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Becks neues Album ist der perfekte Herbst-Soundtrack

Ein nachdenklicher Beck ist mit „Ride Lonesome“ und großen Country-Pop-Songs zurück. Eine Trilogie scheint damit komplett. Zurücklehnen!

© IMAGO
Beck ist nach sieben Jahren zurück
Thomas Golser
Redakteur Außenpolitik/International

Die Tage werden kürzer – das Laub bunter, die Gedanken nicht unbedingt: Passend und pünktlich zum Herbstbeginn kredenzt Beck das erste Studiowerk seit sieben Jahren. Mit dem rudimentären Synthesizer-Traubenzucker-Pop von „Hyperspace“ hat „Ride Lonesome“ rein gar nichts gemein. Hier packt der heute 56-Jährige wohlig in Herbstwolle. Akustisch, traurig und doch tröstlich. Er mag, wie jeder in seinem Alter, schon einiges verloren haben – vom „Loser“, den er einst besang, ist aber keine Rede, bitte.

Zusammen mit „Sea Change“ (2002) und „Morning Phase“ (2014) scheint „Ride Lonesome“ nun eine Art Trilogie zu komplettieren – man beachte die Zwölf-Jahres-Abstände zwischen den drei Alben. Schon der titelgebende Einstieg gibt die Richtung vor: Hier reitet jemand ziemlich einsam auf einem ganz gemütlichen Gaul dahin – noch lange nicht in den Sonnenuntergang, aber doch in stille, solitäre Gefilde.

Dabei setzt der US-Amerikaner auf die gleichen Musiker und das gleiche Klangkostüm wie 2002 und 2014: Entspannter, aber nicht beliebiger Country-Pop der gehobenen Klasse, mit reichlich Gitarre (auch hallende Pedal-Steel-Gitarren sind zu hören) und der genau richtigen Dosis an Streicher-Ornamenten. Bisweilen baute Beck auch frische Klangelemente ein, diese möge der geneigte Hörer selbst entdecken.

Deutliche Anleihen an Nick Drake

Der viel zu früh gegangene und doch unsterbliche Brite Nick Drake und sein ätherischer Folk schauen hier immer wieder um die Ecke, Nigel Godrich sitzt erneut am Mischpult und sorgt für eine zeitlose Produktion. Von dem minimalistischen Country-Rock von „Slow Canyon“ bis zum üppigen, harmoniedurchdrungenen „Falling Through My Hands“ ist hier alles melodisch superb auskomponiert und hat die nötige Gravitas, ohne bitter zu werden. Groß auch: „Run Away“. Becks Stimme scheint nicht zu verwittern, hat aber im Laufe der Jahre an Schmelz gewonnen. Einige Songideen wurden laut eigenen Angaben wieder verworfen, um das Allerbeste herauszusieben.

Eine wunderschöne, ziemlich schwelgerische Platte, für regnerische Sonntage, späte Abende und Spaziergänge durch das Herbstlaub. Traurigkeit kann einen auch wohlig und tröstend einhüllen, Melancholie kann einem ein guter Freund sein, solange man sie nicht zu ernst nimmt und nach einer passenden Dosis wieder aufscheucht. In diesem Sinne: einen wohligen Herbstritt mit Beck Hansen!

●●●●● <strong>Beck.</strong> Ride Lonesome. Capitol

sdsdsd