„Teilzeit-Chinese“ beim VSV! Der gar nicht so exotische Eishockey-Exot
Ex-NHLer Ryan Sproul (33) erhielt vor den Olympischen Winterspielen 2022 die chinesische Staatsbürgerschaft. Inzwischen hat er in Villach voll eingeschlagen.

„Das stimmt ja gar nicht, ich habe nur einmal getroffen“, sagt Ryan Sproul mit einem Lachen angesprochen auf seinen vermeintlichen Doppelpack beim 4:3-Overtimesieg des VSV am Freitag gegen Bozen. Eines ist sicher: Sproul hat auf jeden Fall das zweite VSV-Tor des Abends erzielt, beim Ausgleich zum 3:3 kam sein Schuss von der blauen Linie, wurde im Getümmel von einem Bozner sowie auch einem (Ober-)Körperteil von Joel Teasdale noch abgefälscht. Die Liga wies den Treffer zumindest Sproul zu. Sollte dies noch geändert und Sproul der Assist anerkannt werden, bleibt eine beeindruckende Statistik beim Neo-Defender dennoch stehen: Acht Spiele, sieben Scorerpunkte.
Sproul bringt einiges mit, was überall hochgeschätzt und oft fieberhaft gesucht wird: Offensivpower als Verteidiger. Mit 1,93 Metern und fast 100 Kilo weiß er auch hinten aufzuräumen, hat aber, obwohl nicht der schnellste oder agilste Eisläufer, eine tolle Übersicht, gute Spieleröffnung. „Persönlich glaube ich, dass ich mich ganz gut mache. Ich bin zum ersten Mal in der Liga, konnte mich schnell daran gewöhnen. Mit meinen Mitspielern hat es recht rasch ‚klick gemacht‘, sodass der Start für mich gut war.“ Ein Start, der ob der Turbulenzen um den Klub auch für die Spieler „echt hart war“, wie Sproul verrät, aber auch anfügt: „Wir haben einen Weg gefunden uns da durchzukämpfen und stehen wirklich respektabel da.“
Sproul hat auf seinem Weg aus Ontario in die Hockeywelt vieles gesehen, spielte in der NHL für niemand Geringeren als die prestigeträchtigen Detroit Red Wings und New York Rangers, verbrachte fünf Jahre beim chinesischen KHL-Klub Kunlun Red Star und war zuletzt auch in der Slowakei ein Leistungsträger. „Klar, das sind höhere Ligen als hier. Aber das Hockey ist wirklich ansprechend, das Niveau hoch. Und da machen wir derweil einen guten Job“, so Sproul.
In China verpassten sich Sproul und Ex-VSV-Trainer Aho um ein paar Monate
Nach China kam der Verteidiger übrigens just in dem Jahr, als der dortige Co-Trainer Jyrki Aho Kunlun verließ, um beim VSV Headcoach zu werden. Sproul bekam infolgedessen sogar die Staatsbürgerschaft, spielte neben einer C- und einer D-WM auch bei den Olympischen Spielen im eigenen Land. „Eine einmalige Chance, diese Erfahrung gemacht zu haben, ist wirklich besonders. Es ist so ein weiter Weg, um überhaupt als Sportler die Chance zu haben, bei Olympia zu spielen“, schwärmt Sproul, der mit dem Team am Sonntag und noch ohne Verteidiger-Kollege Thomas Vallant in Innsbruck aufläuft. Ebenfalls länger fehlt Linus Andersson. Der Stürmer zog sich einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zu.