Suche
Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Schwan „Burli“ verlor einen Flügel und gewann ein neues Zuhause

Schwan flog in eine Stromleitung und wurde schwer verletzt. Zwei Eppensteiner nahmen sich seiner an und schufen für „Burli“ einen eigenen Teich.

© KLZ / Josef Fröhlich
Richard Moizi und Robert Dohr mit „Burli“, für den sie einen eigenen Teich gebaut haben
Josef Fröhlich
Redakteur Regionalredaktion Murtal & Murau

Nach dem Datum gefragt, muss Robert Dohr nicht lange überlegen: „Passiert ist es am 22. September 2018.“ Damals fährt er mit seinem Auto auf der Umfahrung von Weißkirchen nach Zeltweg, als er im Augenwinkel etwas wahrnimmt: „Es ist etwas gegen eine Stromleitung geprallt und abgestürzt. Ich habe zuerst an eine Drohne gedacht.“

Dohr fährt von der Straße ab und sieht sich im Bereich der Stromleitung um. Sofort wird klar: Es ist keine Drohne, es ist ein Schwan. Das Tier ist in die Leitung geflogen, liegt nun in der Wiese, daneben der ausgerissene rechte Flügel.

Erstversorgung

Was tun? Robert Dohr fackelt nicht lange. Er packt den damals circa einjährigen Schwan in seinen Wagen und sucht den nächstgelegenen Tierarzt auf: „Er hat dem Burli eine Spritze gegen die Schmerzen gegeben.“ Burli – diesen Namen hat der Eppensteiner für den Schwan gewählt, der noch immer bei ihm lebt. Doch dazu später.

Nach dieser Erstversorgung gibt ihm eine Tierschützerin den Tipp, den Schwan zum Fohnsdorfer Tierarzt Erich Köstenberger zu bringen und operieren zu lassen. „Die Wunde hat grässlich ausgesehen, aber Doktor Köstenberger hat den Burli wunderbar versorgt. Somit war das Ärgste überstanden“, erzählt der heute 59-Jährige, der die Tierarztkosten selbst übernimmt. Er steht jedoch vor der Frage, was nun weiter mit dem Wasservogel geschehen soll.

Vogelliebhaber

Da kommt Richard Moizi ins Spiel. Der 83-Jährige ist nach 45 Jahren in der Schweiz 2013 in seine Heimat Eppenstein (Gemeinde Weißkirchen) zurückgekehrt. Er lebt in einem kleinen Haus mit großem Grundstück in der Nachbarschaft von Robert Dohr. Moizi ist ein Vogelliebhaber und wurde wegen seines Engagements zum Ehrenmitglied eines Schweizer Natur- und Vogelschutzvereines ernannt.

„Was soll ich mit einem Schwan?“

„Ich habe Richard gefragt, was ich mit dem Schwan tun soll“, erinnert sich Robert Dohr. Die Antwort seines Nachbarn: „Den kann man nicht mehr hergeben.“ „Aber was soll ich mit einem Schwan?“, fragt Dohr. Sein Nachbar antwortet prompt: „Bauen wir ihm einen Teich, ich stelle dafür den Grund zur Verfügung.“ Dohr gefällt diese Idee. Schließlich hält er selbst drei Minischweine sowie Enten und Hühner. Auch Richard Moizi hält Ziegen, Enten und Hühner.

1 / 8
„Burli“ stolziert auf dem Gelände des für ihn angelegten Teiches in Eppenstein
„Burli“ stolziert auf dem Gelände des für ihn angelegten Teiches in Eppenstein © KLZ / Josef Fröhlich

Die beiden Tierfreunde machen sich ans Werk. Es entsteht ein rund 20 Meter langer und einige Meter breiter Teich, der 2019 mit einem kleinen Fest eingeweiht wird. Dort lebt Burli seither, schwimmt seine Runden und bekommt beste Nahrung: „Ich besorge für ihn spezielles Futter für Wasservögel aus Deutschland, dazu gibt es oft Salat, er ist ja ein Vegetarier“, schmunzelt Robert Dohr. Dass er einen Schwan hält, ist der Behörde übrigens bekannt.

Attraktion

Das eingezäunte Teichgelände im Bereich der Siedlung „Am Ruinenblick“ ist inzwischen zu einer kleinen Attraktion geworden, immer wieder kommen Kinder und Familien vorbei. „Leider haben es im Vorjahr ein paar Kinder zu bunt mit dem Burli getrieben und ihn sehr geärgert, seither ist er auch mir gegenüber eher scheu geworden“, so Dohr. Er könne sich dem Schwan zwar ohne Weiteres nähern, aber es passiere schon einmal, dass Burli zuschnappt.

Für ein Foto nimmt Robert Dohr Burli mit einem speziellen Griff auf den Arm. Das Tier nimmt das zunächst zur Kenntnis, peckt seinem Halter dann aber doch kräftig in den Unterarm. „Das ist leicht auszuhalten“, lacht sein Besitzer.

Noch ein langes Leben

Burli könnte den beiden Eppensteinern noch lange erhalten bleiben. Er ist jetzt ungefähr neun Jahre alt; in menschlicher Obhut können Schwäne schon einmal 25 Jahre alt werden. Burli fühlt sich wohl, nur im Frühjahr überkommt ihn ein Bedürfnis: „In der Paarungszeit merkt man kurzzeitig eine Veränderung seines Verhaltens. Leider kann er nicht wegfliegen, da tut er einem schon leid“, schmunzelt Dohr.

Er und sein Nachbar erfreuen sich nicht nur am Schwan, sondern an der Entwicklung des Teichgeländes, das zu einem Biotop geworden ist: Hier tummeln sich neben den Minischweinen, Enten und Hühnern auch Libellen, Fledermäuse, Schwalben, Schlangen, Eidechsen und Frösche. „Wo Tiere sind, da ist auch Leben“, freut sich Richard Moizi.