Julia Mayer nach ihrem Rekordlauf: „Graz ist komplett crazy“
Im Solo pulverisierte die 33-Jährige ihre eigene Bestmarke und ist sich sicher: „Da geht noch mehr“. Dazu gab es viel Lob für Graz, die Strecke und vor allem die Fans: „Sogar alle Läufer feuern einen an. Graz ist anscheinend eine Läuferstadt.“

Auch bei der Siegerehrung hatte es Julia Mayer eilig, schließlich wollte sie auf schnellstem Wege in die Ramsau, wo Trainer Vincent Vermeulen schon wartete. Mit dem hatte die Niederösterreicherin schon kurz nach dem Zieleinlauf ausgiebig telefoniert, um ihre Sicht der Dinge zu ihrem Rekordlauf darzulegen. Und diese Sicht war ausgiebig, schließlich hatte Mayer in Graz gerade ihren eigenen Halbmarathon-Rekord pulverisiert. 1:10:11 Stunden benötigte sie für die 21,1 Kilometer, war damit um 43 Sekunden (!) schneller als bei ihrem Rekordlauf in Kopenhagen vor drei Wochen. Und dementsprechend war sie „sehr stolz“, denn: „Es ist so geil, in Österreich einen Rekord zu laufen, noch dazu alleine. Ich weiß nicht, was in Graz los ist, aber die Menschen sind so geflippt, sogar die anderen Läufer feuern dich an. Es war eine super Stimmung, mit super Leuten, noch mehr als im Vorjahr, das war komplett crazy. Graz ist anscheinend eine Läuferstadt!“
Diese Welle der Emotionen trug Mayer – selbst die Tatsache, dass sie in diesem Jahr keine Männer-Gruppe fand, an die sie sich anhängen konnte, störte da nicht wirklich. „Letztes Jahr konnte ich mich bei Mario Bauernfeind anhängen. Heuer musste ich alles alleine machen, das ist anstrengender, weil man das Tempo im Blick haben muss, die Zeit, die Beine. Aber ab Kilometer zwölf habe ich mir gesagt: ‚Schalt‘ einfach dein Hirn aus! Und ich bin einfach nur gelaufen.“ Mayer war im „Flow“, schwebte gefühlt – und schnell – ins Ziel. Bleibt die Frage: Wo sind ihre Grenzen? „Ich habe mit Vincent telefoniert und er meinte auch: Es gibt keine Grenzen. Es läuft gut im Training, es läuft gut im Rennen. Ich habe große Ziele!“
Das nächste Ziel ist klar: In Valencia auch einen schnellen Marathon zu laufen. „Da will ich meine Halbmarathon-Zeiten auf den Marathon ausdehnen. Und wenn ich das zusammenbringe, dann ist auch Olympia wieder ein Thema, weil Valencia schon in den Limitzeitraum für L. A. 2028 fällt.“ Aktuell sind die Beine jedenfalls gut, die Form bleibt konstant gut. „Das war das Ziel – ein durchgehend hohes Grundniveau aus dem Training laufen zu können. Das ist heuer richtig gut aufgegangen“, sagte Mayer, „ich werde von Woche zu Woche besser.“ Mit der Form steigt auch das Vertrauen in sich selbst – und das braucht es, um sich von Beginn an ein schnelles Tempo zuzutrauen: „Das wird umso schwieriger, je höher du kommst.“
In Ramsau wird sie mit Vincent Vermeulen weiter daran feilen, noch höher zu kommen – und nicht nur das: Damit der Rekord in Graz auch anerkannt wird, war und ist natürlich eine Dopingkontrolle nötig; die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA erklärte sich bereit, diese in Ramsau durchzuführen.