Lienzer Schüler wollte mit Hitler-Rede Schulsprecher werden
Ein Kandidat zur Wahl des Schülersprechers an der HTL Lienz hat ein TikTok-Video mit einer Rede von Adolf Hitler unterlegt. Polizei und Staatsschutz ermitteln.

Wie die Tiroler Tageszeitung am Montag als Erste berichtete, erschüttert ein Vorgang rund um die Wahl zum Schülersprecher an der Höheren Technischen Lehranstalt (HTL) Lienz den Bezirk. Ein Jugendlicher, der sich für den Posten bewerben wollte, lud bei TikTok zwei Videos hoch. Beide sind inzwischen nicht mehr auffindbar. Eines war laut Bericht von Dolomitenstadt.at mit FPÖ-Symbolik und dem Lied „Immer vorwärts FPÖ“ der John Otti Band verknüpft. Ein anderes war jedoch unterlegt mit einer Rede von Adolf Hitler. Diese hielt der Diktator im November 1933 vor Siemens-Arbeitern in Berlin. Hitler sprach dabei von einer „kleinen, wurzellosen, internationalen Clique“ und spielte damit auf die jüdische Bevölkerung in Europa an.
Der Schüler selbst war lediglich mit harmlosen Worten zu hören. „Weniger Stress“ wollte er an seiner Schule und „mehr Miteinander“. Auch das offizielle Schullogo der HTL war zu sehen, während im Hintergrund Hitlers Stimme dröhnte. Laut dem Bericht der TT wurde das betreffende Video über 7300 Mal aufgerufen – und hatte 162 Likes. Eine Person, die sich das Video ansah, beließ es nicht dabei. Sie stellte Anzeige bei der Polizei.
Auch der Staatsschutz ermittelt
Inzwischen laufen die Ermittlungen, auch der Verdacht der Wiederbetätigung steht im Raum. Die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) wurde ebenfalls eingeschaltet, die DSN befasst sich nun nach eigenen Angaben mit dem Vorfall. Für den Schüler hat das Ganze erste Konsequenzen: Er wurde zusammen mit einem mutmaßlichen Mitersteller des Videos von der Bildungsdirektion suspendiert.
Die HTL Lienz kommentiert den Vorfall nicht
Wortkarg gibt man sich bei der HTL Lienz. Direktor Alexander Kröll, auch Vizebürgermeister von Lienz, wurde laut TT von der Sache am Montagmorgen überrascht. Er wolle die laufenden Untersuchungen aber nicht weiter kommentieren, hieß es. Eine schriftliche Anfrage der Kleinen Zeitung ließ Kröll bis dato ebenfalls unbeantwortet. Bekannt ist daher nur, dass sich die HTL nun einen eigenen TikTok-Account angelegt hat, wohl auch, um die Umtriebe der Schülerinnen und Schüler auf dieser Plattform besser verfolgen zu können.
Entsetzen bei den Neos
Erste Reaktionen gibt es aus der Politik. Neos-Landessprecherin Birgit Obermüller zeigt sich in einer Aussendung schockiert: „Es ist erschreckend, in welche Richtung sich einige Teile der Gesellschaft entwickeln. Wenn junge Menschen ohne schlechtes Gewissen Social-Media-Videos mit Hitler-Reden unterlegen, um Werbung für ein schulpolitisches Amt zu machen, dann ist das eine brandgefährliche Entwicklung.“ Obermüller fordert, dass Demokratiebildung an Schulen wieder mehr in den Fokus rückt, will sich selbst nicht aus der Verantwortung nehmen: „Auch wir Politiker haben einen klaren Auftrag, uns gegen solche radikalen Tendenzen klar zu positionieren und entschieden dagegen aufzutreten.“