Lavanttaler Landwirtin: „Die Bäuerin hält oft den Hof zusammen“
Am 15. Oktober ist Weltlandfrauentag. In den vergangenen Jahren hat sich die Rolle der Bäuerin stark gewandelt. Sylvia Schilcher aus Rieding berichtet aus ihrem Alltag.
Der Internationale Tag der Frauen in ländlichen Gebieten, oft auch als Weltlandfrauentag bezeichnet, findet jedes Jahr am 15. Oktober statt. Zusätzlich wurde das Jahr 2026 von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Bäuerin ausgerufen. „Rund 18.300 land- und forstwirtschaftliche Betriebe gibt es in Kärnten. Auf einem Hof können mehrere Generationen von Frauen leben – von der Jungbäuerin bis hin zur noch aktiven Altbäuerin. Im Durchschnitt leben auf einem Kärntner Bauernhof fünf Personen“, sagt Friederike Parz, Referentin für Bildung, Beratung und Lebenswirtschaft in der Landwirtschaftskammer Kärnten.

In den vergangenen Jahren hat sich die Rolle der Bäuerin stark gewandelt. „Ihr Bildungsniveau steigt kontinuierlich, insbesondere junge Frauen verfügen häufig über Matura, einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss. Dieses Wissen bringen sie auf vielfältige Weise in die Betriebe ein. Sie setzen innovative Ideen um, entwickeln die Direktvermarktung weiter oder schaffen Angebote im Bereich der bäuerlichen Vermietung. Gleichzeitig leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Familie und zur Organisation des Haushalts“, führt Parz aus.
Das Bildungsniveau der Bäuerin steigt kontinuierlich.
— Friederike Parz, Referentin Landwirtschaftskammer Kärnten
Besonders wichtig für ein gedeihliches Führen eines Hofes sind gemeinsame Entscheidungen. Das weiß auch Sylvia Schilcher, die mit ihrem Ehemann einen landwirtschaftlichen Betrieb in Rieding bei St. Stefan auf der Koralpe betreibt. „Ich habe vor 35 Jahren auf den Hof meines Mannes Karl-Heinz eingeheiratet. Vorher war ich nach dem Abschluss der HAK in einem Büro tätig. Dank meiner Schwiegereltern und der Unterstützung meines Mannes ist das gut gelungen“, erzählt Schilcher. Auf ihrem Betrieb gibt es eine Ochsenmast, hinzu kommt ein Forstbetrieb. Zudem vermietet das Ehepaar zwei Ferienwohnungen.

Darüber hinaus ist Schilcher seit 13 Jahren eine weit über das Lavanttal hinaus bekannte Seminarbäuerin, überhaupt Obfrau der Seminarbäuerinnen in Kärnten, und gibt ihr Wissen in zahlreichen Workshops weiter. Das Paar hat vier Kinder, auf deren Ausbildung großer Wert gelegt wurde. Durch den ältesten Sohn ist mittlerweile auch die nächste Generation am Hof bereits gesichert.
Ich habe eine sehr gute Gesprächsbasis mit meinem Mann und wir unterstützen uns gegenseitig.
— Sylvia Schilcher, Landwirtin
Es gilt jedoch zu sagen: Ohne partnerschaftliche Arbeit würde das alles nicht funktionieren. „Ich habe eine sehr gute Gesprächsbasis mit meinem Mann und wir unterstützen uns gegenseitig. Er kümmert sich natürlich vor allem um den Forst und das Vieh, aber morgens habe zum Beispiel ich den Stalldienst und wenn ich dann tagsüber unterwegs bin, übernimmt diesen am Abend mein Mann. Es ist ein stetes Ineinandergreifen“, betont die Landwirtin.

Dass die Stellung der Frau in der Landwirtschaft heuer besonders in den Vordergrund gerückt wird, freut Schilcher. „Das ist ja bei den Bäuerinnen oft so wie bei den Hausfrauen. Die Arbeit wird getan, aber nicht jeder bemerkt das. Als Frau stellt man sich nicht so in den Vordergrund. Da tun sich die Männer leichter. Aber die Bäuerin hält oft den Hof zusammen, sie ist Leib und Seele des Betriebes. Man sieht das ja immer wieder. Bäuerinnen leiten einen eigenen Betriebszweig und einen eigenen Verantwortungsbereich.“