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Kärntner Maronibauer hat Totalausfall bei der Ernte

„Seit 180 Jahren war es nicht mehr so trocken“, klagt Martina Payer vom Simon Hof in Mittertrixen. Mit einem anderen Nischenprodukt hatten sie und ihr Mann hingegen eine „sehr gute Ernte“.

Eine Frau läuft bei den Maronibäumen vorbei
© Christian Schütz
Martina Payer und ihr Mann Mario bauen in Mittertrixen Maronibäume an
Ulrike Greiner

Der Simon Hof in Führholz bei Mittertrixen im Bezirk Völkermarkt ist seit Generationen ein bäuerlicher Familienbetrieb. Im Jahr 2018 begannen Martina Payer und ihr Mann Mario als erste Landwirte in Kärnten mit dem Anbau von Maronibäumen. „Es waren zunächst hundert Bäumchen verschiedener Sorten, die wir auf unserer ersten Plantage ausprobiert haben“, erzählt Martina Payer. Im Laufe der Zeit wurde der Anbau erweitert und zuletzt befinden sich auf 4,2 Hektar 400 Bäume auf drei Plantagen.

Seit 180 Jahren war es nicht mehr so trocken.

— Martina Payer, Landwirtin

Zu Beginn konnte man mit dem Ertrag zufrieden sein, doch in diesem Jahr fällt die Ernte der beliebten Edelkastanien komplett aus. „Zuerst kamen Spätfröste, wodurch die Pflanzen neu austreiben mussten. Dann die Dürre im Sommer. Seit 180 Jahren war es nicht mehr so trocken“, sagt Payer. Das ist bitter für die Jungbauern, denn Maronibäume zeigen erst nach fünf bis sechs Jahren die ersten Erträge, die sich dann ab zehn bis 12 Jahren zu relevanten Ernten steigern.

Wetterextremen nicht gewachsen

Dem extrem heißen Wetter, so wie es in diesem Sommer der Fall war, waren die Esskastanien, die normalerweise Tiefwurzler sind und mit Trockenheit recht gut zurecht kommen, aber nicht gewachsen. Die Bäume waren einfach noch zu jung. Für Martina und Mario Payer ist das allerdings kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen: „Man muss das einfach langfristig sehen.“ Und man muss Ideen entwickeln, die auch die Forschung bestätigen.

Martina Payer vom Simon Hof
© Christian Schütz
Martina Payer vom Simon Hof

Mit ihrer Liebe zu alternativer Landwirtschaft gehören Martina und Mario Payer, was die Edelkastanien angeht, dem „Eip Agri“ an. Diese „Europäische Innovationspartnerschaft“ fördert Projekte, die die landwirtschaftliche Produktivität steigern und Nachhaltigkeit forcieren. Was Edelkastanien betrifft, ist die wirkungsvolle Bekämpfung eines Schädlings das Ziel, der die Bäume massiv bedrohen kann: Der Kastanienrindenkrebs – ein Pilz, dringt über Wunden ins Pflanzengewebe ein und führt zum Absterben der Bäume. Sein Feind ist ein anderer Pilz namens Trichoderma, dessen Entdeckung und Anwendung ebenfalls am Simon Hof wurzelt. Seine Anwendung kommt Landwirten in der gesamten Europäischen Union zugute und wird von der EU, dem Land Kärnten und dem Bund gefördert.

Tauernroggen-Risotto

Martina Payer mit dem Tauernroggen
© Christian Schütz
Martina Payer mit dem Tauernroggen

Das Paar ist aber nicht nur in Sachen Maroni bis heute Vorreiter in Kärnten, sondern leistet auf einem anderen landwirtschaftlichen Gebiet sogar Pionierarbeit in ganz Österreich. Der Simon Hof ist längst ein Geheimtipp für das Tauernroggen-Risotto, das Eingang in die Spitzengastronomie gefunden hat. „Tauernroggen ist eine alte und seltene Getreidesorte mit einem kleineren Korn als normaler Roggen und etwas weniger Ertrag als Hybridsorten. Er ist auch trockenresistenter als andere Ackerfrüchte. Es ist ein Nischenprodukt, das sehr gut angenommen wird. Die Ernte war bereits im Juli und ist sehr gut ausgefallen“, erklärt Payer. In einem speziellen Verfahren wird das Korn geschliffen und kann dann perfekt zu Risotto verarbeitet werden. Heuer zum ersten Mal wurde am Simon Hof auch Gelbhafer angebaut, der ebenfalls für Risotto verwendet wird.