Kärntner Volksschüler müssen schon um 10.30 Uhr zum Mittagessen
Herabgefallene Decken, undichte Dächer, akuter Platzmangel: Es gibt dringenden Handlungsbedarf in den Klagenfurter Schulen. Gemeinderat stimmte Sanierungs- und Modernisierungsplan zu.

Ein Prüfbericht stellt Klagenfurts Schulen kein gutes Zeugnis aus und dokumentiert ein Dutzend Mängel an Schulen – eine stark beschädigte Fassade mit herabhängenden Teilen, Verletzungsrisiken durch fehlende Geländer und Dachrinnen ohne Versickerungsschächte, nicht gekennzeichnete Fluchtwege oder Feuchtigkeitsschäden am Balkon. Doch nicht nur die baulichen Mängel machen den Bildungseinrichtungen in der Landeshauptstadt zu schaffen, in der Volksschule Welzenegg ist beispielsweise ein akuter Platzmangel das Problem.
Rund 600 Kinder besuchen besagte Schule. Zwischen 200 und 220 von ihnen essen täglich in der Schule zu Mittag. Doch im vorhandenen Speisesaal finden gerade einmal 45 Kinder gleichzeitig Platz. In sechs Schichten gehen daher die Schülerinnen und Schüler zum Mittagessen. „Die ersten sitzen um 10.30 Uhr vor ihrem Teller, die letzten um 13.30 Uhr“, weiß Iris Glanzer, selbst Lehrerin an der VS Welzenegg und Bildungssprecherin der Neos, aus Erfahrung.
Seit Jahren fordert die Schule eine Erweiterung. Nachdem ein Zubau vom Tisch war, wurde seitens der Stadtregierung zumindest ein zusätzlicher Speisesaal in Modulbauweise zugesagt. Die Stadt habe im Frühjahr 2026 laut Glanzer von „Sofortmaßnahmen“ gesprochen, doch bis dato sei nichts passiert.
„Die Lösung eines Containers wurde im Juni im Stadtsenat eingebracht und beschlossen“, erklärt Vizebürgermeister und Bildungsreferent Ronald Rabitsch (SPÖ). Für Stadtrat Julian Geier (ÖVP), der über sein Referat Facility Management für die Erhaltung und Sanierung der Schulgebäude verantwortlich ist, sei die Containerlösung nicht optimal, aber zwingend notwendig. Seitens der Stadt habe man sich mit der Fertigstellung des Projektes das Frühjahr 2027 zum Ziel gesetzt. Diesbezüglich sei man auch im Zeitplan. „Es muss den Bedürfnissen der Kinder gerecht und natürlich auch behördlich genehmigt werden“, erklärt Geier.
Petition gestartet
Grundsätzlich ist der Zustand der Klagenfurter Schulen Glanzer ein Dorn im Auge. „Ich erlebe jeden Tag, was es bedeutet, wenn notwendige Sanierungen und Erweiterungen unserer Schulen jahrelang aufgeschoben werden“, erklärt die Klagenfurterin, die selbst Mutter von drei schulpflichtigen Kindern ist, und die Petition „Klagenfurts Schulen sanieren und ausbauen – Jetzt!“ gestartet hat. Denn die Volksschule Welzenegg sei kein Einzelfall. „An der Mittelschule St. Peter sind Teile der Decke heruntergefallen. In der Sporthalle in St. Ruprecht wurde ein Planschbecken aufgestellt, um den Regen aufzufangen“, ruft sie andere „Baustellen“ in Erinnerung.
Das ist das Ergebnis jahrzehntelanger Untätigkeit in diesem Bereich.
— Julian Geier, Stadtrat (ÖVP)
In der Petition fordert sie einen Sanierungs- und Modernisierungsplan für alle Klagenfurter Schulen, beginnend mit jenen, die den größten Sanierungsbedarf haben. Mittlerweile fanden die Petition und die Anliegen der Eltern im Klagenfurter Gemeinderat Gehör. Dieser beschloss am Dienstag einstimmig die Erstellung eines verbindlichen Sanierungs- und Modernisierungsplans für alle städtischen Pflichtschulen.
