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Als mit Rondo die Industrie in das Raabtal bei St. Ruprecht einzog

Vor 55 Jahren eröffnete ein Vorarlberger Familienunternehmen eine Wellpappefabrik in St. Ruprecht. Ein Meilenstein für die strukturschwache Region. Die Rondo-Werke in der Oststeiermark florieren bis heute.

© Rondo
Mitarbeiterinnen im Rondo-Werk in den 1970er-Jahren (hier im Wellpappezuschnitt)
Thomas Wieser
Redakteur Regionalredaktion Weiz

Das Gebiet zwischen Gleisdorf und Weiz: Große Betriebe und Lagerhallen verdrängen mehr und mehr die landwirtschaftlichen Flächen. Eine Industrie- und Logistikregion, ein starker Wirtschaftsraum. Vor 60 Jahren war dies noch anders, Äcker und Felder dominierten, die östliche Steiermark galt als strukturschwach.

„Es gab hier praktisch nichts, wo wir jetzt sind, war früher eine Pferdekoppel“, sagt Roman Lampeter. Er führt die Geschäfte der Firma Rondo in St. Ruprecht an der Raab. Diese produziert Verpackungen aus Wellpappe, vor allem für die Lebensmittelbranche, aber auch für Baumärkte oder die Autoindustrie. Das Werk in St. Ruprecht wurde vor 55 Jahren eröffnet. Dies wurde mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Der Andrang war groß. „Rund 1400 Leute haben sich unser Werk angeschaut“, ist Lampeter dankbar.

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Bei der Jubiläumsfeier. Rondo-Geschäftsführer Roman Lampeter (Mitte) mit St. Ruprechts Bürgermeister Franz Nöhrer (r.) und Vizebürgermeister Johann Kalcher

Aber wer ist dieser frühe Vorreiter der Industrialisierung im Raum St. Ruprecht? Die Firma Rondo gehört zur Unternehmensgruppe der Familie Ganahl. Die „Vorarlberger Papierfabrik Ganahl & Co.“ baute schon 1954 ein Wellpappewerk in Frastanz. Von dort wurde auch der Osten Österreichs beliefert. Die Wege waren aber weit, der Transport teuer, die Konkurrenz aus Wien groß. Und so wurde beschlossen, ein neues Werk zu errichten.

Die Planungen begannen Ende der 1960er-Jahre. Die südöstliche Steiermark erwies sich als idealer Standort. Nachbarländer wie Ungarn waren nicht weit entfernt, die Grundstückspreise waren niedrig, Banken vergaben günstige Kredite. „In St. Ruprecht machte sich der damalige Bürgermeister Erwin Klauber für das Werk stark“, schildert Roman Lampeter. Er bezieht sich auf eine betriebswirtschaftliche These: „Ein Industriearbeitsplatz sichert zwei Gewerbearbeitsplätze.“ Ein Vorteil von St. Ruprecht war auch der Bahnanschluss, mit dem Rohmaterialien angeliefert wurden.

Gratis-Grundstück für die Firma

So stellte die Gemeinde ein Hektar großes Grundstück zur Verfügung. Gratis. Freilich, der Grund sollte sich als Kostenfalle erweisen. Der Boden war nicht optimal für die Errichtung einer Firma, das Erdmaterial musste ausgehoben und ausgetauscht werden. Im Mai 1971 begann der Bau der Fabrikshalle. Diese bestand aus Fertigteilen. Im Herbst wurden die ersten Maschinen angeliefert. Die Arbeiter dafür wurden in Vorarlberg ausgebildet. Im November 1971 ging die Fabrik in Betrieb, am 14. April 1972 fand die offizielle Eröffnung statt. Und Bürgermeister Erwin Klauber bedankte sich bei Seniorchef Arnold Ganahl mit der Ernennung zum Ruprechter Ehrenbürger.

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Das Rondo-Wellpappewerk in St. Ruprecht ging vor 55 Jahren, im November 1971, in Betrieb
Das Rondo-Wellpappewerk in St. Ruprecht ging vor 55 Jahren, im November 1971, in Betrieb © Rondo

Das Geschäft florierte. Ein besonderer Auftrag waren da etwa 100 Waggons an Gurkenschachteln, die nach Bulgarien gingen. Immer wieder wurde in der Oststeiermark investiert: Anfang der 2000er-Jahre wurde unter anderem in Zubauten investiert, der Offsetdruck wurde eingeführt. 2017 wurde eine neue Halle für die Wellpappeproduktion errichtet. 2020 wurde in Albersdorf das frühere Ummenhofer-Areal erworben. Dort wurde ein Aufrichte- und Logistikzentrum eingerichtet. 2023 wurde das neue Druckzentrum in St. Ruprecht eingeweiht.

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Das Werk in St. Ruprecht an der Raab

Die Rondo Ganahl AG

Stammsitz des Unternehmens ist in Frastanz (Vorarlberg). Der Konzern produziert so genannte Umverpackungen aus Wellpappe und Innenverpackungen aus Faserguss. Rohpapiere werden hergestellt, es gibt auch eine Recyclingsparte. Die Wurzeln des Unternehmens in Familienbesitz reichen bis 1797 zurück. Heute gibt es rund 1800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Werke gibt es neben St. Ruprecht auch in Vorarlberg, Tirol, Rumänien, Ungarn und Deutschland.

In das Werk in St. Ruprecht wird Papier geliefert. Daraus werden jährlich rund 200 Millionen Quadratmeter an Wellpappe erzeugt. Daraus werden Verpackungen für die Lebensmittelindustrie, aber auch für andere Branchen (Werkzeughandel, Automobilindustrie, usw.) hergestellt. Die Wellpappe wird geschnitten, bedruckt, zu Verpackungen geformt und ausgeliefert.

Im Werk in Albersdorf bei Gleisdorf gibt es ein sogenanntes Aufrichtezentrum. Auch die Logistik ist dort untergebracht.

Heute kommen in St. Ruprecht täglich 20 bis 25 LKW-Fuhren mit Rohmaterial – Papierrollen mit einem Durchmesser von 125 Zentimetern und einer Breite von bis zu 250 Zentimetern – an. Daraus werden verschiedene Verpackungen hergestellt, etwa Weinkartons, Schachteln für den Transport von Milchpackungen, Pizzaschachteln, Zwetschenktassen oder jene Wellpappeschalen, in denen Paradeiser in Supermärkten verkauft werden. Die Verpackungen werden auch vor Ort bedruckt. „Bei uns werden rund 30.000 verschiedene Artikel produziert. Eigentlich braucht uns jeder“, ist Lampeter stolz. „Diese Verpackungen sind aber keine Wegwerfprodukte, 95 Prozent davon werden recycelt.“ 70 bis 90 LKW-Fuhren mit Wellpappeprodukten werden jeden Tag ausgeliefert.

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Das Rondo-Werk in St. Ruprecht an der Raab
Das Rondo-Werk in St. Ruprecht an der Raab © KLZ / Thomas Wieser

Der Betrieb läuft teils vierschichtig. Im Werk in St. Ruprecht arbeiten heute 245 Frauen und Männer, im Werk Albersdorf 65. In Summe werden Jahr für Jahr zehn bis zwölf Lehrlinge ausgebildet. Jährlich werden drei, vier neue Lehrlinge aufgenommen.