Vaters Kunst, Tochters Mode: Kreatives Duett in Deutschlandsberg
Er malt, sie macht Mode daraus: Walter Sabetzer und seine Tochter Marlen verbinden zwei kreative Handschriften zu einem besonderen Kunsterlebnis.

Kräftige Farben, verschlungene Linien, Formen, die erst auf den zweiten Blick etwas preisgeben. In der Stadtgalerie Deutschlandsberg hängen Bilder von Walter Sabetzer. Und gleich daneben begegnet man ihnen wieder: als Stoffprints auf Röcken, Hosen und anderen Kleidungsstücken. Was der Vater auf die Leinwand bringt, verwandelt seine Tochter Marlen in Mode. Die gemeinsame Ausstellung „natürlich“ erzählt aber auch davon, wie unterschiedlich zwei Menschen mit denselben Farben umgehen können.
Den Anfang machte ein Gemälde ihres Vaters mit einem gelben Kreis. Marlen Sabetzer entdeckte darin die Grundlage für eine Kollektion, experimentierte mit Farben und Formen. 2022 präsentierte sie die davon inspirierte Mode bei der Vienna Fashion Week.

Inzwischen wurden mehrere Werke ihres Vaters zu Stoffprints verarbeitet. Er selbst wäre auf diese Idee nicht gekommen, sagt der akademische Maler und langjährige Kunstpädagoge Walter Sabetzer, der in St. Peter im Sulmtal lebt. Während er in seinen Bildern kleinste Strukturen der Natur vergrößert und abstrahiert, sieht seine Tochter darin Möglichkeiten für Schnitte, Muster und Kleidungsstücke.

Vom Atelier auf den Laufsteg
Dass Vater und Tochter ihre Kreativität auf unterschiedliche Weise ausleben, hat auch mit dem Familienalltag zu tun, in dem Marlen aufgewachsen ist. „Bei uns war wirklich viel selber gemacht“, erinnert sie sich. Kein Wunder: Die Mutter Werklehrerin, der Vater Künstler. Vorhänge, Polsterbezüge, sogar Fliesen wurden selbst gestaltet.
Heute betreibt Marlen ihr eigenes Modelabel „MarS-Anfertigung“. Dabei steht sie vor einer Herausforderung, die ihr Vater in dieser Form nicht kennt: Mode soll nicht nur gefallen, sondern auch tragbar und verkäuflich sein. „Man muss davon leben können“, bringt es die Designerin auf den Punkt.

Die Kunst, genauer hinzuschauen
Walter Sabetzer hingegen lässt sich beim Malen nicht von einem möglichen Verwendungszweck leiten. Seine Inspiration findet er im Kleinen, in Wurzeln, Spuren und unscheinbaren Strukturen der Natur. „Es gibt Millionen von Motiven, man braucht eigentlich nur so ein Fleckerl, zehn mal zehn Zentimeter, da ist alles drin“, sagt der Künstler. Was daraus auf der Leinwand entsteht, überlässt er seiner Vorstellungskraft – und die Interpretation den Betrachtern.
Eine Haltung, die Vater und Tochter verbindet: Beide wollen Raum für eigene Entdeckungen lassen. Ob beim Blick auf ein Gemälde oder beim Tragen eines außergewöhnlichen Kleidungsstücks – nicht alles muss vorgegeben sein.
Ausstellung „natürlich“
- Walter und Marlen Sabetzer – Malerei und Mode
- Stadtgalerie Deutschlandsberg, Hauptplatz 22
- Noch bis 25. Oktober 2026
- Öffnungszeiten: Laut Veranstaltungskalender der Stadtgemeinde Freitag bis Sonntag, 9–12 und 15–18 Uhr und gegen Voranmeldung