Jacob Italiano: „Vini Jr. hat so gespielt, als wäre er der echte“
Jacob Italiano steht dem GAK wieder voll zur Verfügung. Er erzählt über die schönste Nacht seines Lebens, seine Duelle mit Vinicius Jr. und erklärt, was ihn seine Verletzungshistorie gelehrt hat.
Es ist gut möglich, dass Jacob Italiano das Heimspiel des GAK gegen Salzburg am Samstag (17 Uhr, Sky live) mit Turban bestreitet. Im ersten seiner zwei Duelle mit der australischen Nationalmannschaft gegen Brasilien in der Länderspielpause hat sich der 25-Jährige bei einem Zusammenprall einen großen Cut auf der Stirn zugezogen. „Der wurde mit neun Stichen genäht“, erzählt Italiano. „Aber er macht mir keine Probleme, ich hatte zum Glück keine Gehirnerschütterung.“

Gut, dass Italianos Oberstübchen nicht weiter Schaden davongetragen hat, befinden sich dort drin doch dessen wertvollste Erinnerungen. Nach der zweiten Partie gegen Brasilien hatte der Australier „Down Under“ mit der Familie noch ein paar Tage Zeit, die vergangenen Monate Revue passieren zu lassen. „Es war einfach eine verrückte Erfahrung“, sagt er über sein WM-Erlebnis mit den „Socceroos“ im Sommer. „Es war unglaublich, ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Ich habe jede Minute geliebt.“
In Vancouver erlebte Italiano am 14. Juni die „beste Nacht meines Lebens“, wie er sagt. Mit dem GAK-Akteur in der Startelf siegte Australien zum Auftakt mit 2:0 gegen die Türkei. „Bei meinem WM-Debüt zu gewinnen mit Familie und Freunden im Publikum, das war richtig speziell“, sagt Italiano, der verrät, dass ihn auch ein ehemaliger Mitspieler von der Tribüne aus anfeuerte. „Murat Satin war da, das war richtig cool. Er ist ein richtig guter Typ, wir haben noch immer Kontakt“, meint Italiano über den Neuzugang der WSG Tirol.

Auch bei der 0:2-Niederlage gegen Co-Gastgeber USA am zweiten Gruppenspieltag stand Italiano in der Startelf, spielte durch. „Es war unfassbar, das war das lauteste Stadion überhaupt“, schwärmt der Außenspieler von der Atmosphäre im Lumen Field in Seattle. „Es war wie in einer Disco – du kommst zurück in die Kabine und du hast noch immer ein Pfeifen in den Ohren. Dann wird dir klar, wie groß die WM ist. Im TV sprechen Thierry Henry und Zlatan Ibrahimovic über deine Spiele. Oder wenn du versuchst, am Nachmittag ein Schläfchen im Hotel zu machen, aber 1000 türkische Fans singen in den Straßen. Das sind die Herausforderungen, denen du dich mit Freude stellst und dem ganzen Druck, der damit einhergeht. Und wenn du dann siehst, was für Freude du deinem Land bringst, wenn du erfolgreich bist – das ist ein unglaubliches Gefühl. Bis zur nächsten WM dauert es jetzt leider wieder vier Jahre, daher musst du wirklich versuchen, alles aufzusaugen und im Moment zu leben. Und ich glaube, das habe ich getan.“
Jacob Italiano: „Ich lerne es auf die harte Tour“
Während für die „Socceroos“ erst im Sechzehntelfinale das Aus gegen Ägypten kam, ging die Weltmeisterschaft für Italiano schon vorzeitig zu Ende. Noch vor dem letzten Gruppenspiel gegen Paraguay zog sich der 25-Jährige einen Muskelbündelriss im Bereich der Adduktoren zu, der ihn bis Ende August außer Gefecht setzen sollte – es war nicht seine erste längere Verletzungspause, seitdem er beim GAK ist. In Zukunft soll sich das ändern. „Ich habe viel aus der Verletzung gelernt“, sagt Italiano. „Für das Level, auf dem ich sein möchte, auf dem ich sein muss, darf ich künftig an meinen freien Tagen nicht mehr immer Vollgas geben. Ich muss mir mehr Zeit für mich und die Regeneration nehmen. Ich wollte immer, dass alles perfekt ist, aber ich muss auch einmal den Kopf frei bekommen. Zum Nationalteam fliegen, Spiele spielen, wieder lange zurückfliegen und wieder spielen... das muss ich lernen, besser zu managen – und ich lerne es auf die harte Tour.“
Hatten viele Italiano infolge seiner Einberufung zur WM nach dem Sommer schon bei einem anderen Klub gesehen, machte die Verletzung einem möglichen Transfer einen Strich durch die Rechnung. „Um ehrlich zu sein, habe ich auch erwartet, woanders zu sein“, redet Italiano nicht um den heißen Brei herum. „Es war der Plan vom GAK und auch von mir. Aber ich bin sehr glücklich hier, meine Partnerin ist glücklich, wir wohnen in einer wunderschönen Stadt und ich habe einen Vertrag bei einem Klub, den ich liebe. Der GAK hat viel für mich und meine Karriere getan, dafür werde ich mich in dieser Saison revanchieren und dann sehen, wohin mich die nächste führt.“ Mit seinem Tor beim 2:2 gegen die Wiener Austria vor der Länderspielpause hat Italiano bei seinem ersten Startelf-Einsatz in dieser Saison bereits wieder bewiesen, wie wichtig er für die Rotjacken sein kann.
Unmittelbar danach ging es für den Australier wieder einmal zum Nationalteam, wo er in zwei Duellen gegen Brasilien je über 80 Minuten absolviert hat. „Diese Spiele haben mir geholfen, wieder voll fit zu werden und zurück in den Rhythmus zu finden“, sagt Italiano, der auf seiner rechten Abwehrseite in beiden Spielen gegen niemand Geringeren als Vinicius Jr. zu verteidigen hatte. „Gemeinsam mit dem Innenverteidiger auf meiner Seite habe ich probiert, ihn zu kontrollieren. Aber das ist nicht einfach, manchmal steht er im Abseits herum und du denkst, er ist quasi aus dem Spiel", sagt Italiano und meint mit einem Fingerschnippen: „Und plötzlich ist er aus dem Nichts wieder da.“
Im ersten Spiel (1:1) wurde Italiano beim Stand von 1:0 für Australien ausgewechselt, in der zweiten Partie holte die Seleção einen 4:2-Erfolg – inklusive Gurkerl von Vini Jr. für Italiano. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass er der echte ist“, sagt Italiano mit einem Lachen. Auch er hat von den Verschwörungstheorien in den Sozialen Netzwerken mitbekommen, wo manche Leute zweifeln, ob der Real-Star – der sich wohl einem kosmetischen Eingriff unterzogen hat – ob seines veränderten Aussehens auch wirklich noch der echte Vini Jr. ist. „Das ist alles ein bisschen verrückt“, meint Italiano. „Er hat jetzt einen Bart und hat wohl etwas bei seinem Kinn machen lassen, aber er ist auf jeden Fall der echte Vini – er hat zumindest so gespielt, als wäre er der echte. Er ist unglaublich.“

