Aich/Dob-Boss Martin Micheu gesteht: „Es geht an die Psyche“
Aich/Dob-Boss Martin Micheu gewährt sportliche wie auch persönliche Einblicke. Volleyballliga-Start ist am 20. Oktober in Hartberg beim Meister.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die neue Saison der Volleyballliga?
MARTIN MICHEU: Das ist die große Frage. Wir haben schließlich eine völlig neu zusammengestellte Mannschaft, und die letzten beiden Neuzugänge sind erst Mitte vergangener Woche gekommen. Wir stehen also erst am Anfang der gemeinsamen Arbeit und brauchen sicher noch Zeit, um uns einzuspielen. Deshalb glaube ich, dass der Start eher schwierig werden könnte. Unser erstes Ziel ist das Halbfinale. Dort müssen wir dann schauen, was möglich ist.
Was sind dennoch Ihre ersten Eindrücke in der bisherigen Vorbereitung?
Es war ein Auf und Ab, aber wir haben gute Ansätze gezeigt. Die Stimmung ist top und die Chemie scheint zu stimmen. Ich bin daher positiv eingestellt. Kopfzerbrechen bereitet mir allerdings die Frage, wie wir das finanziell alles überstehen werden. Uns erwartet eine schwere und teure Saison mit vielen Spielen. Es ist vieles offen – wir werden sehen, wie es ausgeht. So ehrlich muss ich sein.
Ist derzeit alles abgedeckt?
Das kann ich noch nicht beurteilen, weil man sich von Woche zu Woche auf nichts verlassen kann. Es ändert sich laufend etwas, dazu kommen kurzfristige Ausfälle. Wir sind in der Planung und werden zusätzlich Sponsoren brauchen, um finanziell über die Runden zu kommen. Ich hoffe, dass wir es während der Saison schaffen.
Sie haben den Umbau angesprochen. Wie viele Neuzugänge wurden verpflichtet?
Insgesamt sind es acht. Wir haben genau darauf geschaut, welche Positionen wir besetzen müssen. Die Spieler wurden teilweise schon länger beobachtet und nach einer genauen Analyse verpflichtet. Alle haben Potenzial. Ich hoffe, dass wir den einen oder anderen auch längerfristig halten können.
Aich/Dob war immer ein heimisches Spitzenteam. Ist es aber möglich, unter den jetzigen Umständen, wieder die Nummer eins in Österreich zu werden?
Wer ist nicht gerne die Nummer eins? Aber finanziell können wir mit anderen Vereinen nicht mithalten, und auch unser Einzugsgebiet ist nicht vergleichbar. Trotzdem schaffen wir es immer wieder, vorne dabei zu sein. Der Traum, wieder die Nummer eins zu werden, ist da. Ob wir das wieder schaffen, steht jedoch in den Sternen – und wird definitiv sehr schwierig.
Sie sind seit so vielen Jahren im Volleyballsport involviert, haben alle Höhen und Tiefen, Siege und Misserfolge miterlebt. Was treibt Sie persönlich nach wie vor an?
In Wahrheit bin ich nicht normal – oder besser gesagt: ein Irrer und Verrückter. Eigentlich hätte ich längst aufhören müssen. Ich frage mich selbst oft, warum ich nicht alles hinschmeiße, denn es gibt permanent so viele Probleme und immer wieder neue. Gesundheitlich geht es an die Substanz und an die Psyche. Mal schauen, wie lange das noch gutgeht.
Hat sich Ihr Blick auf den Volleyballsport im Laufe der Jahre generell verändert?
Absolut, ich bin in dieser Hinsicht doch etwas gelassener geworden. Ich habe wirklich jahrelang versucht, im Volleyballsport etwas zu bewegen. Irgendwann gibt man aber auf, weil nur sehr wenige über den Tellerrand hinausschauen. Viele denken in erster Linie an sich selbst, was auf eine Art verständlich ist, für den gesamten Sport aber problematisch. Auch vom Volleyballverband kommt meines Erachtens zu wenig. Die Kosten werden erhöht, aber ansonsten passiert wenig. Man kommt sich wie ein Einzelkämpfer vor. Trotzdem ziehe ich es noch so lange durch, wie es geht.