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Was ist die Lungenpest und warum ist sie gefährlich?

Zwei Todesfälle durch eine „Lungenentzündung unbekannten Ursprungs“ im Umfeld des Instituts zur Bekämpfung von Pestkrankheiten in Sibirien werfen Fragen auf. Doch der Verdacht der Lungenpest hat sich aktuell noch nicht bestätigt.

Laut russischen Medienberichten soll sich die Labormitarbeiterin an einem zerbrochenen Reagenzglas infiziert haben.
© Adobestock
Laut russischen Medienberichten soll sich die Labormitarbeiterin an einem zerbrochenen Reagenzglas infiziert haben.
Martina Marx
Redakteurin Steiermark-Ressort, Gesundheit

Erst war es der Tod einer Frau am vergangenen Freitag in Sibirien, Mitte dieser Woche ist ein zweiter hinzugekommen. Seitdem steigt der Bedarf nach Antworten stetig. Der Grund: Die 28-Jährige verstarb an einer Lungenentzündung unbekannter Herkunft. Laut russischen Behörden sei die Verstorbene nicht mit den Pesterregern infiziert gewesen, mit denen sie beruflich in einem Labor des Instituts zur Bekämpfung von Pestkrankheiten in der Stadt Schelechow bei Irkutsk zu tun hatte. Am Mittwochabend hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dann Russland um Informationen über einen möglichen weiteren Todesfall eines Mitarbeiters durch eine Lungenentzündung in Irkutsk gebeten. Sie bezog sich auf einen Medienbericht. Alleine durch den Arbeitsplatz der verstorbenen Frau schwirren zahlreiche Gerüchte in sozialen Medien und werden Ängste geschürt. Wichtig zu betonen ist aber: Aktuell ist nicht klar, ob es sich bei der Todesursache wirklich um die Lungenpest handelt.

1 Um welche Erkrankung handelt es sich bei der Lungenpest?

Antwort: Die Lungenpest gilt als schwerste Form der Pest und wird durch das Bakterium Yersinia pestis verursacht. Sie kann entstehen, wenn sich die Infektion auf die Lunge ausbreitet, dann spricht man von der sekundären Lungenpest. Die primäre Lungenpest liegt dann vor, wenn sich Menschen durch Tröpfcheninfektion über die Atemwege infizieren. Zwei weitere Formen sind die Beulenpest („Schwarzer Tod“) sowie die Pestseptikämie: Hier wird vorrangig das Blut angegriffen. Einerseits ist das Bakterium hoch ansteckend, andererseits kann sich der Zustand von infizierten Personen rapide verschlechtern.

2 Wie wird die Lungenpest übertragen?

ANTWORT: Das Erregerreservoir für Yersinia pestis sind wildlebende Nagetiere und deren Flöhe. „Der Erreger wird meist durch infizierte Flöhe von Ratten oder – im Westen der Vereinigten Staaten – von Erdhörnchen und Präriehunden auf den Menschen übertragen. Bei der Lungenpest kann auch eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung stattfinden“, so die Ages, die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit. Der Wild- und Haustierbestand der Europäischen Union ist demnach frei von Pestbakterien. Bei der Übertragung zwischen Menschen handelt es sich bei der primären Lungenpest um eine Tröpfcheninfektion, etwa wenn eine infizierte Person niest. Der Erreger kann aber laut dem deutschen Robert-Koch-Institut (RKI) auch über andere Körperflüssigkeiten weitergegeben werden (durch die Bubonenflüssigkeit bei der Beulenpest).

3 Welche Symptome zeigen sich bei der Lungenpest?

Antwort: Binnen ein bis drei Tagen nach der Infektion zeigen sich erste Symptome (Inkubationszeit). Ähnlich der echten Grippe (Influenza) macht sich die Erkrankung plötzlich bemerkbar. Auch die ersten Symptome sind grippeähnlich: Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, auch Erbrechen ist möglich. Die Atemwegsbeschwerden werden mit Fortdauer schwerwiegender: Atemnot, Husten mit Auswurf, auch Atemstillstand ist möglich. Auch Organe können angegriffen werden, so kann sich infolge der Erkrankung die Leber vergrößern, ebenso die Milz. Die Lungenpest ist die am schnellsten verlaufende und unbehandelt fast immer tödliche Form der Pest.

4 Wie wird die Lungenpest behandelt?

Antwort: Die Erkrankung ist mit Antibiotika behandelbar, wenn die Therapie früh beginnt. Das Antibiotikum wird intravenös verabreicht. An Lungenpest erkrankte Personen müssen im Spital isoliert betreut werden. Eine Impfung gegen den Erreger gibt es aktuell nicht.

5 Wo kommt die Pest noch vor?

Antwort: Zwar gab es mehrmals auch in Europa große Pestausbrüche, doch die letzte war in Europa im 19. Jahrhundert zu verzeichnen. Die Pest kommt laut Robert-Koch-Institut (RKI) noch in Ländern Afrikas, Amerikas und Asiens vor, in Österreich nicht.

6 Was ist über die Fälle in Russland im Detail bekannt?

Antwort: Nicht viel mehr als oben beschrieben. Russischen Medien zufolge war die Laborarbeiterin an Lungenpest gestorben. Sie soll sich demnach mutmaßlich an ihrem Arbeitsplatz an einem zerbrochenen Reagenzglas mit der Krankheit infiziert haben. Der Nachrichtenwebsite „Menschen des Baikal“ zufolge wurden rund 200 Kontaktpersonen der Laborantin unter Quarantäne gestellt. Die russischen Behörden dementierten Lungenpest als Todesursache, bei der Obduktion seien keine Anzeichen der Erkrankung festgestellt worden, so der Gouverneur von Irkutsk, Igor Kobsew. Auch die Verhängung von Quarantänemaßnahmen wurde dementiert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert mehr Informationen von Russland ein, um die Ursache der schweren Lungenentzündung, den Erreger sowie Medienberichte über einen zweiten Mitarbeiter mit einer Lungenentzündung unbekannter Ursache zu klären, teilte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf sozialen Medien mit.

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