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Ministerium rät Single-Eltern: „Gilmore Girls“ statt Selbstmitleid

Eine Broschüre des Familienministeriums für Alleinerziehende sorgt auf Social Media für Ärger. Diese gehöre „definitiv überarbeitet“, heißt es aus dem Büro von Claudia Bauer.

© APA / Roland Schlager
Familienministerin Claudia Bauer will die Broschüre überarbeiten lassen
Vilja Schiretz
Innenpolitik

Zehn Jahre lang fristete das Dokument ein Schattendasein auf der Website des Bundeskanzleramts. Rund 40 Broschüren und Bücher rund um die Themen Kinder und Familie können dort heruntergeladen werden, von Unterstützungsangeboten für Schwangere bis zum Leitfaden für betriebliche Kinderbetreuung. Nun macht ein „Ratgeber für Ein-Eltern-Familien“ in den sozialen Medien die Runde – und die darin enthaltenen Tipps sorgen für Verwunderung.

Denn neben Informationen zu Unterhaltsansprüchen und verschiedenen Obsorgeregelungen ist etwa auch eine Checkliste mit dem Titel „Erste Hilfe gegen Selbstmitleid“ auf den 36 Seiten zu finden. „Denken Sie nicht, alle Ihre Probleme werden gelöst, wenn Sie mehr Geld hätten“, wird Müttern und Vätern dort beispielsweise geraten. An anderer Stelle erinnert das Heft daran, dass auch Beziehungen „wie Sie wissen, ganz schön anstrengend sein“ können. Paare würden Alleinerziehende teilweise beneiden: „Sie haben das Glück, Kinder aufwachsen zu sehen, und zugleich (zumindest manchmal) die Freiheiten, von denen Singles schwärmen.“ Ratschläge gibt es auch für Single-Eltern, die mit dem Auszug ihres erwachsenen Kindes hadern: Sie können etwa einen Ausflug mit Freunden planen, oder sich ein Haustier zulegen. Auch Serientipps liefert das Ministerium: Wer „Gilmore Girls“ oder „Two and a half Men“ schaut, fühlt sich vielleicht mit der eigenen Situation wohler.

Bauer reagiert auf Kritik

Im zuständigen Familienministerium von Claudia Bauer (ÖVP) kann man die Kritik nachvollziehen. Die Broschüre sei zwar immer wieder mit aktualisiertem Datum und neuem Vorwort veröffentlicht, aber bereits 2016 erstellt worden. „Die Broschüre ist veraltet und gehört definitiv überarbeitet“, heißt es aus Bauers Büro. Deshalb habe man das Dokument nach der Kritik von der Ministeriumsseite genommen, es soll nun unter Beiziehung von Expertinnen und Experten sowie Betroffenen neu gestaltet werden.

Bauer selbst nahm zu der Broschüre am Mittwoch Stellung. Diese „spiegelt absolut nicht meine persönliche Einstellung wider“, erklärt sie via Instagram. „Es ärgert mich extrem, dass diese unpassenden Formulierungen immer wieder übernommen wurden und dass uns das zunächst nicht aufgefallen ist.“

289.000 Alleinerziehende in Österreich

Laut Statistik Austria gab es in Österreich 2025 rund 1,1 Millionen Paar-Familien sowie 289.000 Ein-Eltern-Familien. Gezählt werden dabei Personen, die mit Kindern unabhängig vom Alter im selben Haushalt leben. Mehr als 80 Prozent der Alleinerziehenden waren dabei Frauen. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ist das Armutsrisiko für diese Gruppe deutlich höher: Die Statistik Austria erhob im Auftrag der Caritas, dass Anfang 2024 fast ein Drittel der Alleinerzieherinnen angab, Schwierigkeiten zu haben, mit ihrem Einkommen auszukommen. In der Gesamtbevölkerung der 18- bis 74-Jährigen berichteten im ersten Quartal 2024 nur 13 Prozent von finanziellen Problemen.