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Kindesentziehung: Vater nahm seine Kinder mit in den Kosovo

Der in Graz lebende Kosovare hatte für die Reise mit seinem Sohn (13) und seiner Tochter (10) nicht die Erlaubnis der Mutter. Aber die ist ein eigenes Kapitel.

© AP/Amel Emric
Weihnachten in Bosnien wollte die Mutter mit ihren Kindern verbringen – ursprünglich
Alfred Lobnik
Redakteur Bundesland Steiermark

Im Vorfeld hat der Angeklagte (41) wenig getan, um die Sympathien des Gerichts zu gewinnen: Er ist mehrfach nicht zu seiner Verhandlung erschienen, obwohl er nur ein paar Straßen vom Straflandesgericht Graz entfernt wohnt. Seine Entschuldigung ist aber nicht ganz schlecht: eine Krebsbehandlung in seiner kosovarischen Heimat. Diesmal ist er freiwillig erschienen, der bestehende Vorführungsbefehl von Richterin Barbara Schwarz muss nicht exekutiert werden.

Vorgeworfen wird ihm, vergangene Weihnachten seinen Sohn (13) und seine Tochter (10) ohne Erlaubnis der erziehungsberechtigten Mutter von Graz mit in den Kosovo genommen zu haben. Schuldig der Kindesentziehung fühlt er sich nicht: Am Abend des 23. Dezember habe er plötzlich Textnachrichten und Anrufe der Kinder bekommen. Als er zurückrufen konnte, baten sie: „Bitte Papa, hol uns ab! Die Mama will nach Bosnien, und wir können hierbleiben.“

Die Kinder standen in der Nacht vor der Tür

„Das war komisch.“ Als er gegen 23 Uhr hinfuhr, standen die Kinder mit Plastiksackerln vor der Tür. Auskunft der Mutter am Telefon: „Macht doch, was ihr wollt.“ Offenbar war sie verärgert, dass die Kinder nicht mit nach Bosnien wollten. Jahrelang war es geübte Praxis: Er brachte sie und die Kinder zu Weihnachten an die bosnische Grenze – ihre Familie wohnt nur 15 Minuten entfernt – er fuhr weiter zu seiner Familie in den Kosovo. Aber die Eheleute sind geschieden und zerstritten, oder „sie eher mit mir“, meint er.

Ewig war sie danach weder für ihn noch die Kinder erreichbar. Am 27. fuhr er los: „Ich musste in den Kosovo für eine Kiefer-OP im Jänner.“ Endlich gelang es, sie zu erreichen, und die Übergabe der Kinder zu arrangieren. Aber an der Grenze erschien sie nicht. „Ihr Handy war total aus.“ Notgedrungen seien sie weiter Richtung Kosovo gefahren. „Die Kinder hatten nicht einmal Pässe.“ Die Grenzbeamten in Serbien akzeptierten schließlich sogar Passkopien, nachdem auch sie vergeblich versucht hatten, die Frau zu erreichen.

Falsche Entscheidungen haben Konsequenzen. Diese Situation habt ihr mit eurem Vater verursacht.

— Die Mutter zu den Kindern

Im Kosovo kontaktierte der Vater die österreichische Botschaft, um Notpässe zu besorgen. Das ginge aber nur mit Zustimmung der Mutter, hieß es. Ihre Reaktion auf Mails und die flehentlichen Nachrichten der Kinder: „Falsche Entscheidungen haben Konsequenzen. Diese Situation habt ihr mit eurem Vater verursacht.“ Schließlich lenkte sie doch ein, und er zahlte Flugtickets für sie und die Kinder – die sogar noch rechtzeitig in die Schule kamen. All das kann er durch Chats und Mailverkehr belegen.

Die Mutter verweigert die Aussage

Der Vorwurf der Kindesentziehung und die Aussage, die den Vater belastet, stammen von der Kindesmutter. Als Zeugin nimmt sie – noch immer eingeschnappt – von ihrem Recht Gebrauch, nicht gegen den Vater ihrer Kinder auszusagen. „Ich will nur, dass es schnell vorbei ist.“ Damit ist aber alles, was sie bisher zu Protokoll gegeben hat, nicht verwertbar: Freispruch. „Ich hätte Sie auch so freigesprochen“, sagt die Richterin zum Angeklagten. Sie ist überzeugt: Nie und nimmer hatte er die Absicht, die Kinder der Mutter zu entziehen.