahrt von Zügen aus ganz Mitteleuropa.

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Die neue Halle wächst zügig in die Höhe, wie diese Aufnahmen vom Freitag dieser Woche zeigen
Die neue Halle wächst zügig in die Höhe, wie diese Aufnahmen vom Freitag dieser Woche zeigen © KLZ / Gerhard Pliem

Kooperative gemeinsame Bemühungen

In hohem Tempo wird gerade eine Leichtbauhalle für Instandhaltungsarbeiten hochgezogen, im Jänner 2027 sollen die ersten Schienenfahrzeuge einrollen. Als nächster Schritt ist die Errichtung einer größeren Wartungshalle vorgesehen. Damit werden Instandhaltungstätigkeiten bis hin zu Unfallreparaturen von Schienenfahrzeugen jeglicher Bauart möglich. Abhängig ist die künftige Entwicklung von der Nachfrage aus Österreich und den Nachbarländern. Die Leichtbauhalle wird ganz im Osten auf dem Standplatz des ehemaligen RHI-Chrom-Freilagers hochgezogen. Grundsätzlich boomt die Bahnnutzung, die Basis für Wachstum ist jedenfalls vorhanden.

„Es waren wirklich alle sehr kooperativ, die Anrainer, die Behörden, die beteiligten Firmen. Dadurch wurde ein rascher zeitlicher Ablauf möglich“, bedankt sich Bürgermeister Herzmaier. „Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. In Trieben glaubt man, dass es aufwärts geht. Es besteht die realistische Aussicht, dass man die aktuellen Standards erhalten kann“, sieht Franz Sommerer die Zeichen auf Wachstum.