Kritik an Sechs-Millionen-Euro-Umbau der Sparkasse Pöllau
Die Sparkasse Pöllau AG baut ihren Standort am Hauptplatz aus. Weil sie einer gemeinnützigen Stiftung gehört, regen sich Zweifel, ob das Vorhaben im Sinne des Gemeinwohls steht.

Vor wenigen Monaten kündigte die Sparkasse Pöllau an, ihren Standort am Hauptplatz um- und auszubauen. Rund sechs Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Dagegen regt sich nun vereinzelt Widerstand: Der Pöllauer Anton Weghofer kritisiert nicht nur die geplante Optik, sondern auch den Umfang des Bauvorhabens. In einer Zeit, in der die „Bankenwelt zunehmend Filialen schließt und Flächen verkleinert“, sehe er keine Notwendigkeit für einen so groß angelegten Umbau. Seiner Meinung nach sollte das Geld lieber in Projekte der Gemeinde fließen.
Denn: Die einst gemeindeeigene Sparkasse wurde 2003 in eine Aktiengesellschaft (AG) umgewandelt, als Gemeinden Anfang der 2000er-Jahre die Haftung für ihre Sparkassen nicht mehr übernehmen durften. Während etwa Hartberg seine (weitaus größere) Sparkasse für rund 62,5 Millionen Euro verkaufte, wurde in Pöllau stattdessen die gemeinwohlorientierte Privatstiftung Sparkasse Pöllau gegründet, die seither als Eigentümerin 100 Prozent der Aktien an der AG hält.
Mehrere Stiftungszwecke
Sie fördert laut Stiftungsurkunde soziale und kulturelle Projekte sowie die „wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung der Bevölkerung“ in der Region. Die Stiftung soll aber auch ein Augenmerk auf die „ausreichende Eigenkapitalausstattung der Sparkasse“ haben. Nach der Umstrukturierung erhielt die Gemeinde damals rund zweieinhalb Millionen Euro für Investitionen in öffentliche Projekte. In den vergangenen 23 Jahren flossen laut Johannes Kielnhofer, Vorstandsdirektor der Sparkasse und zugleich stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Privatstiftung, weitere zwei Millionen in Regionalprojekte.

15 Millionen Euro für Gemeindeprojekte gefordert
Zu wenig, findet zumindest Weghofer – die Leistungen der Stiftung seien für die Bürger kaum spürbar. Er fordert, die Sparkassen AG solle der Stiftung per Sonderdividende 15 Millionen Euro ausschütten, damit diese „Projekte in der Kommune“ finanziere, wie Kindergärten und Seniorenheime. Für Weghofer sei ohnehin bedauerlich, dass die Sparkasse damals nicht verkauft wurde. Seiner Ansicht nach hätte man im Vergleich zur etwa viermal so großen Sparkasse in Hartberg mindestens eben jene genannten 15 Millionen Euro erzielen können.
Sparkassen-Chef Kielnhofer reagiert klar: „Eine Sonderdividende in dieser Größenordnung ist aus unserer Sicht kein Thema und wäre weder regulatorisch, rechtlich noch wirtschaftlich vertretbar.“ Auch auf die weitere Kritik Weghofers, wonach die Bank aus seiner Sicht zu viel Geld anhäufe (Gewinnrücklagen lagen 2025 bei rund 22,5 Millionen Euro), betont Kielnhofer: Rücklagen seien kein Geld, das man einfach ausgeben könne – sie bilden die Basis für „Stabilität, Risikotragfähigkeit und die Finanzierung unserer Kundinnen und Kunden“. Und: Eine solide Eigenkapitalausstattung sei gerade für regional tätige Banken von großer Bedeutung.
Über die Höhe der jährlichen Zuwendung an die Stiftung entscheide übrigens die Hauptversammlung der Sparkassen AG. Sie bemesse sich am jeweiligen Jahresergebnis der Bank und variiere dementsprechend. Kielnhofer beziffert die Unterstützungsleistungen für die Region, Vereine und Institutionen auf bis zu 300.000 Euro pro Jahr.
Gemeinsame Grundwerte zwischen Gemeinde und Sparkasse
Leise Kritik an den Zuschüssen der Stiftung kommt auch von Seiten des Bürgermeisters. So vermisse Josef Pfeifer eine „klare Linie“, wo die Gemeinde unterstützt werde und wo nicht. Auch er wünsche sich manchmal mehr von der Stiftung, betont aber auch, dass man in der Sache – Pöllau zu stärken – durchaus gemeinsame Ziele verfolge. Zum Zubau sagt er indes, ein vierstöckiges Gebäude sei „wuchtig“, aber Ortsbildsachverständige hätten ihren Segen zum Letztstand der Pläne gegeben.
Kielnhofer betont, dass das rund 850 Jahre alte Sparkassengebäude längst keine zeitgemäßen Bürostandards mehr erfülle. Mit mehr als 40 Mitarbeitern wolle man zudem bewusst den Kontakt zu den Menschen halten. „Sie sollen bei uns verweilen, wir wollen einen Raum schaffen, in dem sich beispielsweise auch Vereine präsentieren können“, denkt er dabei den Stiftungsgedanken weiter.