Wir müssen anfangen, nach oben zu schauen und nicht nach unten.
— Jacob Italiano, GAK-Spieler
Nach der WM waren die beiden Spiele gegen Vini Jr., Raphinha, Rayan, Endrick und Co. ein weiterer Höhepunkt in seiner Nationalteam-Karriere. „Wenn man sich das Level von Vini oder Raphinha ansieht – viel höher geht es kaum“, sagt Italiano. „Und nach den Spielen waren sie wirklich respektvoll und nett uns gegenüber, ich denke, wir haben ihnen ein bisschen Respekt abverlangt.“ Jetzt heißt die Realität wieder Graz-Weinzödl – doch von Ausruhen ist keine Rede. „Ich denke, der Fußball hier ist noch intensiver als unsere Spiele gegen Brasilien, um ehrlich zu sein. Ich muss jeden Tag mein Bestes abliefern“, sagt Italiano. So auch am Samstag gegen Salzburg. „Ich bin zuversichtlich, dass wir dieses Spiel gewinnen können. Wir müssen anfangen, nach oben zu schauen und nicht nach unten, das muss unser Ziel sein.“ Mit Gerald Scheiblehner steht beim GAK seit einigen Wochen ein Trainer an der Seitenlinie, der für einen Fußball steht, mit dem sich auch Italiano identifiziert. „Hohes Tempo, viel Intensität, direktes Spiel nach vorne – das ist aufregend. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Wenn wir alle nach derselben Idee spielen, können wir jeden schlagen.“
Jeden schlagen, das will Italiano auch beim am 7. Jänner beginnenden Asian Cup in Saudi-Arabien, an dem Australien als Teil des asiatischen Fußballverbands teilnimmt. Wird Italiano einberufen und die „Socceroos“ ihrer Mitfavoritenrolle gerecht, könnte er dem GAK einen Großteil der Wintervorbereitung fehlen – und wahrscheinlich auch in den ersten Bundesliga-Runden, die bereits ab 22. Jänner über die Bühne gehen. Das Finale des Asian Cups findet am 5. Februar statt. „Im ozeanischen Verband hat sich das australische Team nicht so entwickelt wie erhofft, weil die anderen Teams nicht auf Augenhöhe waren“, sagt Italiano. Im Jahr 2001 schoss Australien im Rahmen der WM-Qualifikation Amerikanisch-Samoa etwa mit 31:0 ab, 2005 erfolgte der Wechsel in den asiatischen Verband, 2015 wurde Australien erstmals Asienmeister. „Der Fußball in Asien ist anders, es ist oft sehr heiß und die Spiele sind nicht ganz so schön anzuschauen, mit viel Zeitspiel und solchen Sachen“, meint Italiano. „Aber im Regelfall haben wir das Team mit der besseren Qualität, wir werden die Spiele machen müssen. Wir haben ein gutes, junges Team und ich hoffe, wir können das Turnier gewinnen.“ In Italianos Oberstübchen ist bestimmt noch Platz für ein paar mehr unvergessliche Momente.