Bund fürs Leben? Die Stadt Lienz und ihre Partnerstädte
Nachdem sich die Aufregung um die USA-Reise nach Jackson gelegt hat, stellen sich allgemeine Fragen zu den drei Partnerschaften der Stadtgemeinde.
Hoch schlugen die Wogen rund um die Reise einer Lienzer Delegation mit Bürgermeisterin Elisabeth Blanik (SPÖ) in die US-Partnerstadt Jackson. Mitte September brach die zehnköpfige Abordnung auf, nachdem vorher sowohl in der Gemeinderatssitzung wie in den Sozialen Medien ordentlich Zoff herrschte – die Kleine Zeitung hatte berichtet. Sichtlich um Entspannung bemüht, lud Blanik nach der Rückkehr zusammen mit Historiker Martin Kofler zur Presserunde. Tatsächlich war es ein interessantes Programm, das man in den USA abspulte: vom Empfang bei Österreichs Botschafterin über den Besuch der von Kofler mitkuratierten Ausstellung zum Wirken österreichischer Skipioniere in den USA bis hin zum Austausch in Jackson selbst. Und die umstrittenen Kosten blieben im Rahmen. Statt der vorveranschlagten 60.000 Euro wurden es knapp 19.000 Euro.
Fragen und Kritik seitens der Medien kamen dennoch auf. So versprach Blanik, vor einer womöglich nächsten Reise im Vorfeld mehr zu informieren: „Ich nehme das mit.“ Auch generell wurde das Thema Städtepartnerschaft hinterfragt. Blanik erklärte, dass nach jeder Gemeinderatswahl und der Neukonstituierung des Rates dort abgestimmt wird, ob es mit den „Städte-Ehen“ weitergeht. Der letzte Beschluss sei einstimmig pro Partnerschaften gewesen. Auch die Fraktionen vom Team Lienz und der MFG stimmten dafür. Aus deren Reihen kam die Kritik am US-Trip.
Skilegende Pepi Stiegler legte den Grundstein
Die Liaison mit dem Nobelskiort in Wyoming geht bis aufs Jahr 1970 zurück. Die Lienzer Skilegende Pepi Stiegler initiierte sie maßgeblich mit. Zuvor war der Olympiasieger nach Jackson ausgewandert, wo er als Skischuldirektor und Touristiker wirkte. Über die Jahrzehnte habe sich eine tiefe Freundschaft aufgebaut, berichtete Blanik. Nicht zuletzt darum habe sie stets am Besuch in den USA festgehalten. Auch den einst legendären Schüleraustausch würde man gerne wiederbeleben.

Doch Lienz unterhält noch zwei weitere Partnerschaften: mit der Stadt Görz (Gorizia) im Friaul und mit Selçuk in der Türkei. Mit Görz ist man seit 2000 „verbandelt“, die Verbindung reicht aber zurück bis ins Habsburgerreich. Das Schloss Bruck war einst Residenz der Grafen von Görz. Wirklich tief war die Verbundenheit zuletzt jedoch nicht. Sogar dass Görz im Vorjahr Europas Kulturhauptstadt war, ging an Lienz nahezu vorbei. Eine Lienzer Rose schickte die Stadtgemeinde als Anerkennung, viel mehr passierte nicht. Inzwischen sei man wieder im deutlich besseren Austausch, erklärte die Bürgermeisterin. Mit Paul Meraner (MFG) kümmere sich zudem ein zweisprachiges Gemeinderatsmitglied um das Thema: Bei einem Treffen im April in Görz stellte Meraner auch die Weichen für eine intensivere Zusammenarbeit.
Kaum noch Kontakt zu Selçuk
Wie mit Jackson besteht die Partnerschaft mit Selçuk seit 1970. Historische und archäologische Bezüge, etwa die Grabungsarbeiten in Aguntum sowie die im antiken Ephesos, führten die Städte zusammen. Doch der Kontakt ist eingeschlafen. Als man das Wappen von Selçuk für die Lienzer Eingangstafeln anfragte, sei laut Blanik keine Antwort gekommen. Daher wären dort nur die Länderflaggen abgebildet. Die Bürgermeisterin führte aus, dass es generell keine Verträge oder Verpflichtungen gäbe: „Alles beruht auf Freundschaften und Austausch. Wenn eine Stadt nicht mehr will, dann war es das.“
Ob Lienz weiter „will“, wird sich im Jahr 2028 zeigen. Dann wird der Gemeinderat neu gewählt – und dort über die Bünde mit Jackson, Görz und Selçuk abgestimmt.
Die Partnerstädte im Kurzporträt
Görz (italienisch Gorizia) liegt auf 84 Meter Seehöhe am Isonzo im Nordosten Italiens in der Region Friaul-Julisch Venetien direkt an der Grenze zu Slowenien. Görz hat rund 33.500 Einwohner und war bis 2017 Hauptstadt der Provinz Gorizia, die in jenem Jahr aufgelöst wurde. Die Stadt war seit dem Spätmittelalter Sitz der Grafen von Görz, was die historische Verbindung zu Lienz schafft. Von 1815 bis 1918 gehörte das Gebiet zu Österreich. Am Ende des 1. Weltkriegs wurde Görz vom siegreichen Königreich Italien besetzt und 1919 annektiert.
Auf 1901 Metern gelegen ist Jackson eine Stadt im Teton County im US-Bundesstaat Wyoming. Sie liegt im Tal Jackson Hole. Bei der Volkszählung 2020 wurde eine Einwohnerzahl von 10.760 ermittelt. 97 Prozent des Gebietes von Jackson gehören zu den Nationalparks Grand Teton und Yellowstone. Neben den Nationalparks sind die umliegenden Skigebiete und das National Elk Refuge Anziehungspunkte für Touristen. Benannt sind Tal und Ort nach dem Trapper und Pelzhändler David E. Jackson, der in den 1820er-Jahren mehrmals im Tal überwinterte.
Selçuk ist eine Stadtgemeinde im gleichnamigen Landkreis der Provinz İzmir in der türkischen Ägäisregion und gleichzeitig Stadtbezirk der 1984 gebildeten Großstadtgemeinde İzmir Büyükşehir Belediyesi. Selçuk zählt rund 37.000 Einwohner und liegt auf 18 Meter Seehöhe. Historisch bedeutend ist Selçuk als Nachfolgesiedlung des antiken Ephesos (türkisch Efes). Ein früherer Name des Ortes war Ayasuluk, der sich vom Beinamen Hagios Theologos des Apostels Johannes ableitete. 1914 erfolgte unter den Jungtürken die Umbenennung in Selçuk.